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Truppenabzug: US-Soldaten verlassen Deutschland

Im Rahmen einer weltweiten Umstrukturierung ihrer Streitkräfte wollen die USA ihre Truppen aus Deutschland teilweise abziehen. Ganz schutzlos bleiben wir aber nicht.

US-Präsident George W. Bush will nach Medienberichten an diesem Montag den geplanten Abzug von 70.000 bis 100.000 Soldaten aus Europa und Asien offiziell bekannt geben. Bush will das seit Monaten diskutierte Vorhaben passenderweise bei einem Veteranentreffen erläutern, berichteten US-Zeitungen am Wochenende unter Berufung auf Regierungsbeamte. Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat bestätigt, dass die USA im Zuge einer weltweiten Umstrukturierung ihrer Streitkräfte einen Teil ihrer Truppen aus Deutschland abziehen wollen.

Kein völliger Abzug

"Es wird eine Verlegung aus Deutschland geben und wir haben darüber und über Zahlen mit Deutschland gesprochen. Sie machen das gleiche, sie passen ihre Streitkräfte an und sie verstehen das", sagte Rumsfeld am Sonntag Reportern während seiner Rückkehr von einer Reise in Europa und Asien. Die Entscheidung über eine Verlegung von Truppen werde sich über einen Zeitraum von "vier, fünf, sechs Jahren" hinziehen. Zahlen zur betroffenen Truppenstärke nannte Rumsfeld nicht. Geplant sei, einige US-Truppen im nördlichen Teil Europas zu reduzieren. Es werde jedoch auch weiter permanente Militärstützpunkte der USA in Deutschland geben.

Die USA haben mehr als 100.000 Soldaten in Europa stationiert, davon etwa 70.000 in Deutschland. Die US-Streitkräfte in Deutschland sind auch als Arbeitgeber für Zivilbeschäftigte und Auftraggeber für heimische Betriebe ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor.

Etwa 40.000 GIs aus Deutschland betroffen

Aus US-Regierungskreisen war am Samstag verlautet, die USA planten als Teil einer weltweiten Umstrukturierung ihrer Streitkräfte einen umfangreichen Abzug von Truppen aus Deutschland. Insgesamt sollten etwa 70.000 US-Soldaten aus Asien und Europa abgezogen werden. "Deutschland ist auf jeden Fall ein Ort, wo es eine größere Neuordnung geben wird", hieß es. Die britische Zeitung "Financial Times" hatte unter Berufung auf mit den Plänen vertrauten Kreisen berichtet, zwei Drittel der Truppen sollten aus Europa und die Mehrheit davon aus Deutschland abgezogen werden.

Bestehen bleiben sollen danach aber auf jeden Fall Trainings- und Kommandoeinrichtungen sowie eine mobile Infantrie-Einsatztruppe, hieß es. Insgesamt sollten die meisten der Soldaten auf Stützpunkte in den USA zurückkehren, zitierte die "Washington Post" namentlich nicht genannte Bush-Mitarbeiter. Ein Teil werde in osteuropäische Länder verlegt. Einzelheiten würden noch ausgearbeitet.

Flugzeugstaffel in die Türkei?

Die Zeitung "New York Times" hatte Anfang Juni unter Berufung auf Kreise des US-Verteidigungsministeriums berichtet, die USA planten den Abzug von zwei Heeres-Divisionen aus Deutschland. Demnach sollen die 1. Panzer-Division und die 1. Infanterie-Division in die USA verlegt werden. Weitere Überlegungen seien, eine Staffel von F-16-Kampfflugzeugen aus Spangdahlem in die Türkei zu verlegen. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte den Zeitungsbericht als Spekulation bezeichnet.

Die Pläne der USA sind im Groben bereits länger bekannt, jetzt wird. Die US-Regierung argumentiert, dass das Ende des Kalten Krieges eine geballte Truppenstationierung im Herzen Europas unnötig gemacht habe und neue Herausforderungen durch Terroristen sowie so genannte Problemstaaten eine Umstellung auf flexible hoch mobile kleinere Einheiten erforderten. Die Truppenreduzierungen in Asien betreffen Japan und Südkorea.

DPA, Reuters / DPA / Reuters