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Studie der Bertelsmann-Stiftung: Nachfrage nach Kinderbetreuung steigt

Eltern in Deutschland nehmen immer häufiger Kinderbetreuung in Anspruch. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Damit könnte die ab 2013 von der Bundesregierung angepeilte Betreuungsquote von 35 Prozent nicht ausreichend sein.

Immer mehr Kinder unter drei Jahren gehen in Kitas oder zu Tagesmüttern. Im vergangenen Jahr besuchte jeder fünfte Einjährige eine Einrichtung, bei den Zweijährigen waren es sogar fast 40 Prozent, wie aus dem am Montag von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh vorgelegten "Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme" hervorgeht. Damit könnte der Bedarf an Plätzen in den kommenden Jahren höher als bislang veranschlagt sein. Bislang hatten Bund, Ländern und Kommunen vereinbart, bis 2013 für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Angebot zu schaffen. Zugleich soll es dann einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung geben.

Im Westen gingen im vergangenen Jahr gut zwölf Prozent der Einjährigen und knapp 30 Prozent der Zweijährigen in eine Kita oder Tagespflege. Bei den Dreijährigen waren es mehr als 80 Prozent. Im Osten waren es schon bei den Einjährigen knapp 57 Prozent, bei den Zweijährigen knapp 78 Prozent und bei den Dreijährigen über 90 Prozent.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, zeigte sich vor dem Hintergrund der neuen Zahlen überzeugt, dass die Betreuungsquote von 35 Prozent nicht ausreiche, um den angestrebten Rechtsanspruch zu verwirklichen. Dieser Anspruch mache eine deutlich höhere Quote erforderlich. Jetzt sei es wichtig, dass das Bundesfamilienministerium den tatsächlichen Bedarf neu berechne. Die Leiterin der Studie, Annette Stein, sagte der "Süddeutschen Zeitung", der Bedarf steige weiter und bleibe nicht bei irgendeiner Prozentmarke stehen.

Berlin investiert am meisten in den Nachwuchs

Mit dem nötigen weiteren Ausbau verbunden wären hohe Investitionen. Bereits zwischen 2005 und 2007 stiegen die Ausgaben für das frühkindliche Bildungssystem laut Studie in Deutschland insgesamt um zwölf Prozent. Dabei investieren die einzelnen Bundesländer jedoch unterschiedlich viel in den Nachwuchs. So lag Berlin, das im Jahr 2007 durchschnittlich 4158 Euro für jeden unter Sechsjährigen ausgab, an der Spitze, gefolgt von Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Schlusslicht war Schleswig-Holstein, das durchschnittlich 1952 Euro in jeden unter Sechsjährigen investierte. Nur knapp davor platzierten sich Niedersachsen und Bayern.

Insgesamt gaben die ostdeutschen Bundesländer durchschnittlich 600 Euro mehr für den Nachwuchs aus als die Länder im Westen.

Die Bertelsmann-Stiftung sieht die finanzielle Zurückhaltung - insbesondere im Westen - mit Besorgnis. "Wer bei den Investitionen in die frühkindliche Bildung und Erziehung spart, zahlt in der Zukunft drauf", warnte der für Bildung zuständige Vorstand der Bertelmann-Stiftung, Jörg Dräger. Seinen Angaben zufolge belegen Langzeitstudien den positiven Einfluss guter Kitas auf die Bildungschancen insbesondere auch von benachteiligten Kindern. Dräger: "Das Geld, das eine Gesellschaft für eine gute frühkindliche Bildung investiert, nutzt dem einzelnen Kind ebenso wie unserer volkswirtschaftlichen Entwicklung."

kng/AFP/APN