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SPD-Politikerin: Kunden sollen Deutsche Bank abstrafen

Trotz Milliardengewinne tausende Mitarbeiter zu entlassen, sei ein zynisches Spiel der Deutschen Bank, sagt Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti. Doch ihr Aufruf, die Bank deshalb zu boykottieren, findet wenig Freunde.

Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hat Kunden der Deutschen Bank dazu aufgerufen, dem Kreditinstitut wegen der geplanten weiteren Stellenstreichungen trotz guter Geschäftszahlen den Rücken zu kehren.

"Jeder Kunde der Deutschen Bank kann sich überlegen, ob er nicht mehr für Arbeitsplätze in Deutschland tut, wenn er zu einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse oder einer Genossenschaftsbank wechselt", sagte Ypsilanti. Die Deutsche Bank treibe ein zynisches Spiel mit den Beschäftigten, wenn sie trotz sinkender Steuern, sinkender Lohnnebenkosten und milliardenschwerer Gewinne 6400 Arbeitsplätze abbaue. Rund 2000 der Stellen sollen in Deutschland wegfallen.

"Die Politik hat die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in einem sehr schwierigen Diskussionsprozess verbessert, trotzdem werden Stellen abgebaut. Die Deutsche Bank demontiert sich damit auch als ernst zu nehmender Gesprächspartner", kritisierte die SPD-Politikerin.

Auch zahlreiche andere Politiker protestieren gegen die Pläne von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann. Er hatte in der vergangenen Woche einen Anstieg des Netto-Gewinns um 87 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro bekannt gegeben, zugleich aber erklärt, die Bank wolle ihren Sparkurs verschärfen. Seit Amtsantritt des Schweizers 2002 hat der Konzern rund 20.000 Stellen abgebaut.

"Das geht nach hinten los"

Mit ihrer Boykottforderung stößt Ypsilanti aber auf Widerspruch in der Bundespolitik. Die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Christine Scheel, bezeichnete die Forderung als "Unsinn". Wenn die Kunden wechselten, würde die Bank erst recht Arbeitsplätze abbauen. "Das geht nach hinten los", sagte die Grünen-Politikerin dem Tagesspiegel. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend (SPD), sagte der Zeitung, Ypsilantis Vorschlag sei "eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit als eine sinnvolle politische Aktion".

DPA / DPA