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Sicherheitskonferenz: "Konflikte nehmen weltweit zu"

Horst Teltschik ist zum letzten Mal Gastgeber der Sicherheitskonferenz. Zehn Jahre lang hat der frühere Berater von Helmut Kohl als privater Veranstalter fungiert. Im stern.de-Interview zieht der 67-Jährige Bilanz.

Herr Teltschik, Sie fungieren seit vielen Jahren als der Veranstalter der Sicherheitskonferenz. Was würden Sie in einer Bilanz an erster Stelle nennen?

Die Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik ist heute die international bedeutendste Experten-Konferenz für Außen- und Sicherheitspolitik. Sie ist ein öffentliches Dialog-Forum, das jedem Bürger die Möglichkeit bietet, die zum Teil sehr gegensätzlichen Argumente der Regierungsvertreter aus den wichtigsten Ländern zu verfolgen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Immer häufiger haben Politiker die Konferenz genutzt, um neue Ideen und Vorschläge in die internationale Diskussion einzuführen.

Was ist heute an der Sicherheitskonferenz anders als noch vor zehn Jahren?

Fast alle wichtigen Akteure auf der weltpolitischen Bühne sind heute auf der Konferenz vertreten; natürlich die USA, Europa einschließlich Russland, aber auch China, Japan, Indien, Pakistan, Iran. Dazu kommen die Uno und Vertreter aus vielen Konfliktregionen. Die Konferenz ist heute ein globales Markenzeichen mit hoher Anziehungskraft.

Was ist für Sie das wichtigste persönliche Fazit?

Weltweit haben die Konflikte zugenommen. Neue Bedrohungen sind hinzugekommen. Globale Aufgaben wie zum Beispiel die Klimaveränderung, Ressourcenknappheit, wachsende Armut müssen gemeinsam gelöst werden. Gleichzeitig erleben wir die Erstarkung neuer Mächte wie China und Indien. Die Welt hat sich in den zehn Jahren dramatisch verändert, und wir haben zu wenige Experten, die Antwort zu suchen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Welche Sicherheitskonferenz war nach Ihrer Meinung nach die Bedeutungsschwerste?

Jede der Konferenzen wurde von Teilnehmern als die jeweils Beste bezeichnet. Etwas Besseres kann einem Veranstalter nicht geschehen. Höhepunkte gab es mehrere: die Reden der Bundeskanzler Gerhard Schröder und Angela Merkel; das Duell Rumsfeld-Fischer zum Irakkrieg; die ungeschminkte Rede von Präsident Putin, der Auftritt von UN-Generalsekretär Kofi Anan, die deutlichen Reden der amerikanischen Senatoren McCain, Liebermann oder Hillary Clinton.

Sie treten zum letzten Mal als Veranstalter auf. Welches sind Ihre Gründe dafür?

Zehn Jahre sind eine gute Zeit, Abschied zu nehmen. Jetzt soll ein Nachfolger die Chance haben, die Konferenz weiter zu entwickeln.

Wird die Sicherheitskonferenz in München bleiben?

Ja, ich kenne niemand, der etwas daran ändern will. Die Teilnehmer lieben München. Eine Verlagerung nach 44 Jahren nach Berlin würde den Charakter der Konferenz grundlegend verändern und die Konferenz gefährden.

Wissen Sie wer Ihr Nachfolger wird oder wird gar das Konzept des Treffens geändert?

Es gibt noch keine Entscheidung über einen Nachfolger und deshalb auch keine Überlegungen, etwas am Konzept zu ändern.

Haben auch die anhaltenden Proteste seit 2002 dazu beigetragen, dass Sie als Veranstalter nicht mehr weitermachen wollen?

Nein.

Fühlten Sie sich durch die Kritik an der Veranstaltung persönlich betroffen?

Nein.

Haben Sie Pläne für ein weiteres öffentliches Wirken?

Eine typische Antwort aus Bayern: Schau ma mal.

Interview: Rudolf Stumberger