Zwischenfinanzierung Schaeffler erhält eine Galgenfrist


Hoffnungsschimmer für den schwer angeschlagenen Autozulieferer Schaeffler: Die Banken haben dem Familien-Unternehmen, dass sich mit der Übernahme des ebenfalls kriselnden Reifenherstellers Continental übernommen hat, etwas Luft verschafft. Die neuen Kapitalhilfen sollen bis 2010 reichen.

Der hoch verschuldete Autozulieferer Schaeffler erhält einem Medienbericht zufolge von den Banken mehr Spielraum. Der Familienkonzern und seine Kreditgeber hätten sich weitgehend auf eine Zwischenfinanzierung geeinigt, berichtet "Welt Online". Die Kreditinstitute sichern der angeschlagenen Gruppe demnach weitere Kapitalhilfen zu, die die Liquidität bis Anfang 2010 sicherstellen sollen. Schaeffler wollte den Bericht bisher allerdings nicht kommentieren.

Der fränkische Konzern ist wegen der Übernahme des Konkurrenten Continental mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet und kann die Zinsen von monatlich rund 70 Millionen Euro nicht mehr aufbringen. Eine in Kürze drohende kritische Lage sei durch die Zwischenfinanzierung nun vorerst abgewendet worden, hieß es. Schaeffler habe damit auch ausreichend Zeit, um ein Zukunftskonzept fertigzustellen, das Voraussetzung für staatliche Hilfen ist. Erst am Mittwoch hatte das Unternehmen angekündigt, dieses Konzept werde noch einige Wochen auf sich warten lassen.

Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck begrüßte zugleich die Entscheidung des Landgerichts Hannover, das die Beschwerde eines Aktionärs der Continental AG gegen die Bestellung des Schaeffler-Beraters Rolf Koerfer zum Conti-Aufsichtsratsmitglied zurückgewiesen hatte. "Wir haben das erwartet", sagte er. Schaeffler gehe davon aus, dass Koerfer nun auch zum Aufsichtsratsvorsitzenden bei Conti gewählt werde. Zum geplanten Aus für die Reifenproduktionen bei Continental im Stammwerk Hannover und in Frankreich wollte sich Schaeffler nicht äußern. In Hannover sind von den Plänen 780 Beschäftigte betroffen, in Frankreich 1120 Mitarbeiter.

Unterdessen formiert sich bei Conti massiver Widerstand gegen das drohende Aus für die Reifenproduktion in Hannover und in Frankreich. Der Betriebsrat in Hannover prüft, ob er gegen die angekündigte Schließung vor Gericht ziehen will.

Werksschließung bei Conti noch nicht offiziell

Conti-Betriebsrat Michael Deister sagte: "Für uns ist die Schließung noch nicht offiziell." Der hannoversche Conti-Betriebsrat prüft nun, ob ein im Januar unterschriebenes Grundlagenpapier rechtens ist. Dort hatte die Werksleitung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesichert, im Gegenzug waren Lohnverzicht und eine Ausweitung der Kurzarbeit geplant. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung dazu wurde aber bisher nicht abgeschlossen. Am Freitag wollen der Betriebsrat und die IG BCE das weitere Vorgehen besprechen.

Conti hatte zur Begründung für die Entscheidung am Mittwoch massive Einbrüche bei der Nachfrage angegeben. In Gewerkschaftskreisen wird aber vermutet, dass der Konzern die Gelegenheit nutzt, um die Produktion von den teuren Standorten Deutschland und Frankreich in Länder mit billigeren Lohnkosten zu verlagern.

Ein Sprecher der Gewerkschaft mahnte erneut ein Gesamtkonzept für die Zukunft von Continental und des angeschlagenen Conti-Großaktionär Schaeffler an. "Es muss doch zuerst ein Gesamtkonzept her, bevor einzelne Teile herausgebrochen werden. Das ist unlogisch", kritisierte er. Die Pläne zur Schließung seien ein "Alleingang des Vorstands" gewesen.

Auch in Frankreich gab es am Donnerstag heftige Proteste gegen die Schließung des Conti-Reifenwerks im nordfranzösischen Werk Clairoix. Dort protestierte am Donnerstag sogar die Regierung. Regierungssprecher Luc Chatel sagte, Conti werde sich "vor Gericht" verantworten müssen.

DPA DPA

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