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Prostatakrebs: Linke streitet über Lafontaine-Nachfolge

Während Oskar Lafontaine seine vorerst letzte Rede vor dem Landtag in Saarbrücken gehalten hat, streitet seine Partei darüber, ob man sich bereits um die Nachfolge des Parteichefs kümmern müsse. Lafontaine leidet an Prostatakrebs und wird am Donnerstag operiert.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, hat Prostatakrebs. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Der 66-Jährige hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er an Krebs erkrankt sei und bereits an diesem Donnerstag operiert werde. Die Partei hoffe nun, dass der Eingriff gut verläuft, sagte ein Sprecher. Lafontaine wird die Amtsgeschäfte zunächst ruhen lassen. Anfang Oktober hatte er überraschend seinen Verzicht auf den Fraktionsvorsitz neben Gregor Gysi im Bundestag erklärt. Danach war über die Gründe spekuliert worden - bis zur gestrigen Meldung Lafontaines.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann und tritt fast ausschließlich in höherem Alter auf. Nur an Lungen- und Darmkrebs sterben in Deutschland mehr Männer. Die Heilungschancen sind allerdings weit besser als bei den beiden letztgenannten Krebsarten. Zwar blieben die Sterberaten laut Robert-Koch-Institut seit 1970 relativ konstant, aber dafür hat sich die Lebensdauer von Prostatakrebspatienten nach der Operation in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Ramelow versus Ernst

In seiner Partei ist derweil ein offener Streit über die Nachfolge ausgebrochen. Der thüringische Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow rief seine Partei auf, sich im kommenden Jahr gezielt auf die Zeit nach einem Ausscheiden Lafontaines vorzubereiten. "Es muss ohne Lafontaine gehen", sagte Ramelow der "Leipziger Volkszeitung". Der stellvertretende Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzende Klaus Ernst wies dies umgehend zurück: "Ich kann alle in der Partei nur davor warnen, jetzt Personaldebatten zu beginnen."

Es gebe dazu keinen Grund, sagte Ernst. "Das wäre schädlich für die Linke und außerdem moralisch verwerflich." Es gebe keinen Anlass, der Entscheidung Lafontaines über sein weiteres politisches Wirken nach seiner Genesung vorzugreifen. Gregor Gysi zeigte sich optimistisch, dass sein Kollege die Operation "gut übersteht und bald wieder gesund zurückkommt".

"Wir brauchen einen Generationswechsel"

Ramelow sagte, sein Aufruf habe nichts mit der Krebserkrankung zu tun. "Bei einem Lebensalter von 66 Richtung 67 bei Lafontaine muss man sich auf den Wechsel vorbereiten." 2011 müsse das Programm der Linkspartei als gesamtdeutsche Partei stehen. "Aus diesem Korsett kommen wir gar nicht heraus", sagte er zur zeitlichen Perspektive. "Wir brauchen einen Generationswechsel, und wir müssen uns im kommenden Jahr endgültig auf die Perspektive als gesamtdeutsche Partei einrichten."

Im Saarbrücker Landtag erhielt Lafontaine am Mittwoch viele Genesungswünsche aus den unterschiedlichen Lagern. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sagte, politisch trennten beide zwar Welten, "aber hier geht es um den Menschen Oskar Lafontaine. Und dem Menschen Oskar Lafontaine wünsche ich alles Gute." Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Heiko Maas, sagte: "Ich wünsche Oskar Lafontaine eine schnelle Genesung und einen guten Verlauf der bevorstehenden Operation."

Der Krebspatient selbst zeigte sich bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor der Operation gewohnt scharfzüngig. Er griff die neue schwarz-gelb-grüne Landesregierung im Saarland scharf an und warf ihr Unglaubwürdigkeit vor. Bei der CDU sei der Begriff der "Wählertäuschung" angebracht. Wer vor einer Landtagswahl sage, die Schuldenbremse sei der Weg, um die Landesfinanzen zu konsolidieren, und nach der Landtagswahl das Gegenteil behaupte, für den sei der Vorwurf der Wählertäuschung "sehr wohl aufrecht zu halten". Seine Erkrankung erwähnte Lafontaine nicht.

DPA/AFP / DPA