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Nach Auftritt bei "Anne Will" "Kann und werde sie nicht mehr erklären": Die Linke distanziert sich von Sahra Wagenknecht

Dietmar Bartsch (l.) und Susanne Hennig-Wellsow (r.) widersprechen den Äußerungen von Sahra Wagenknecht zu Corona-Impfungen
Dietmar Bartsch (l.) und Susanne Hennig-Wellsow (r.) sowie andere führende Politiker der Linken widersprechen den Äußerungen von Sahra Wagenknecht zu Corona-Impfungen
© Filip Singer/Pool / Getty Images
Der Auftritt bei "Anne Will" und die Äußerungen von Sahra Wagenknecht sorgen für Unmut in der Spitze der Linken. Wagenknecht hatte sich gegen Corona-Impfungen positioniert – und bekommt nun heftigen Widerspruch aus ihrer Partei.

Die Spitze der Linken ist nach den öffentlich vorgetragenen Zweifeln von Sahra Wagenknecht an Corona-Impfungen auf Distanz zur früheren Fraktionschefin gegangen. "Es gibt eine Beschlusslage, die heißt, dass wir Impfkampagnen unterstützen", sagte Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow am Montag in Berlin. Wagenknecht hatte in der Talksendung "Anne Will" am Sonntagabend gesagt, sie lasse sich nicht gegen das Coronavirus impfen, weil sie kein Vertrauen in die bislang zugelassenen Impfstoffe habe.

Hennig-Wellsow sagte, Impfen sei "auch die Verantwortung für andere". Es gehe darum, "andere zu schützen, deren Freiheit tatsächlich zu gewähren". Die Linken-Vorsitzende fügte hinzu: "Insofern ist es nicht banal, das Impfen abzulehnen oder vom Impfen abzuhalten." 

Wagenknecht sei Bundestagsabgeordnete und habe "keine führende oder demokratisch legitimierte Rolle im Bundesverband". Insofern sei klar, dass die Parteivorsitzenden für die Partei und die Fraktionsvorsitzenden für die Fraktion sprächen. Hennig-Wellsow fügte hinzu, es gelte für sie ein Satz: "Ich kann und werde Sahra Wagenknecht nicht mehr erklären."

Linken-Fraktionschef Bartsch wirbt für Impfung

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch schrieb am Montagmorgen auf Twitter, er werbe weiterhin "nachdrücklich dafür, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen", auch aus Gründen der Solidarität. Bartsch hatte die Linken-Bundestagsfraktion lange gemeinsam mit Wagenknecht geführt.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf Wagenknecht in einem vorab veröffentlichten Beitrag für das ARD-"Extra" zur Corona-Lage am Montag vor, sie laufe "mit Halbwahrheiten durch die Gegend". Es sei ein "Zeichen von Solidarität", sich impfen zu lassen. Und sie erwarte von einer "verantwortungsbewussten Politikerin", das auch klar zu sagen.

Wagenknecht hält Impfen für keinen "Akt der Solidarität"

Wagenknecht sagte in der Talksendung mit Blick auf die Corona-Impfstoffe unter anderem, sie kenne die Langzeitfolgen der Impfungen nicht. Sie ging zudem davon aus, dass sie mit einer Impfung nur sich selbst, nicht aber andere schütze. Impfen sei kein "Akt der Solidarität mit anderen", da auch Geimpfte das Virus weitergeben könnten. Jeder müsse beim Impfen für sich selbst entscheiden können. 

Der ebenfalls in der Sendung anwesende SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widersprach Wagenknechts Ausführungen energisch. 

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In der Linkspartei gibt es seit langem Auseinandersetzungen um die frühere Fraktionschefin Wagenknecht. Sie hatte unter anderem ihrer Partei vorgeworfen, sich zu wenig um ihre Stammwähler zu kümmern. Anträge auf Parteiausschluss aus ihrem Landesverband Nordrhein-Westfalen hatten aber keinen Erfolg; auch die Bundesspitze hatte einen Ausschuss abgelehnt.

tkr AFP

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