Tagebuch einer Castor-Polizistin Wie ein Familientreffen


Mehr als 16.000 Polizisten sind im Einsatz, um den Transport der Castor-Behälter mit radioaktivem Müll ins niedersächsische Gorleben zu schützen. Für stern.de berichtet Polizeikommissarin Sarah Respondek von dem Großeinsatz. Ihre Erlebnisse der ersten beiden Tage. Es ist ruhig - noch.
Von Sarah Respondek, Lüneburg

Tag 1 - Der erste Castor-Einsatz

Donnerstag ging es endlich los - mein erster Castor-Einsatz. Ich werde als Mitglied der Führungsgruppe einer Hundertschaft an dieser Stelle Tagebuch über den Einsatz führen. Im Vorfeld: Einsatzbesprechungen, Aktien kopieren und gespanntes Warten darauf, dass es losgeht.

Dann war es soweit: Um 13 Uhr sammelten sich alle Einsatzkräfte auf ihren Dienststellen. Taschen wurden gepackt und in den Einsatzfahrzeugen verstaut. Gar nicht so einfach, muss man neben der dienstlichen Schutzausstattung doch auch Kleidung und persönliche Gegenstände für eine ungewisse Zeit mitnehmen. Auf die Fragen von Familie und Freunden, wann ich denn zurück sei, antwortete ich stets: "Keine Ahnung, sobald der Castor drin ist!" Tja, mittlerweile wundern sie sich ohnehin nicht mehr über meine Arbeitszeiten.

Fast wie ein großes Familientreffen

Gegen 14 Uhr trafen wir in der Unterkunft in Lüneburg ein. Es ist schon ein imposantes Bild, wenn man durch die Schranke des Kasernengeländes fährt und einen Containerblock an den nächsten gereiht sieht. In einem von diesen bin ich für die nächsten Tagen untergebracht.

Ich habe bei der Zimmerverteilung Glück gehabt, da ich mir ein Viererzimmer lediglich mit einer Kollegin teilen muss – und das auch noch mit einer, mit der ich schon im Studium zusammen gewohnt habe. Das ist das Positive an diesen Einsätzen, man trifft viele Kollegen wieder, die man im normalen Dienstalltag nicht sehr häufig sieht. Es ist quasi wie ein großes Familientreffen.

Nach dem Beziehen der Zimmer folgten wieder Besprechungen. Während dieser Zeit ließen sich die Einsatzkräfte entweder im Umgang mit dem Digitalfunk schulen oder frischten spezielle Eingriffstechniken für das Lösen von Sitzblockaden auf.

Wochenlange Vorbereitung: Funktioniert der Plan?

Das Abendessen war zunächst ein Geduldsspiel. Ungefähr 20 Minuten musste ich vor der Kantine anstehen und durfte den Kollegen aus Nordrhein-Westfalen beim Essen zusehen. Aber das Warten hat sich gelohnt, das Essen war spitze. Ein großes Lob an die Küche!

Der Tag endete mit einer Einführung des Hundertschaftsführers an die Einsatzkräfte. Ungewiss ist, ob unsere Aufträge für die Hundertschaft, die an dem Abend vorgestellt wurden und in denen wochenlange Planung steckt, am nächsten Tag überhaupt noch aktuell sind. Aber das ist ja schließlich das Spannende an meinem Beruf: Ich weiß nie, was mich am nächsten Tag erwartet.

Tag 2 - Gespanntes Warten, was da kommt

Nach einer gefühlten kurzen Nacht und dem Frühstück sind die Kollegen in ihren jeweiligen Einsatzraum gefahren - um ihre Aufgaben im Strecken-, Raum- und Objektschutz wahrzunehmen. Ich habe währenddessen mit der Führungsgruppe organisatorische Angelegenheiten geregelt. Es gibt tägliche Änderungen, also immer etwas zu tun. Die Situation ist noch ruhig, aber wir wissen alle, dass sich das jederzeit ändern kann.

Nach dem Mittagessen die nächste Einsatzbesprechung. Anschließend ging es in die Lüneburger Innenstadt. Für den Abend ist eine Demonstration angemeldet. Wir haben unseren Posten bezogen und warten nun, was auf uns zukommen wird.


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