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Sexismus-Debatte: Gauck geht auf seine Kritiker zu

Für seine Äußerungen zur Sexismus-Debatte erntete Bundespräsident Gauck viel Kritik. Im "Morgenmagazin" legte #Aufschrei-Aktivistin Anne Wizorek nach. In einer Rede ging Gauck auf seine Kritiker zu.

Anfang der Woche hatte sie sich bereits in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten gewandt. Jetzt hat die Initiatorin der Twitter-Debatte um Sexismus im Alltag, Anne Wizorek, nachgelegt: Im ZDF-Morgenmagazin kritisierte sie eine Äußerung Gaucks zu diesem Thema und warf ihm vor, er bagatellisiere etwas, "das ernst zu nehmen ist".

Der Bundespräsident hatte in einem "Spiegel"-Interview gesagt: "Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde." Besonders an dem Begriff "Tugendfuror" stießen sich die Unterzeichnerinnen des Briefes, das Wort bringe erniedrigende, verletzende oder traumatisierende Erlebnisse in Verbindung mit dem abwertend verwendeten Begriff "Furie".

Im "Morgenmagazin" sagte Wizorek, Gauck fordere stets das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Genau das sei unter #Aufschrei passiert. "Wenn er (...) eine solch wichtige Debatte herabwürdigt und als Medien-Hype abtut, dann sendet er einfach ein gefährliches Signal."

Gauck hält Debatte über Sexismus für notwendig

In einer Rede nahm der Bundespräsident auf die an seinem Interview geäußerte Kritik indirekt Bezug und stellte seine Position klar. Bei der Verleihung des Verdienstordens an 33 Bürgerinnen anlässlich des Weltfrauentags am 8. März sagte Gauck laut Redemanuskript: "Auch in unserer Gesellschaft, die uns allen so entwickelt und reif erscheint, gibt es noch Benachteiligung, auch Diskriminierung und alltäglichen Sexismus." Er betonte die Bedeutung der Diskussion: "Ich begrüße es, wenn wir (...) darüber eine ebenso engagierte wie ernsthafte Debatte führen." Alle Missstände müssten benannt und aufgedeckt werden.

In der Schlusspassage seiner Rede hielt Gauck den Frauen die ausgestreckte Hand hin: "Und so sehen Sie mich - nicht nur am Weltfrauentag - an Ihrer Seite, wenn es darum geht, die Rechte von Frauen zu verteidigen oder zu erringen: sowohl dort, wo ihnen Gewalt angetan wird, wo sie erniedrigt und gedemütigt werden, als auch dort, wo sie mit geringerer Entlohnung oder mit geringeren Positionen in Betrieben, Vorstandsetagen und Aufsichtsräten benachteiligt werden."

che/DPA / DPA
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