VG-Wort Pixel

Terrorgefahr in Deutschland Die Menschen sind verunsichert


Verstärkt patrouillieren Polizeibeamte an Bahnhöfen, Flughäfen und belebten Plätzen, die Terrorgefahr ist allgegenwärtig. Die Bürger auf der Straße reagieren unterschiedlich auf die Warnungen des Innenministers, viele sind verunsichert.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat seine Terrorwarnung gerade verkündet, da ist die erhöhte Polizeipräsenz in Berlin bereits sichtbar. Vor allem am Hauptbahnhof treffen Bürger seit Mittwochnachmittag verstärkt auf Uniformierte. Manche Bürger geben sich ganz gelassen, andere wollen aus Angst allzu belebte Orte meiden.

"Die Bürger sind beunruhigt", sagt einer der zwei Bundespolizisten, die sich auf der Innenseite des Haupteingangs aufgestellt haben. Beide tragen schwere Schutzwesten und Maschinenpistolen. Auch den zweiten Eingang bewachen zwei Kollegen. "Auch an den anderen Bahnhöfen in Berlin sollen Polizisten zur Sicherheit positioniert werden", sagt der andere. Mindestens acht weitere Polizisten marschieren immer zu zweit durch das belebte Bahnhofsgebäude. Den Passanten falle das auf und sprächen sie an, geben die Ordnungshüter Auskunft.

De Maizière hatte in seiner Ansprache betont, man sollte sich auf keinen Fall in seinen Lebensgewohnheiten noch in seiner freiheitlichen Lebenskultur einschränken lassen. Manch einer am Hauptbahnhof sieht das anders: Ein Herr im schwarzen Anzug, der aus Essen kommt und gerade auf einem Kongress in Berlin war, fühlt sich alarmiert. "Gerade wenn man Familie und Kinder hat, verleitet einen das schon dazu, solche belebten Orte zu meiden", findet er. Auch die junge Verkäuferin im Bahnhofs-Buchladen ist verängstigt. "Aber so geht das allen Kollegen: Man geht mit einem anderen Gefühl zur Arbeit", sagt sie.

Viele haben aber auch noch nichts von den Terrorwarnungen gehört. Ein älterer Herr steht am Bahnschalter, um ein Ticket zu kaufen. "Ich will jetzt nicht darüber nachdenken, sondern nur schnell mein Ticket bekommen und nach Hause fahren", sagt er genervt. Eine Passantin geht tapfer mit ihrem Mann auf den Bahnhof zu. "Ich werde aber nach links und rechts gucken, wenn ich reingehe", sagt sie. Man sei vorsichtiger, wenn man so etwas hört.

Vor dem Reichstagsgebäude stehen jetzt zwei Polizisten, wo früher einer stand. Im Gebäude griffen die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen auch, verrät einer der beiden. "Dann gibt's noch weitere, wo man's bloß nicht erkennt."

Eine lange Besucherschlange steht vor dem Haupteingang des Parlaments. Als eine junge Frau von der Anschlagsgefahr erfährt, überlegt sie es sich kurzerhand anders. "Ich bin doch nicht verrückt und gehe da rein", sagt sie zu ihrem Vater und drückt ihm ihre Kamera in die Hand. Jetzt verstehen die zwei Touristen aus Trier auch, wieso bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof so viel Polizei zu sehen war. Andere sagen, "wir fühlen uns sicher, weil wir davon ausgehen, dass die Sicherheitsvorkehrungen gut sind."

Vor der US-Botschaft am Pariser Platz ist nichts Auffälliges zu beobachten, bloß eine Gruppe von vier Polizisten steht in einer Gruppe wenige Meter vor der Botschaft. "Wir sind von der Objektaufsicht und stehen immer hier", erklärt einer der Beamten. Zudem wacht ein einsamer Security Guard der Botschaft direkt vor dem Eingang. Er gibt sich völlig unbeeindruckt von den Terrormeldungen: "Die sagen immer solche Sachen." Er stünde jeden Tag an dieser Stelle, und nichts sei anders.

Auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor wartet ein Kutscher mit seiner Pferdedroschke auf Kundschaft. Ihm bliebe trotz der Terrorgefahr nichts anderes übrig, weil er nur hier eine Genehmigung habe, zu arbeiten. Angst habe er trotzdem nicht: "Wenn's passiert, passiert's, daran kann auch die Polizei nichts ändern".

Vor der Synagoge in der Oranienburger Straße verrät ein Beamter der Berliner Polizei, die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen seien noch in Vorbereitung. Er dürfe jedoch nicht sagen, wie viele Kollegen zusätzlich eingesetzt würden. Dass aus Angst weniger Besucher die Gebetsstätte aufsuchten, sei aber nicht zu beobachten. "Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass jüdische Gemeinden immer stark bewacht werden."

Am Fernsehturm am Alexanderplatz war schon am Samstag vor drei, vier Wochen richtig was los, erzählt eine Kellnerin. Jetzt stünden wieder zwei schwer bewaffnete Uniformierte vor dem S-Bahnhof. Obwohl ihr Café direkt unterhalb des Turms liegt, habe sie keine Angst. Auch ihre beiden Kolleginnen schütteln die Köpfe: "Ob ich nun in der Bahn sitze oder hier arbeite, es kann überall passieren", sagt die eine.

Young-Sim Song, APN APN

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker