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Rechtsextremismus: Völkisches Liedgut von Skinhead-Bands

Sie predigen Rassenhass und Gewalt gegen Andersdenkende. Rechtsextreme Skinhead-Bands finden immer mehr Zuhörer. Konzerte von Gruppen wie Landser, Endlösung oder Gaskammer bilden die eigentlichen Treffpunkte der ansonsten zersplitterten Szene.

Sie nennen sich Hassgesang, Endlösung oder Blutrausch. Ihre Songs - meist im Metal- oder Hardcore-Sound - heißen "Weltherrschaft", "Asylbetrüger" oder "Skinhead für immer". Dem Bundesverfassungsschutz zufolge ist diese Skinhead-Musik ein wesentlicher identitätsstiftender Faktor der rechtsextremen Subkultur. Für viele Jugendliche bilde die Musik einen Anreiz zum Einstieg in die Szene, heißt es im neuen Verfassungsschutzbericht. Und die Zahl der Nazi-Bands und Skinhead-Konzerte steigt.

Als Beispiel für die menschenverachtende Ideologie zitiert der Bericht der Verfassungsschützer aus dem Lied "Volk steh auf" der Band Rassenhass: "Jeder Neger ist dann zu Haus in Afrika oder hängt an einem Baum und Europa ist dann wieder weiß, denn für Affen ist hier kein Raum." Aber das Stück richtet sich nicht nur gegen Afrikaner, es ist ein Rundumschlag gegen Christen, Juden und das bestehende System in der Bundesrepublik - unter anderem mit der Ankündigung, das Bundeskanzleramt in Brand zu stecken.

Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung

Gegen mehrere Nazi-Musikgruppen leiteten die Strafverfolgungsbehörden im vergangenen Jahr Verfahren ein. So fanden Durchsuchungen bei Mitgliedern der Bands Oidoxie, Race War, Skalinger, Weisse Wölfe und Stahlgewitter statt. Im vergangenen Dezember verurteilte das Kammergericht Berlin erstmals Mitglieder einer Neonazi-Band wegen Mitgliedschaft in einer kriminelle Vereinigung. Drei Mitglieder der Band Landser erhielten Gefängnisstrafen, Bandleader Michael R. musste als Rädelsführer für drei Jahre und vier Monate hinter Gitter.

Doch Skinhead-Musik erfreut sich trotzdem wachsender Beliebtheit. Der Verfassungsschutz zählte 95 Bands, die bei Konzerten auftraten oder Tonträger veröffentlichten, fünf mehr als im Vorjahr. Bundesweit 119 Skinhead-Konzerte gab es 2003, sieben mehr als im Vorjahr. 22 Veranstaltungen konnten bereits vor Beginn verhindert werden, 17 weitere löste die Polizei auf - auch hier stiegen die Zahlen.

Konzerte sind Treffpunkte der Szene

Die Konzerte der Skinhead-Bands haben nach Einschätzung des Verfassungsschutzes für die ansonsten zersplitterte Szene eine besondere Bedeutung: "Diese Veranstaltungen sind die eigentlichen Treffpunkte der Szene. Bei den Besuchen erzeugen sie ein Gefühl der Gemeinschaft und Stärke. Als nicht alltägliche und nicht jedermann zugängliche Veranstaltungen üben sie auf Jugendliche einen besonderen Reiz aus", heißt es im Verfassungsschutzbericht.

Organisiert werden die Konzerte meist konspirativ. Bis kurz vor Beginn sind meist nur wenige Szeneangehörige über den Ort des Konzerts informiert, auch die Verpächter der Veranstaltungsorte werden bei Anmietung häufig getäuscht.

CDs nicht im allgemeinen Handel erhältlich

Skinhead-Musik ist nicht im allgemeinen Handel erhältlich, es hat sich ein eigenes Vertriebsnetz gebildet. Konsumenten können die Musik bei über 50 bundesweiten aktiven Versandhändlern beziehen. Darüber hinaus wird die Musik in Szenetreffpunkten und bei Konzerten über mobile Händler verkauft. Für den Vertrieb der Musik spielt aber vor allem das Internet eine große Rolle. Mit der Eingabe des Namens einer Nazi-Band in einer Suchmaschine landet man in der Regel sofort bei einem entsprechenden Vertrieb - häufig im Ausland und damit weitgehend sicher vor dem Zugriff der deutschen Behörden.

Wem die Parolen im Heavy-Metal-Sound zu laut sind, der wird mit Folk-Musik von rechtsextremen Liedermachern bedient. Vermeintlich harmlos klingt der CD-Titel von Annett "Eine Mutter klagt an..." Bei der Formation Gaskammer ist der Name dagegen eindeutig.

Völkisches Liedgut von nationalen Barden

2003 traten den Verfassungsschützern zufolge 18 verschiedene Musiker dieser Art bei Musikveranstaltungen auf. Bekanntester Protagonist der rechtsextremen Liedermacher ist Frank Rennicke aus der Nähe von Stuttgart, der sich selbst als "Nationalen Barden" bezeichnet und wegen Volksverhetzung verurteilt ist - sein Verteidiger vor Gericht war übrigens das Ex-RAF-Mitglied Horst Mahler.

Im Visier der Strafverfolger stand Rennickes "Heimatvertrieben-Lied" mit zahlreichen Text-Passagen im Stile wie etwa "Fremdvölker vernichten deutsche Natur ... Fremde Völker raus, endlich wieder Herr im eigenen Haus". Die CD "An Deutschland" mit dem Song ist im Internet leicht erhältlich - etwa bei einem amerikanischen Versand.

Stephan Köhnlein, AP / AP / DPA