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Steueraffäre um Theo Sommer: Guttenberg lässt grüßen

Theo Sommer, Grandseigneur der "Zeit", soll Einkünfte über eine halbe Million Euro nicht versteuert haben. Sommer sagt: Ich bin kein Uli Hoeneß. Stimmt. Aber ein bisserl Guttenberg.

Eine Glosse von Johannes Dudziak und Lutz Kinkel

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Manschettenknopfträger der besten Gesellschaft. In bedeutungsschwerer Arbeit versinkend, das große Ganze im Auge behaltend, unterläuft Ihnen ein klitzekleiner Fehler: Sie vergessen, ihre Honorare beim Finanzamt anzumelden. Der Fiskus zerrt sie, ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung nicht hinreichend würdigend, vor Gericht. Und dann kommen diese Medienhyänen und wollen Auskunft.

Doch halt, stopp: Es gibt Hilfe. Den öffentlichen Prozess der Katharsis.

Theo Sommer, Grandseigneur der "Zeit", mittlerweile Editor-at-Large, unterlief so ein Fehlerchen. "Um einiges mehr" als 500.000 Euro soll er im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 verdient und nicht versteuert haben, berichtet das "Hamburger Abendblatt". Mit den Enthüllungen konfrontiert, lässt Sommer wissen: "Ich bin kein Uli Hoeneß". Richtig: Der heißt auch ganz anders. Allerdings hat Sommer, wenigstens in der Haltung, etwas mit einem anderen Prominenten gemein: Karl-Theodor zu Guttenberg. Der hatte zirka 500.000 Zitate nicht vermerkt und verlor darob sein Amt. Aber: Er entwickelte eine Art Stilfibel der Selbstläuterung. Sie sieht vier Phasen vor:

Phase 1: Sie sind ein Held der Arbeit!

"Sie [Die Dissertation, Red.] ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden."
Karl Theodor zu Guttenberg am 18.02.2011 in einer mündlichen Erklärung.

"Ich habe mich immer in erster Linie um meine Arbeit gekümmert, nicht um meine Finanzen. In den wenigen Jahren, um die es hier geht, habe ich fünf Bücher geschrieben. Deren Abfassung hat mich bis spät in die Nacht beschäftigt."
Theo Sommer am 18. Januar 2014 im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".

Phase 2: Das war Schlamperei, kein Vorsatz!

"Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten. Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht."
Karl Theodor zu Guttenberg am 18.02.2011 in einer mündlichen Erklärung.

"Aus Schusseligkeit oder Schlamperei habe ich es [...] über mehrere Jahre versäumt, eine einzige Einkommensquelle anzugeben. Das war eine Torheit, die ich bereue."
Theo Sommer am 18. Januar 2014 im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".

Phase 3: Sie opfern sich für Familie und Vaterland!

"Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten."
Karl Theodor zu Guttenberg am 1. März 2011 in seiner Rücktrittserklärung

"Ich habe aber inzwischen die gesamte Steuerschuld abgetragen, und zwar unter Inkaufnahme großer Opfer für meine Altersversorgung und die meiner Frau."
Theo Sommer am 18. Januar 2014 im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".

Phase 4: Sie bleiben ein Vorbild!

"Ich habe mehrfach darauf verwiesen, dass ich ein Mensch mit Fehlern und Schwächen bin. Und dass ich trotzdem mir den Anspruch setze, weiterhin auch als Vorbild, auch was das Eingestehen und das Bekennen zu Fehlern anbelangt, wirken kann."
Karl Theodor zu Guttenberg am 23. Februar 2011 in einer Fragestunde des Bundestags.

"Ich habe aus der Sache meine Lehre gezogen und kann nur wünschen, dass auch andere sie beherzigen."
Theo Sommer am 18. Januar 2014 im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".