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Und jetzt ... Django Asül Griechenland macht mobil


Nie führten Staaten mit gemeinsamer Währung Krieg gegeneinander, verkündete jüngst die Kanzlerin. Das bedeutet: Fällt der Euro als Verhütungsmittel weg, machen die Griechen sofort mobil, befürchtet
Django Asül.

"Wir glauben, dass die Bereitschaft zur Veränderung der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg ist." Selten hat sich jemand mit so schönen Worten aus der Verantwortung gestohlen. Bleibt die Frage, wer hinter dieser euphemistisch formulierten Exit-Strategie steckt:

a) die Bundeskanzlerin bei ihrem Versuch, den Euro zu retten oder
b) die Bundeskanzlerin beim Versuch, den Euro zu beerdigen oder
c) Siemens bei dem endgültigen Entschluss, kein Geld mehr den Kulturdespoten vom wagnerischen Hügel in Bayreuth hinterherzuschmeißen?

Richtig, es ist Siemens. Denn Merkel würde nie "wir glauben" sagen. Wenn Merkel glauben meint, sagt sie "ich bin mir sicher". Wenn sie "ich bin mir sicher" sagt, darf daraus geschlossen werden, dass sie hofft, sich nachträglich straffrei sicher sein zu können.

Für und Wider von Großsponsoring

Und doch besteht ein kolossaler Zusammenhang zwischen Merkel und Siemens. Beide standen vor der Entscheidung, ob das großzügige Sponsoring fortgesetzt werden sollte oder nicht. Weil die Bayreuther Festspiele nur noch durch fragwürdige Inszenierungen, Absagen von namhaften Regisseuren und höchst dubiosen Ticketingpraktiken auffielen, zog Siemens die Konsequenzen daraus und verkündete den Ausstieg als Hauptsponsor. Weil die Eurostaaten nur noch durch fragwürdige Bilanzierung, Absagen an faire Vorgehensweisen und höchst dubiose Alleingänge fern jeglicher parlamentarischer Demokratie auffielen, zog Merkel die Konsequenzen und versprach Rettungspakete in Höhe von sämtlichen BIPs, Bits und Pups von Deutschland.

Wie kommt es zu so einer reziproken Herangehensweise? Ganz einfach: Siemens muss das Geld, das man zwecks Imagebildung ausgibt, erst mal verdienen. Merkel braucht lediglich auf den Staatshaushalt zurückzugreifen. Also im Prinzip vergibt Merkel einen Kredit aus moralisch geborgtem Kapital, bei dem sie weder für Zins noch für Tilgung geradestehen muss.

Erst Europa, dann die ganze Welt

Das ist auch gerechtfertigt. Denn während Siemens nur für das Wohl von Siemens verantwortlich ist, will Merkel erst Europa und dann den Rest der Welt retten, damit es Deutschland auch in Zukunft gut gehen möge. Deutschland soll sich als Caritas und Big Brother in Personalunion gebärden, um Merkels Vision von deutscher Vormachtstellung zu erfüllen. Deshalb spricht sie neuerdings mit noch nie erlebtem Pathos über Europa. Und der Euro soll als bevorzugtes Verhütungsmittel fungieren. Denn, so Merkel, noch nie habe es Krieg zwischen Völkern mit gemeinsamer Währung gegeben. Mit anderen Worten: Sollte Griechenland den Euro verlieren, würde binnen weniger Minuten die Mobilmachung erfolgen. Dafür spricht schon der Umstand, dass Griechenland einen doppelt so hohen Prozentsatz vom Haushalt für das Militär ausgibt wie beispielsweise Deutschland.

Damit unterstellt Merkel den Griechen, dass sie von Anfang an schon aufrüsten für den Fall der Fälle. Seltsam an der Merkelschen These ist allerdings, wie viele Bürgerkriege schon stattgefunden haben, ohne vorher feinsäuberlich verschiedene Währungen installiert zu haben. Aber da der Zweck die Mittel heiligt, ist es mehr als verständlich, wenn Merkel mit historischen Halbwahrheiten um sich schmeißt. Immerhin saßen bei Merkels Rede auch viele Polit-Hasardeure (Grüne, SPD, Linke, CSU, FDP) im Parlament. Da lockt man mit der reinen Lehre weder Politiker noch Wähler hinter dem Parlamentsofen hervor.

Rechtsstaat bedroht?

Deutschland kann sich jedoch in Sicherheit wiegen. Merkel will nämlich nicht nur Deutschlands Zukunft verwetten bei der Euro-Rettung, sondern ,wie schon erwähnt, auch die Spielregeln diktieren. Mit der bedingungslosen Unterstützung sind also knallharte Bedingungen verknüpft. Macht man sich damit Freunde in der Welt? Oder anders gefragt: Ist es ein Zufall, wenn just in dieser Woche das Goethe Institut Alarm schlägt und vermeldet, die Zahl der Deutschlernenden hätte in den letzten zehn Jahren um sage beziehungsweise schreie und schreibe 25 Prozent abgenommen? Und keiner möge nun auf die Idee kommen und behaupten, dass der ganze Planet scheinbar erfolgreich germanisiert wurde. Vielmehr deutet einiges darauf hin, dass nach internationalem Gutdünken der Deutsche nicht mehr lingual, sondern mittels ökonomischem Druck kommuniziert. Die an chronischer Defizitis erkrankte Welt hadert quasi mit dem Onkel Doc aus Germany, weil die Medizin nicht ganz so mundet wie eine Latte Macchiato mit einem Schuss Ouzo.

Aber all die Anstrengungen Merkels, ein bisschen Balsam auf die Wunden der Staatsmisere zu schmieren, werden unerbittlich konterkariert von Hans-Olaf Henkel. Seit Henkel kein Waschpulver mehr verkauft, will er nämlich Deutschland reinwaschen. Zumindest will er ebenso wie Merkel Deutschland retten. Nur dass ihm das Wohl seiner Heimat wesentlich näher liegt als der Kanzlerin. Meint Henkel. Und egal was Merkel macht, weiß Henkel es immer besser. Hans-Olaf ins Französische übersetzt heißt übrigens Scholl-Latour. Deshalb ist die Stimmung in den Euro-Staaten analog zum Nahen Osten. Und Hans-Olaf sieht sich gezwungen, ein Buch nach dem anderen zu schreiben.

Ein neuer Kachelmann ist geboren

Seine derzeitige Lieblingsthese lautet: Europa braucht einen starken Nord-Euro und einen schwachen Süd-Euro entsprechend der Leistungsfähigkeit der verschiedenen Regionen. Zwei Euros sind für Henkel also besser als ein Euro. Was Merkel allerdings überhaupt nicht behagt, weil laut ihren klassischen Milchmädchenalgorithmen zufolge dieses Modell an sich schon hundert Prozent Inflation beinhaltet. Insgeheim will Merkel eine europäische Wirtschaftsregierung. Ein Euro-Parlament, bestehend aus EU-Parlamentariern. Bundesverfassungsgericht hin oder her, das deutsche Parlament nervt Merkel seit geraumer Zeit gewaltig. Wirtschaftliche Wohlfahrt ist nun mal nicht mehr durch politische Mitsprache zu erreichen, sondern durch straffe politische Führung. China lässt grüßen. Merkel weiß: Demokratie ist eine Schönwetterveranstaltung. Aber der Euro steht mitten im Orkan. Sagt Hans-Olaf Henkel und sieht noch mehr düstere Wolken aufziehen. Und so ward ein neuer Kachelmann geboren. Das wäre eine Inszenierung auf dem grünen Hügel wert.

Django Asül live 27.Sep-1.Okt München/Lach- und Schießgesellschaft, 12./13.Okt Frankfurt/Neues Theater Höchst


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