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Werner Müller zu Politikergehältern: "Ich finde nicht, dass Politiker unterbezahlt sind"

Diäten, Pensionen, Dienstwagen - die Vergütungen von Politikern sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Zu recht? Werner Müller, Manager und Ex-Wirtschaftsminister, sprach mit stern-Reporterin Franziska Reich über das liebe Geld.

Als einer der ganz wenigen Top-Manager sind Sie 1998 aus der Wirtschaft in die Politik gewechselt. Wie haben Ihre Managerkollegen reagiert?
Als ich meinen Kollegen mitteilte, dass ich Minister würde, haben mich so manche mitleidig angelächelt.

Warum das Mitleid?
Ich kenne niemanden in der Wirtschaft, der bereit wäre, in die Politik zu wechseln. Warum sollte er auch? Wegen der Bezahlung? Nein. Weil es so lustig ist? Auch nur bedingt. So etwas macht man womöglich aus Idealismus - oder weil man die Herausforderungen in der Wirtschaft schon gemeistert hat.

Was haben Sie über die finanzielle Vergütung als Minister gedacht?
Die vier Jahre haben mir großen Spaß gemacht. Sie waren reich an Erfahrungen und Erlebnissen. Ums Geld ist es mir dabei nie gegangen. Ich war auf das Geld nicht angewiesen. Und es hat gereicht, um den Lebensunterhalt vernünftig zu bestreiten.

Halten Sie Politiker für unterbezahlt?
Nein, ich finde nicht, dass Politiker unterbezahlt sind. Bei den Beamten im Ministerium habe ich das häufig gedacht. Hervorragend ausgebildete Leute, polyglott, mehrsprachig, studiert - viele von denen würden in der Wirtschaft ein Vielfaches verdienen können.

Politiker beklagen sich oft über den Wust an Abrechnungsregeln, der ihren Alltag begleitet. Wie haben Sie das gesehen?
Es gab schon einige Bestimmungen, über die ich schmunzeln musste. Ich habe noch nie von einem Manager gehört, der sich bis ins kleinste Detail rechtfertigen müsste, was er wann mit seinem Dienstwagen macht. Der hat den Dienstwagen und den kann er benutzen. Fertig.

Im aktuellen stern lesen Sie die Titelgeschichte "Zu gut bezahlt? Was unsere Politiker wirklich verdienen"

Franziska Reich
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