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Spekulationen über Ablösung: Schäuble kämpft gegen das Gerücht

Es ist eines der heißesten Gerüchte in Berlin: Wird hinter den Kulissen die Ablösung von Finanzminister Wolfgang Schäuble geplant? Der gesundheitlich angeschlagene CDU-Politiker ist den Spekulationen jetzt per Interview entgegengetreten.

Es wird getuschelt, gemutmaßt, spekuliert. Wie das so ist in Berlin, wenn eine wichtige Personalie im Schwange ist, wenn ein Ministerwechsel zur Diskussion steht, wenn im Hintergrund geflüstert wird - und wenn noch nichts gewiss ist. Seit einiger Zeit wabert nun das Gerücht durch die Berliner Politzirkel, dass Wolfgang Schäuble, der Finanzminister, demnächst abgelöst werde. Der CDU-Mann musste kürzlich längere Zeit im Krankenhaus verbringen, eine Operationsnarbe war schlecht verheilt, zu wichtigen internationalen Treffen wie der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) musste er Vertreter entsenden. Er sei seinem Amt möglicherweise körperlich nicht mehr gewachsen, wird geraunt. Der hessische Ministerpräsident und CDU-Vize Roland Koch stehe bereit. Der habe eigentlich schon länger keine Lust mehr auf das Klein-Klein der Wiesbadener Landespolitik.

"Die Aufgabe macht mir Freude"

Nun geht Schäuble in die Offensive und versucht, den Gerüchten ein Ende zu bereiten. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ist er Zweifeln entgegengetreten, er könne den Anforderungen seines Jobs körperlich nicht mehr entsprechen. "Ich fühle mich dieser Aufgabe immer noch gewachsen, und sie macht mir Freude", sagte der seit einem Attentat 1990 querschnittsgelähmte Schäuble. Die Frage nach seinem Gesundheitszustand sei aber legitim, fügte er mit Blick auf Berichte hinzu, in denen Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit angesichts der Griechenland-Krise geäußert wurden. "Diejenigen, die sich um Verantwortung bemühen, müssen sich fragen lassen, ob sie das können, auch physisch", sagte Schäuble.

Ob es dem Finanzminister gelingt, das Berliner Raunen so zu beenden, ist völlig offen. Denn Schäubles Position hängt nur vordergründig ausschließlich von seinem Gesundheitszustand ab. Das Wohl und Wehe des Ministers dürfte in starkem Maße auch von der Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel abhängen. Zwar hatte sie nach der Bundestagswahl viel Beifall für Schäubles Nominierung für das Finanzministerium erhalten, aber die Attacken Schäubles in Richtung des Koalitionspartners FDP ernten wohl nicht allesamt den Beifall Merkels. Und der FDP ist der Mann aus Baden-Württemberg ohnehin ein Dorn im Auge. Die Westerwelle-Partei unterstellt Schäuble, fast ihre gesamten finanzpolitischen Pläne sabotieren zu wollen.

fgüs/DPA/Reuters / DPA / Reuters