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Terrorismus: Warum ein IS-Kämpfer 20.000 Euro vom deutschen Staat bekam

Rund 20.000 Euro Sozialleistungen erhielt ein Dschihadist aus Wolfsburg, während er in Syrien für den sogenannten Islamischen Staat kämpfte - offenbar eine Behördenpanne, um die sich jetzt der niedersächsische Landtag kümmern soll.

Kämpfer des selbst ernannten Islamischen Staates in Syrien auf einem Propagandafoto (Archivbild)

Kämpfer des selbst ernannten Islamischen Staates in Syrien auf einem Propagandafoto (Archivbild)

19.278 Euro - so viel Geld kassierte ein Salafist aus Wolfsburg, nachdem er sich im Herbst 2014 in Syrien dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen hatte. Bei dem Geld handelte es sich um Sozialleistungen, bezahlt vom deutschen Staat.

Laut Bericht der "Braunschweiger Zeitung" ist der 29-Jährige vor rund zweieinhalb Jahren gemeinsam mit seiner Frau und seinen Babys in das Bürgerkriegsland ausgereist, um für den IS zu kämpfen. Zuvor habe die Familie noch dafür gesorgt, dass die Ämter weiter ihre Unterstützungsleistungen bezahlen.

Familie aus Wolfsburg in Syrien gestorben?

So soll das Ehepaar nach der Ausreise etwa 12.600 Euro Arbeitslosengeld I bekommen haben, zudem flossen demnach etwa 3700 Euro Kinder- und 3000 Euro Betreuungsgeld. Das Geld ist dabei nicht direkt nach Syrien gegangen, sondern beim Schwiegervater des Russlanddeutschen in Niedersachsen gelandet, der das Geld in bar in seiner Wohnung versteckte. Bei einer Razzia fanden es Polizisten, das Amtsgericht Wolfsburg verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 7000 Euro.

Seine 34-jährige Tochter, dessen Ehemann und die beiden Kinder wird er womöglich nicht mehr zu Gesicht bekommen: Nach Angaben der "Bild"-Zeitung geht das Landeskriminalamt (LKA) davon aus, dass die Vier bei Kämpfen in der Nähe von Rakka in Syrien gestorben sind. 

Anti-Terror-Ermittler des LKA hatten die Familie schon vor ihrer Ausreise auf dem Radar und ermittelten wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat" gegen das Ehepaar.

Politik in Niedersachsen schaltet sich ein

Allerdings hat die Polizei die Stadtverwaltung Wolfsburg erst am 16. Oktober 2015 über die Aureise der Familie informiert, teilte eine Sprecherin der Stadt der "Braunschweiger Zeitung" mit. Bis dahin sei der Dschihadist weiter von deutschen Behörden finanziell unterstützt worden sein.

Unklar ist demnach noch, ab wann das LKA von der Ausreise nach Syrien wusste und weshalb die Stadtverwaltung erst rund ein Jahr, nachdem die Familie die Bundesrepublik verlassen hat, informiert wurde. Jetzt soll sich der Landtag mit dem Fall beschäftigen und mögliche Pannen aufklären, forderte die innenpolitische Sprecherin der CDU, Angelika Jahns, in der Zeitung.

Terror-Experte