Studium Gebühren sind an privaten Unis üblich


An privaten Universitäten wird fürs Studieren gezahlt - vom ersten bis zum letzten Semester. Für die meisten Studenten spricht nichts dagegen, sofern Gebühren mit Finanzierungsmodellen verknüpft werden.

Wenn Henry Lahr in einigen Semestern die Uni in Witten/Herdecke verlässt, hat er nicht nur einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, sondern auch rund 15.000 Euro Schulden. Denn was derzeit noch heftig umstritten ist und bis zu einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht geführt hat, ist an privaten Unis bereits seit langem gang und gäbe: Gebühren für das Erststudium - vom ersten bis zum letzten Semester wird gezahlt.

Wirtschaftliche Aspekte nicht im Vordergrund

Schon vor rund zehn Jahren wurden die Studenten in Witten/Herdecke erstmals mit dem Gebührenthema konfrontiert. Und sie selbst stellten in der Folge ein Finanzierungskonzept mit Studiengebühren-Kredit auf die Beine. Ziel sollte sein, sich das Studieren leisten und frei für eine bestimmte Universität entscheiden zu können. Nicht wirtschaftliche Aspekte sollten die Ausbildung an der Hochschule dominieren, sondern entscheidend sollte allein der Lern- und Weiterbildungsaspekt sein - ein Gedanke, von dem jeder nur träumen kann, der seine Zeit zwischen Seminaren, Lernen und Jobben aufteilen muss.

Mit der Abzahlung seines Kredits wird Lahr beginnen, sobald er seine erste Stelle hat: Acht Jahre lang überweisen Wirtschaftswissenschaftler jeweils acht Prozent ihres Einkommens nach Witten. Wer mehr verdient, leistet bei dieser von der Studienzeit entkoppelten Späterzahlung mehr als der, der ein geringeres Einkommen hat. Alternativ kann bereits während des Studiums in monatlichen Raten gezahlt werden, die als "Gesamtbetrag geteilt durch Regelstudienzeit in Monaten" errechnet werden. Dritte Möglichkeit ist eine Kombination aus Sofort- und Späterzahlung.

Um die Durchführung des Finanzierungskonzepts kümmert sich die 1995 gegründete Studierenden-Gesellschaft Witten/Herdecke e.V., die als Vertragspartner der Universität zwischen den zahlungspflichtigen Studenten und der Hochschule steht.

Studiengebühren als "Gewinn bringender Tausch"

Im Vergleich mit Studiengebühren im Ausland seien die Wittener Gebühren keinesfalls zu hoch, sagt Lahr. Er sieht die Zahlung nicht als Abgabe, sondern vielmehr als Gewinn bringenden Tausch: "An meiner Universität sehe ich klar, was ich für mein Geld bekomme. Dafür zahle ich gern." Und nach drei Jahren Studium und einigen testweise besuchten Seminaren an der Uni Bochum ist er von Witten/Herdecke überzeugter denn je, nicht nur wegen der familiären Atmosphäre auf dem Campus: "Man ist hier wirklich mittendrin in allem, was Universität ausmacht. Studenten sind an vorderster Front dabei, wenn über die Einführung neuer Studiengänge debattiert wird oder Universitätsveranstaltungen geplant werden."

Mit einer effektiven und international ausgerichteten Studiengestaltung wirbt auch die Zeppelin University (ZU) am Bodensee. Mit 633 Euro im Monat liegen die Studiengebühren dort im oberen Mittelfeld der privaten Hochschulen, für einen Bachelor-Abschluss fallen je nach Zahlungsvariante zwischen 22.200 und 22.800 Euro an. Eine Vorfinanzierung übernimmt die Sparkasse Bodensee, die Rückzahlung des Kredits wird individuell vereinbart und beginnt ein Jahr nach dem Einstieg der Absolventen ins Berufsleben. Über die Abzahlung müssten sich die Studenten - sofern alles nach Plan läuft - kaum Gedanken machen: Ziel der ZU ist, "die Studierenden zu hoch qualifizierten Führungskräften heranzubilden". Außerdem erhalten pro Semester bis zu 15 Prozent der Studenten Stipendien von privaten Mäzenen.

"Bei uns studiert jeder, der das geistige Leistungsvermögen mitbringt und die erforderliche Leistungsbereitschaft zeigt - unabhängig davon, ob er oder sie sich das Studium derzeit leisten kann", begründet Stephan Jansen, der Gründungspräsident der ZU, die Grundidee des Finanzierungsmodells. "Die Intelligenz der Bewerber steht nicht zwingend im Zusammenhang mit dem Vermögenshintergrund der Eltern." Vielmehr wählt die ZU ihre Studenten allein nach subjektiven Kriterien wie Engagement und Interesse aus.

"Investition in die eigene Biografie"

Die Zahlung von Studiengebühren sei eine Investition in die eigene Biografie, heißt es bei der ZU. Auch für Lahr spricht nichts gegen die allgemeine Einführung von Studiengebühren im Erststudium, sofern sie mit entsprechenden Finanzierungsmodellen verknüpft werden. "In der öffentlichen Diskussion habe ich manchmal den Eindruck, einige Wortführer begreifen Studiengebühren als neuen Zehnt, der vom Landesherrn mal eben willkürlich und ohne Gegenleistung beschlossen wird", kritisiert er. Mit dem Wittener Studienansatz seien jedoch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und große Gestaltungsspielräume bei der Studienplanung verbunden, "während man andernorts den Eindruck hat, durch die Bachelor-Studiengänge werde lediglich die Schulzeit um drei Jahre verlängert".

Anna Huber/AP AP

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