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Ansturm auf ein Ehrenamt Corona-Impfung als Lockmittel: Tausende wollen Wahlhelfer werden

Wahlhelferinnen und Wahlhelfer kontrollieren Stimmzettel.
Wahlhelferinnen und Wahlhelfer bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Für den Urnengang, der am 14. März stattfand, gab es noch nicht die Möglichkeit, sich wegen des Ehrenamtes gegen Corona impfen zu lassen.
© Christoph Schmidt / DPA
Wahlhelfer galt bisher nicht als das beliebteste Ehrenamt. Doch Corona ändert auch das: Berlin berichtet von einem wahren Ansturm der Bewerber. Denn ihnen winkt eine Corona-Impfung.

Die Corona-Pandemie und das große Interesse an Impfungen treiben in Berlin kuriose Blüten. Binnen zwei Wochen hätten sich Tausende Menschen gemeldet, die am 26. September als Wahlhelferinnen und -helfer eingesetzt werden wollen. Das meldet der "Tagesspiegel". Grund sei der bundesweite "Impfköder" für das Ehrenemt, wie es die Zeitung ausdrückt.

Normalerweise, also in Zeiten vor der Pandemie, waren die Wahlämter froh, wenn sie überhaupt genügend Bewerbungen bekommen. Doch Corona wirbelt nicht nur das komplette öffentliche Leben durcheinander. Die Pandemie macht auch das Ehrenamt plötzlich äußerst attraktiv. Denn, so besagt es die im März aktualisierte Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, Wahlhelfer haben einen Anspruch auf zwei Corona-Impfungen, bevor sie eingesetzt werden. Das Ehrenamt ist also eine Möglichkeit, schneller an den begehrten Piks zu kommen.

Und helfende Hände kann Berlin an jenem Sonntag Ende September gut gebrauchen. Denn dort stimmen die Bürger nicht nur wie in ganz Deutschland über den Bundestag ab, sondern es finden auch gleichzeitig die Wahlen zum Abgeordnetenhaus der Metropole und zu den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen statt. Außerdem gibt es womöglich auch noch einen Volksentscheid über die Enteignung großer Wohnkonzerne. Viele Stimmzettel also, die ausgezählt werden wollen.

Wahlhelfer sind in der Priorität bei den Corona-Impfungen jetzt in Gruppe drei

Wer bei der Organisation der Wahlen hilft, steigt in die sogenannte Impfgruppe drei mit erhöhter Priorität auf. Schließlich will man, dass alle Menschen bei dem Urnengang gut vor Viren geschützt sind und Wahlen nicht zum "Superspreader-Event" werden. Diese Regelung gilt für ganz Deutschland. Für die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am 14. März kam sie zu spät. Hier hatten die Wahlhelfer noch keine Möglichkeit, sich bevorzugt impfen zu lassen.

Doch auch für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni kommt sie passend:  "Wir werden rechtzeitig vor der Landtagswahl mit den Impfungen beginnen können und damit einen Beitrag zum Infektionsschutz in den Wahllokalen leisten", sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Donnerstag in Magdeburg. In dem Bundesland werden mehr als 20.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer benötigt – möglich, dass auch hier das Interesse an der Mithilfe am Wahltag durch die Corona-Impfungen deutlich beflügelt wird.

In Berlin ist dieser "Impfköder" jetzt zum heiß diskutierten Thema geworden. Nachdem die Nachricht von der möglichen Corona-Impfung in den Medien die Runde gemacht habe und zudem Erstwähler und alle Bundesbediensteten der Stadt angeschrieben worden seien, habe es einen regelrechten Ansturm auf die Wahlämter der Bezirke gegeben, so der "Tagesspiegel". Viele Bewerberinnen und Bewerber seien jüngere Interessenten ab 18 Jahren. Eine Personengruppe also, die in der normalen Impfreihenfolge und bei dem langsamen Tempo der Impfkampagne in Deutschland wohl erst in einigen Monaten an der Reihe wären.

Allein im Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf seien bisher rund 1400 Bewerbungen online eingegangen, so der "Tagesspiegel". Insgesamt benötige Berlin an dem Super-Wahlsonntag mehr als 34.000 ehrenamtliche Wahlhelfer, rechnet das Blatt vor. Das seien – auch wegen coronabedingter Hygienevorschriften – rund 14.000 mehr als bei früheren Wahlen. Wegen der Pandemie wird es beispielsweise mehr Wahllokale geben als sonst, um Gedränge zu vermeiden.

Organisation der Impfungen noch unklar

Ungeklärt sei allerdings noch, wie genau die Freiwilligen an die Impfung kommen sollen, also in welchen Schritten diese organisiert wird und ob die Menschen beispielsweise zum Hausarzt oder ins Impfzentren gehen sollen, schreibt das Blatt. Auch hoffen die Verantwortlichen in den Wahlämtern dem Bericht zufolge, dass sich die Bewerberinnen und Bewerber nicht erst impfen lassen und dann eine Ausflucht finden, um doch nicht am Wahltag zu helfen.

Was die Motivation angehe, sei man in den Ämtern jedoch zuversichtlich, scheibt die Zeitung. Rückmeldungen zeigten, dass viele Menschen den "Ein-Tages-Job im Dienste der Demokratie" attraktiv fänden.

Fazit: Es gehe ihnen nicht nur um die Corona-Impfung. Aber das Interesse an dem Ehrenamt des Wahlhelfers wird durch die Aussicht, geimpft zu werden, deutlich beflügelt.

Quellen: "Der Tagesspiegel", AFP, Bundeswahlleiter.de


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