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Und jetzt... Django Asül: Abendessen mit Bazooka-Salat

Mit Merkel macht es Sarkozy und Monti keinen Spaß mehr. Die Tante zickt immer wegen der Rechnung. Kein Grund zum Weinen: Karl-Theodor zu Guttenberg steht bereit, Vaterland und Euro zu retten.

Ein Rezept von Django Asül

Es geht einfach nichts über einen faktenbezogenen Symbolcharakter: Frau Merkel will sich zu einem weiteren EU-Gipfel aufmachen, um die Verunsicherung der Märkte weiterhin zu befeuern. Und was passiert? Das Flugzeug, gesponsert von der Luftwaffe, streikt! Warum auch nicht? Schließlich ist die Wehrpflicht ja längst aufgehoben. Und nirgendwo steht geschrieben, dass das nur das Personal, aber nicht das Arsenal betrifft. Andererseits hat ein Ausflug zu einem wie auch immer gearteten Gipfel einiges gemeinsam mit einem kriegerischen Event. Schließlich geht es ja schon lange nicht mehr um einen Konsens oder konzeptionellen Einsatz, sondern um das nackte Bewahren des Status quo, während ringsum alles in die fiskalische Steinzeit zurückfällt.

In den letzten Wochen ist auch permanent von Bazookas, Schutzmauern und Apparaturen mit unendlicher Feuerkraft die Rede, wenn es um den Euro geht. Das hört sich nicht gerade nach einem ultrapazifistischen Treiben an. Noch rennt Merkel in ihrer klassischen Ludwig-Erhard-Gedächtnis-Tracht herum. Aber wenn sich der Ton und die Lage weiterhin so verschärfen, wird sie sich fashionmäßig eventuell bald an Saddam Hussein oder Fidel Castro orientieren.

Hauptsache es schmeckt

Diese Woche aber stand erst mal ein Arbeitsessen an mit Sarkozy und Monti. Gerüchten zufolge ließen es sich der Franzose und der Italiener sehr munden, weil sie insgeheim mit einer kompletten Haftungsabgabe an Deutschland rechnen. Merkel hingegen soll so mancher Bissen im Hals steckengeblieben sein, als sie hörte, welche dreistelligen Milliardenbeträge die beiden Herren in den nächsten Monaten refinanzieren dürfen. Nach außen galt es natürlich, Ergebnisse zu präsentieren. So war zu hören, dass eigentlich jetzt alle eingesehen haben, dass die bisherigen EU-Verträge nur aus humoristischer Perspektive eine gewisse Daseinsberechtigung haben. Also müssten Veränderungen her. Und zwar bald. Wenn EU-Politiker das Wort bald gebrauchen, ist allerdings viel Phantasie gefragt bei der Auslegung.

Der Mega-Rettungsschirm EFSF beispielsweise sollte auch bald ans Werk gehen. Was jedoch nicht so recht gelingen mag, weil kein Mensch bei vollständigem Bewusstsein Geld in dieses Konstrukt stecken möchte. Bald kann also allerhand heißen, wenn es eine Merkel oder ein Sarkozy verkünden. Von eventuell in einem Jahr bis ganz sicher niemals geht da die Bandbreite.

Vertragsänderungen werden sicher bald für eine bessere Stimmung bei den Investoren sorgen. Alle Welt weiß: Jedes EU-Land ist so sehr vernarrt in EU-Verträge, dass sie sie bei jeder passenden Gelegenheit mit großer Begeisterung nicht einhalten. Dieses Arbeitsessen wird Europa also zwar keinen Schritt weiterbringen. Aber dafür können die Beteiligten die Kosten von der Steuer absetzen, weil man immerhin über Finanzpolitisches gesprochen hat, als Monti mal kurz aufs Klo musste. Details, welche Richtlinien genau überarbeitet werden sollen, wurden übrigens nicht genannt. Aber Defizitsünder sollen in Zukunft automatisch bestraft werden. Das geht bisher nicht. Das wird zwar auch künftig nicht gehen. Versucht hat man es aber dann wenigstens. Was ist denn ein Defizitsünder? Ein Land, das sich mehr als erlaubt neuverschuldet, weil es kein Geld hat. Da soll dann einer quasi aus dem nicht vorhandenen Etat eine Strafe zahlen. Oder aber er leiht sich Geld von Deutschland, um die Strafe zu begleichen. Was wiederum zu einer höheren Neuverschuldung führen wird. Alles in allem also wieder ein schlüssiges Konzept, um den Wahnwitz namens EU plastisch zu dokumentieren. Dementsprechend sprach Merkel hinterher von einem harmonischen Gespräch, das sie mit Sarkozy und Monti geführt hätte. Auf der nach allen Seiten offenen Pofalla-Skala bedeutet das: Man kann sich noch gegenseitig in die Fresse schauen. Wobei es in dem Fall Esse statt Fresse heißen müsste. Es war ja ein Arbeitsessen und kein Arbeitsfressen.

Comeback von Karl-Theodor

Was aber ein bisschen verwundert: Karl-Theodor zu Guttenberg war nicht dabei bei diesem Arbeitsessen. Dabei könnte er am ehesten diese Bazooka sein, die als Allheilmittel gegen rationale Investoren gepriesen wird. Denn der Plagiatbeauftragte des germanischen Geldadels hat alle Optionen offengelassen bei seiner semiumjubelten Rückkehr ins Alltagsgeschäft. Er könne sich alles vorstellen, meinte er. Ob Bundeskanzler (aber nicht vor Februar 2012), bayerischer Ministerpräsident (nicht vor Dezember 2011), Gründer einer neuen Partei (nicht vor dem Abendessen) bis hin zum Aufkäufer des EFSF (nicht vor der Implosion des Euro, also frühestens nächste Woche) ist alles möglich. Schließlich müsse die Welt ihm seine Lausbubenstreiche verzeihen und kapieren, dass ohne KT alles den Bach runtergeht. Und an Seriosität mangelt es ihm wahrlich nicht. Bunga Bunga ja, aber nicht mit minderjährigen Mädels, sondern mit Urheberrechten. Das allein ist schon ein Indiz für Aufrichtigkeit. Ja, zu Guttenberg kommt spät, aber nicht zu spät. Kein Wunder: Er benutzte im Gegensatz zu Merkel die Lufthansa und nicht die Luftwaffe.