Prozess-Auftakt Mordanklage ohne Leichen


In Hannover hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Doppelmörder begonnen. Der Angeklagte Michael P. soll seine Freundin und deren Tochter grausam umgebracht haben. Ihre Leichen wurden indes nie gefunden.

Unter großem öffentlichen Interesse hat im Landgericht Hannover der Indizien-Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Karen Gaucke und der gemeinsamen Tochter Clara begonnen. Der angeklagte Ex-Freund Gauckes kündigte zu Prozessbeginn an, dass er nichts sagen werde. "Ich möchte schweigen", sagte der 38 Jahre alte Manager, der bekleidet mit einem braunen Anzug und einem hellblau karierten Hemd auf der Anklagebank Platz genommen hatte.

Mit zusammengepresstem Mund hörte er zu, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge die Anklage verlas. Heimtückisch und aus niederen Beweggründen habe er am 15. Juni vergangenen Jahres seine Ex-Freundin Karen Gaucke und die gemeinsame, sieben Monate alte Tochter Clara umgebracht. Ihre Leichen habe er an einem unbekannten Ort versteckt. Trotz zahlreicher Suchaktionen in Seen und Wäldern rund um Hannover wurden sie bisher nicht gefunden.

Gaucke und der Angeklagte sollen sich um Unterhalt gestritten haben. Der Kaufmann sollte laut Anklage 700 Euro an die 37-Jährige zahlen, dazu noch einmal 250 Euro für Clara. Zugleich hatte der 38- Jährige eine neue Freundin, mit der er ebenfalls ein Kind hatte. Gaucke und ihre Tochter hätten dem Leben mit dieser neuen Familie im Wege gestanden.

Die Verteidigerin des Managers beantragte zu Prozessbeginn, nicht länger als vier Stunden pro Tag zu verhandeln. "Mein Mandant ist in seiner Verteidigungsfähigkeit erheblich eingeschränkt", sagte sie und begründete das mit den Haftumständen des 38-Jährigen. Wegen Suizidgefahr müsse er seine Tage und Nächte in besonders gesicherten Hafträumen im Gefängnis in Sehnde (Region Hannover) verbringen, habe wenig Ablenkung, könne kaum schlafen. Der Richter lehnte die zeitliche Einschränkung der Verhandlung ab. Der Angeklagte solle sagen, wenn er eine Pause brauche und nicht mehr folgen könne.

"Gaucke geht es nur um Aufklärung"

Die Verteidigerin hatte zudem eine "mediale Vorverurteilung" des 38-Jährigen beklagt. Der Mann sei massiv von Nebenklage, Medien oder Mithäftlingen angefeindet worden. Gauckes Eltern, die dem 38-Jährigen als Nebenkläger im Gerichtssaal gegenüber saßen, hatten ihn in verschiedenen öffentlichen Appellen um ein Geständnis gebeten. Ihr Anwalt Matthias Waldraff sagte: "Gaucke geht es nur um Aufklärung." Sie wollten nur noch wissen, wo ihre Tochter und ihre Enkelin sind. "Wenn meine Mandanten hinnehmen mussten, dass er schweigt, muss er hinnehmen, dass sie alle Mittel ausschöpfen, die zum Auffinden von Tochter und Enkelin führen könnten."

Der Fall hatte für erhebliches Aufsehen gesorgt. Am Dienstag war der Zuschauerandrang im Gericht riesig. Seit sechs Uhr morgens hatten die Ersten bei eisigen Temperaturen vor den Türen angestanden, um einen der knapp hundert Plätze im Zuschauerraum des Schwurgerichtssaals zu ergattern. Etliche wurden abgewiesen.

DPA DPA

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