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Türkische Presse zum NSU-Prozess "Arrogante Show der Nazi-Braut"


Die Türkei empört sich über den Auftritt Beate Zschäpes im NSU-Prozess. Das Verhalten der Angeklagten wird als arrogant und höhnisch empfunden. Der Gerichtssaal sei zur Bühne für ihre "Show" geworden.

In großer Aufmachung haben türkische Zeitungen am Dienstag über den Auftakt des NSU-Prozesses in München berichtet. Die Aufmerksamkeit vieler Blätter richtete sich auf die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, die mit verschränkten Armen im Gerichtssaal erschienen war und den anderen Prozessbeteiligten den Rücken zugewandt hatte. Der Verhandlungssaal sei zur Bühne für eine "Show" Zschäpes geworden, hieß es auf dem Titel der Zeitung "Hürriyet". Mit vor der Brust verschränkten Armen und einem als höhnisch empfundenen Lächeln beschreibt die türkische Tageszeitung die Angeklagte in ihrem dunklen Hosenanzug. Das als selbstbewusst empfundene Auftreten Zschäpes streue Salz in die Wunden der Türken.

"Jahrhundert-Prozess hat begonnen. Arrogante Show der Nazi-Braut", schreibt die Tageszeitung "Türkiye" am Tag nach dem Prozessauftakt. Gleichzeitig wurden Rufe nach einer Beleuchtung mutmaßlicher Verbindungen zwischen der NSU und den deutschen Sicherheitsbehörden laut.

Die "Nazi-Braut" Zschäpe habe sich in "Hitler-Pose" gezeigt, kommentierte die Zeitung "Habertürk" mit Blick auf die verschränkten Arme der Hauptbeschuldigten. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" vermerkte, dass Zschäpe im Gerichtssaal Kaugummi gekaut und mit ihren Anwälten gescherzt habe. Die Angehörigen der acht türkischen Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hätten den Auftritt teilweise zitternd verfolgt. In der Zeitung "Yeni Safak" war von einer "Frechheit" der Angeklagten die Rede.

Die Zeitung "Star" zog einen Vergleich zwischen Zschäpe und Ogün Samast, dem rechtsgerichteten Mörder des armenischstämmigen Journalisten Hrant Dink. Deutschland stehe mit dem Prozess vor einer "Nazi-Prüfung", hieß es in der Zeitung "Milliyet".

Nach Ansicht von "Sabah"-Chefredakteur Erdal Safak konnte der NSU ähnlich wie die Gruppe Ergenekon in der Türkei mit Unterstützung staatlicher Stellen agieren. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft mehreren hundert mutmaßlichen Ergenekon-Mitgliedern vor, mit Verbündeten in staatlichen Institutionen einen gewaltsamen Sturz der Regierung in Ankara geplant zu haben. Auch beim "Jahrhundert-Prozess" des NSU-Verfahrens gehe es um den Vorwurf der Unterstützung staatlicher Stellen, betonte Safak. Er bezeichnete den NSU als "deutschen Ergenekon".

kmi/AFP/DPA DPA

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