Schießbefehl-Dokument Historiker will Birthler-Behörde auflösen


Klaus Schroeder, Chef des Berliner Forschungsverbundes SED-Staat, hat die Birthler-Behörde scharf kritisiert. Der Fund des Schießbefehl-Dokuments sei keine Sensation, die Behörde betreibe nur PR und solle aufgelöst werden.

Der Chef des Berliner Forschungsverbundes SED-Staat, Klaus Schroeder, hat Marianne Birthlers Umgang mit dem Thema Schießbefehl scharf kritisiert. "Sie hat sich zunächst ohne Recherche dazu hinreißen lassen, an die Öffentlichkeit zu gehen und so zu tun, als sei ein historisch neuer, sensationeller Fund gelungen. Das diskreditiert die Behörde", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Er vermute, Birthler habe die Sache "hochgejubelt", um zu zeigen, wie wichtig ihr Apparat sei. "Ansonsten wäre ihr Auftreten ein Zeichen von Inkompetenz." Das Papier, das jüngst im Magdeburger Stasi-Archiv entdeckt worden war, ist eine Anweisung an Stasi-Leute, die von der Behörde schon 1997 veröffentlicht worden war.

"Wenn die Birthler-Behörde davon schon seit Jahren gewusst hat, warum ist niemand beauftragt worden, diese Spezialeinheit zu erforschen?", sagte Schroeder. Der jetzige Vorfall bestätige ihn in der Überzeugung, es sei richtig, die Behörde 2011 - sobald Birthlers Amtszeit endet - aufzulösen und die Unterlagen dem Bundesarchiv zu übergeben.

Dokument falsch kategorisiert

Der Finder des Aktenstücks hat dagegen dessen Bedeutung verteidigt. "Das Dokument ist keine alte Kamelle", sagte der Leiter der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde, Jörg Stoye, der "Magdeburger Volksstimme". Nach der Erstveröffentlichung 1997 habe es keine öffentliche Diskussion und Wertung gegeben. Das müsse nun nachgeholt werden und sei man den Opfern schuldig. Ein wortgleiches Dokument war 1997 in einem Forschungsband mit hundert weiteren Aktenstücken veröffentlicht worden. Es war jedoch unter "Fahnenflucht" statt "Schießbefehl" kategorisiert und der breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben.


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