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Schröder vs. Merkel: Computeranalyse sieht ausgeglichenes Duell

Die Meinungsumfragen zum TV-Duell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder sind eindeutig: Der Kanzler hat den Schlagabtausch für sich entschieden. Eine computergestützte Zuschauer-Untersuchung kommt zu einem anderen Ergebnis.

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist während des Fernsehduells mit Bundeskanzler Gerhard Schröder bei vielen Wählern offenbar besser angekommen, als dies die Meinungsumfragen vermuten lassen. Dies legt eine computergestützte Analyse von Zuschauerreaktionen nahe, die Forscher der Universität Mainz durchgeführt haben. "In der Computerauswertung liegen beide sehr viel näher beieinander", sagt Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer. Die Mainzer Forscher hatten am Sonntagabend 73 Testpersonen das TV-Duell schauen lassen. Während der Sondersendung konnten alle Probanden über einen elektronischen Regler laufend ihre subjektive Einschätzung vom Schlagabtausch eingeben.

Die Geräte verfügten über eine Skala von eins bis sieben. Eins das hieß "sehr gut" für Schröder und "mangelhaft" für Merkel, bei sieben war es umgekehrt. Das elektronische Verfahren gilt als sehr präzise. Die eingesetzte Technik stammt aus den USA und wurde dort ursprünglich entwickelt um die Wirkung von Werbespots zu ermitteln.

TV-Duell: Wer hat die bessere Figur gemacht?

"Wir können damit nicht nur erklären, wer gewonnen hat, sondern auch warum er gewonnen hat", so Maurer. Die elektronisch eingegebenen Daten aller Testpersonen wurden in einem Zentralrechner gesammelt, aufgezeichnet und ausgewertet. Ausschläge nach oben oder unten konnten anschließend mit den Fernsehbildern verglichen und einzelnen Aussagen zugewiesen werden. Nach den Computerdaten lag Schröder bei den Mainzer Zuschauern nur sehr knapp in Führung. "Unsere Probanden haben keinen Gewinner gesehen", sagt Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann. Nach der Analyse der Mainzer hat Merkel vor allem dann punkten können, wenn es um die Reduzierung der Arbeitslosigkeit ging, um Familienpolitik sowie um Energie- und Umweltfragen. Auch bei der Steuerpolitik habe die CDU-Politikerin vorne gelegen. Bei außenpolitischen Fragen und beim Thema Mehrwertsteuererhöhung dagegen habe Schröder besser abgeschnitten.

"Für mich hat wie erwartet Schröder gewonnen"

Dass die Erhebungen der Meinungsforscher zu einem etwas anderen Ergebnis führten als die direkten Publikumsreaktionen ist aus Sicht der Mainzer Wissenschaftler kein Widerspruch. Obwohl die Testpersonen während des Duells Merkel und Schröder sehr ausgeglichen bewerteten, kam die Mehrheit in einer nachfolgenden Befragung zum Schluss, dass Schröder als der Sieger aus der Debatte hervor gegangen sei. "Für mich hat wie erwartet Schröder gewonnen", sagt Julia Jennewein nach dem Duell: "Er war souveräner, witziger und gelassener." Was zunächst paradox erscheint, ist aus Sicht der Mainzer Wissenschaftler dennoch nicht unlogisch. "Man kann vermuten, dass viele Zuschauer denjenigen als Sieger nennen, den sie von vornherein als den Sympathischeren empfinden", so Maurer. Da habe Schröder vom Start weg die bessere Ausgangsposition gehabt.

Dass die Einschätzung, wer aus einem TV-Duell als Sieger hervor geht, beim Publikum raschen Wandlungen unterliegt, haben Maurer und Reinemann bereits vor drei Jahren feststellen können. Beim TV-Duell vor der Bundestagswahl 2002 stellten die beiden Mainzer Forscher nach dem Schlagabtausch zwischen Schröder und seinem damaligen Herausforderer Edmund Stoiber fest, dass Zuschauer, die zunächst Stoiber als Sieger des Duells gesehen hatten, wenige Tage später auf Schröder als Sieger umschwenkten. Offenbar habe die Berichterstattung in den Medien, die überwiegend in Schröder den Sieger sahen, hier ihre Wirkung entfaltet, erklären Maurer und Reinemann.

Guido Rijkhoek/AP / AP