Rostock Großdemo kleiner als geplant

An der Großdemonstration der G8-Gegner in Rostock nehmen weit weniger Menschen teil, als erwartet. Dennoch kam es bereits zu ersten Krawallen. Gegen das Demonstrationsverbot in Heiligendamm soll gerichtlich vorgegangen werden - später jedoch.

Die Globalisierungskritiker werden das weitreichende Demonstrationsverbot beim G-8-Gipfel voraussichtlich erst am Sonntag beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde einlegen. Ein Sprecher des Sternmarsch-Bündnisses sagte am Samstag, die Beschwerde werde noch ausgearbeitet. Die G-8-Gegner kritisieren, dass während des Gipfels rund um den umzäunten Tagungsort Heiligendamm eine zusätzliche Bannmeile von sechs Kilometern Breite gelten soll. Die Polizei rechtfertigt diese Sperrzone mit Sicherheitsbedenken, während die G-8-Gegner von einem Verstoß gegen die Demonstrationsfreiheit sprechen.

Zur Demonstration gegen den G-8-Gipfel erwartet die Polizei in Rostock wesentlich weniger Teilnehmer als angekündigt. Derzeit seien etwa 20.000 Demonstranten in der Stadt, sagte Polizeisprecher Andreas Wegner in Rostock. "Dabei wird es wohl bleiben." Ursprünglich war mit bis zu 100.000 Globalisierungsgegnern gerechnet worden. Die Organisatoren erklärten, sie könnten sich erst am Nachmittag zu Teilnehmerzahlen äußern.

Am Rande der Großkundgebung gegen den G-8-Gipfel in Rostock ist es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Aus einer Gruppe von teilweise vermummten Autonomen wurden Farbbeutel, Steine und Flaschen auf Polizisten und Polizeiautos geworfen. Polizeisprecher Axel Falkenberg sprach von "Steinwürfen in erheblichem Umfang" aus den Reihen von Autonomen. An einer Bank seien Scheiben eingeworfen worden. Auch ein Hotel war Ziel der Attacke, in dem dem Vernehmen nach eine Delegation von US-Gesandten wohnen soll.

Nach Polizeiangaben waren insgesamt etwa 25 000 Demonstranten in zwei Protestzügen zum Stadthafen unterwegs. An zwei Sammelstellen hatten die Gipfelkritiker zuvor gegen die Politik der G8-Staaten protestiert. Zur Sicherung waren nach dpa-Informationen 5000 Beamten im Einsatz. Die Polizei rechnete nicht mit wesentlich mehr Demonstranten. Die Züge und insgesamt 170 Busse seien angekommen.

Kommende Woche kommen in Heiligendamm die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen (G-8) zusammen. Globalisierungskritiker werfen der Achtergruppe unter anderem vor, mit verantwortlich für ungerechtes Wirtschaftssystem und damit für Armut in der der Welt zu sein.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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