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Schengen-Abkommen: Die Grenzen sind offen - und nun?

Was ändert sich durch den Beitritt der osteuropäischen Staaten zum Schengener Abkommen? Führt die Abschaffung der Grenzkontrollen zu mehr Unsicherheit in Deutschland? Was müssen Touristen beachten? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von Matthias Weber

Am 21. Dezember fällt der Eiserne Vorhang endgültig. Mit dem Beitritt mehrerer osteuropäischer Länder zum Schengen-Abkommen werden die Kontrollen an den Grenzen etwa zu Tschechien, Polen und den baltischen Staaten abgebaut. Fünf Fragen und Antworten.

Freie Fahrt für Kriminelle?

Nicht unbedingt. Der Wegfall der Kontrollen soll laut Innenministerium nicht weniger Sicherheit zur Folge haben. Die EU-Innenminister haben eine Reihe sicherheitspolitischer Ausgleichsmaßnahmen beschlossen. So werden die Kontrollen an den Außengrenzen der EU verstärkt und auf das Niveau der Schengen-Staaten angehoben.

Zudem sollen die Polizei- und Justizbehörden im Kampf gegen die organisierte Kriminalität enger zusammenarbeiten. Die Fahndung wird zum Beispiel durch das Schengener Informationssystem (SIS) verbessert, über das die nationalen Behörden Daten über Personen oder gestohlene Gegenstände wie zum Beispiel Autos abrufen können.

Was tun gegen Autoschieberei und Menschenhandel?

Die Bundespolizei kontrolliert künftig verstärkt im deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Vorgesehen sind gemeinsame Streifen mit Beamten des jeweiligen Nachbarlandes auf dem Land, zu Wasser und in der Luft beiderseits der Grenzen. Das soll trotz offener Grenzen die Sicherheit garantieren.

Gibt es weiterhin Lkw-Schlangen?

Das Innenministerium geht davon aus, da ja die umständliche Abfertigung entfällt. Kontrollen im Rahmen der mobilen Grenzraumüberwachung bleiben aber nach den Schengener Regeln weiter zulässig.

Gilt der freie Grenzverkehr auch bei Waren?

Soweit die Waren dem persönlichen Gebrauch dienen: ja. Als Richtwerte gelten 800 Zigaretten, zehn Kilogramm Kaffee oder 90 Liter Wein. Alles darüber hinaus muss versteuert werden. Genauere Informationen finden Reisende bei www.zoll.de

Was passiert mit den Beamten?

Sie werden nicht arbeitslos, sondern anders eingesetzt, etwa bei der mobilen Überwachung. Ausschlaggebend dafür sind laut Innenministerium "polizeitaktische und kriminalgeografische" Gesichtspunkte. An dem Konzept dafür wird noch gearbeitet.