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stern-Umfrage: Volksparteien schwächeln weiter

Die Union hängt bei müden 34 Prozent, die SPD kommt gerade mal auf 23 Prozent, jubilieren darf nur die FDP. Das ist das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Für Forsa-Chef Güllner zeigen die Zahlen das auch das "strategische Dilemma" der SPD.

Die Volksparteien bleiben in der jüngsten Forsa-Umfrage des stern weiter schwach. Die Union verharrt bei 34 Prozent, die SPD legt im Vergleich zur Vorwoche 1 Punkt zu, bleibt mit 23 Prozent aber im Umfragetief. Wenig Bewegung gab es auch bei den kleinen Parteien: Die FDP kommt zum dritten Mal in Folge auf 18 Prozent. Die Linke fiel auf 11 Prozent. Die Grünen erreichen erneut 10 Prozent. Damit hat das bürgerliche Lager wieder eine klare Mehrheit.

Besonders schwierig ist die Lage der SPD. Der Wechsel des Spitzenpersonals hat nicht den erhofften Aufschwung gebracht. Dennoch könnte sie künftig zulegen, glaubt Forsa-Chef Manfred Güllner. "Die SPD hat natürlich noch gewisse Wählerreserven. Viele unzufriedene Wähler haben sich 2005 durchgerungen, SPD zu wählen - wegen des damaligen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder. Die sind nicht alle abgewandert zu anderen Parteien, die sind im Lager der Unentschlossenen", sagt Güllner im "Café Einstein". "Wenn man ihnen ein Motiv gäbe, dann hätte die SPD Chancen, noch ein paar der unzufriedenen Wähler zurück zu gewinnen."

SPD konkurriert mit FDP

Güllner schätzt das Potential der SPD derzeit auf etwa 30 Prozent. Bei den Bundestagswahlen müssten die Sozialdemokraten darauf setzen, Schwarz-Gelb zu verhindern, um gemeinsam mit der Union weiterregieren zu können. Das entspräche auch der Stimmung innerhalb der SPD-Anhängerschaft. "Zwei Drittel der SPD-Wähler wollen die Große Koalition. Das heißt, dass man sich eigentlich schon damit abfindet, als Juniorpartner in eine Große Koalition zu ziehen", sagt Güllner im WebTV-Interview.

Da die SPD ihre Wählerreserven aber vor allem in der Mitte der Gesellschaft suchen müsse, gerate sie dabei in Konkurrenz zur FDP. Sie könne die FDP also nicht mit "radikalen Parolen" angreifen - müsse aber gleichzeitig dafür sorgen, dass sie nicht weiter wächst. "Man sieht, wie immer man das Blatt auch wendet, die SPD ist in einer sehr schwierigen strategischen Lage", resümiert Güllner. Die Sozialdemokraten steckten in einem "Dilemma".

Steinmeiers Problem

Daran ändert auch der Spitzenkandidat, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, nichts. Zu dessen Sympathiewerten sagt Güllner: "Steinmeier steht zwar besser da als Kurt Beck, aber er liegt immer noch fast 25 Punkte hinter Angela Merkel, die an der 50 Prozent-Marke liegt." Steinmeier werde zwar als guter Außenminister wahrgenommen, aber dieses positive Image färbe nicht auf seine Position als Kanzlerkandidat. "Das ist, glaube ich, das Hauptproblem von Frank-Walter Steinmeier", sagt Güllner.

uj/lk/mw