Urteil Terrorhelfer Motassadeq zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt


Im weltweit ersten Prozess um die Terroranschläge vom 11. September 2001 verurteilte das Hanseatische Oberlandesgericht den angeklagten Marokkaner Mounir El Motassadeq zu 15 Jahren Gefängnis.

Im Hamburger El-Kaida-Prozess ist der Angeklagte Mounir El Motassadeq am Mittwoch zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Albrecht Mentz sprach den 28 Jahre alten Marokkaner wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen, des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in fünf Fällen sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig. Das Gericht verhängte damit die Höchststrafe. Im weltweit ersten Prozess um die Terroranschläge vom 11. September 2001 hatte die Anklage für den 28 Jahre alten Marokkaner 15 Jahre Haft gefordert. El Motasseqs Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Der Angeklagte hatte bis zum Schluss seine Unschuld beteuert.

Prozessdauer seit Oktober

Motassadeq stand seit Oktober vergangenen Jahres vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft hatte 15 Jahre Haft gefordert, die Verteidiger hatten Freispruch beantragt. Die Anklage warf Motassadeq vor, als Statthalter der Todespiloten um den Ägypter Mohammed Atta deren Abwesenheit in Hamburg verschleiert zu haben und beim Geldnachschub für sie mitgeholfen zu haben.

"Hass auf USA und Israel"

"Der Angeklagte gehörte der Gruppe um Atta seit Gründung an", sagte der Vorsitzende Richter Albrecht Mentz in seiner Urteilsbegründung. Diese Gruppierung arabischer, muslimischer Studenten habe "aus Hass auf die USA und Israel den Anschlag geplant". "Sie wollten mit dem in der Dimension bisher nicht gekannten Anschlag die USA in ihren Fundamenten treffen." Der Angeklagte habe die Aufgabe übernommen, anderen Mitglieder der Gruppe, die schon in die USA gereist waren, "den Rücken frei zu halten". "Diese Aufgabe hat er erfüllt, er wusste von den Vorbereitungen für den Anschlag und unterstützte die Planungen", sagte der Richter weiter. Kritik der Verteidiger an dem Prozessverlauf wies er zurück.

Kannte die Attentäter

Motassadeq hatte eine Kontovollmacht des späteren Todespiloten Marwan Al Shehhi und nahm damit Geldbewegungen vor. Der Angeklagte räumte in dem Prozess ein, die Attentäter gekannt zu haben, bestritt aber die Tatvorwürfe. Zu Beginn des Verfahrens hatte Motassadeq zugegeben, eine Waffen-Ausbildung in einem Lager der Terrororganisation El Kaida in Afghanistan absolviert zu haben.

Forderung nach Höchststrafe stattgegeben

Der 3. Strafsenat folgte dagegen der Argumentation der Bundesanwaltschaft, die die Höchststrafe von 15 Jahren Haft gefordert hatte. Die Bundesanwälte hatten anhand von Zeugenaussagen und verschiedenen Dokumenten ausreichend Indizien dafür gesehen, dass der Angeklagte an der Vorbereitung der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium in Washington maßgeblich beteiligt war, bei denen es tausende Tote gegeben hatte.

Rein "private" Kontakte

Demnach war Motassadeq eine Art "Statthalter"“ der Hamburger El Kaida-Zelle um den mutmaßlichen Todesflieger Mohammed Atta und soll bei der Finanzierung der Pilotenausbildung der Attentäter geholfen haben. Der ehemalige Elektrotechnik-Student hatte zu Beginn des Prozesses offen eingeräumt, er habe Atta und die beiden anderen mutmaßlichen Todespiloten Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah gut gekannt. Er bezeichnete dies aber als rein private Kontakte.

Selbstbild: tiefgläubig und friedfertig

Der Angeklagte gab sich im Laufe des Prozesses als tiefgläubiger und friedfertiger Moslem. Er sei zwar in ein Ausbildungscamp der El Kaida-Organisation nach Afghanistan gereist, um sich dort militärisch ausbilden zu lassen. Doch das habe ausschließlich religiöse Gründe gehabt, erklärte Motassadeq. Dass er ein extrem antisemitisches und antiamerikanisches Weltbild habe, wie mehrere Zeugen in dem Prozess ausgesagt hatten, wies Motassadeq mehrfach zurück.

Aufenthalt im El-Kaida-Camp

Doch schon die Bundesanwaltschaft sah insbesondere den Aufenthalt in einem afghanischen Camp der El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Bin Laden als Beleg gegen den Angeklagten. Bin Laden gilt in den USA als einer der Verantwortlichen der Anschläge vom 11. September. Gegen verschiedene mutmaßliche El Kaida-Funktionäre und Vertraute Bin Ladens stehen in den USA Prozesse wegen der Attentate an.

Verteidiger kündigte Revision an

Der Verteidiger des Angeklagten, Hans Leistritz, kündigte unmittelbar vor der Urteilsverkündigung Revision vor dem Bundesgerichtshof an. "Wir werden im Falle einer Verurteilung in jedem Fall Revision beantragen", sagte Leistritz. Die Verteidigung hatte auf einen Freispruch Motassadeqs plädiert. Ihrer Ansicht nach waren die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft in dem knapp vier Monate dauernden Prozess nicht bewiesen worden. Motassadeq nahm das Urteil äußerlich regungslos auf. Vor dem Prozess wirkte er angespannt, lächelte lediglich einmal, als er mit seinen Verteidigern sprach.


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