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Fritz Kolbe: Verräter und Patriot

Er spionierte für Hitlers Feinde, um Deutschland zu retten - die fast vergessene Geschichte des Topagenten Fritz Kolbe erscheint jetzt als Buch..

Fritz Kolbe trug keine schneidige Augenklappe, nicht mal eine Uniform und erst recht keine Bombe im Aktenkoffer. Klein war er, und kahl schon in jungen Jahren. Ein echter Anti-Stauffenberg. Als Held eine glatte Fehlbesetzung. Der geborene Beamte - fast unsichtbar, gnadenlos zuverlässig und immer pünktlich. Man sollte dennoch Plätze und Straßen nach ihm benennen. Denn dieses Männlein hat für den Sturz des nationalsozialistischen Regimes sein Leben riskiert, hat gezeigt, dass auch ganz normale Deutsche etwas gegen den Hitler-Wahnsinn tun konnten - und ist dafür von der jungen Bundesrepublik wie ein Aussätziger behandelt worden.

Der französische Journalist Lucas Delattre hat die vergessene Geschichte des subalternen Beamten penibel recherchiert: Bei Kolbes Sohn in Sydney, im Auswärtigen Amt, wo Kolbe in den Kriegsjahren gearbeitet hat, und in der Schweiz, wo er viele hundert "Geheime Reichssachen" den West-Alliierten zukommen ließ. Herausgekommen ist ein Spionagethriller und ein Lehrstück.

Geklaut, kopiert und fotografiert

In Berlin saß Kolbe im Büro von Karl Ritter, dem Verbindungsmann der Diplomaten zur Wehrmacht. Alles, was über seinen Schreibtisch ging, klaute, kopierte oder fotografierte er. Darunter brisanteste Informationen: Wo die Nazis die alliierte Invasion erwarteten, wo Steuerungsapparaturen für Raketen und Motoren für Flugzeuge montiert wurden, was für Militärbasen die Japaner in Asien betrieben. Die Liste ist unendlich lang. Ex-CIA-Chef Richard Helms bezeichnete die von Kolbe beschafften Informationen als "die besten, die jemals ein alliierter Agent während des ganzen Krieges lieferte".

Wirklich ernst wurde es am 15. August 1943. Da schloss Kolbe seine Bürotür von innen ab, ließ die Hosen herunter und befestigte an seinen Schenkeln mit solidem Bindfaden zwei Umschläge mit Dokumenten. Um 20.20 Uhr ging sein Zug vom Anhalter Bahnhof nach Bern. Es war brandgefährlich - genauso wie seine fünf weiteren Reisen in die Schweiz, das Abschreiben der Dokumente, das Schmuggeln von Nachrichten über Mittelsmänner.

"Deutscher Patriot mit menschlichem Gewissen"

Kolbe hasste die Nazis und wollte mehr tun, als sich nur zu weigern, in ihre Partei einzutreten, was ihm einen ruhigen Job in Norwegen eingebracht hätte. "Ich bin ein deutscher Patriot mit einem menschlichen Gewissen. Mein Wunsch ist, den Krieg zu verkürzen", sagte er den Alliierten. Dafür nahm er die weichen Knie bei der Grenzkontrolle in Kauf, ebenso die Schrecksekunde, wenn der Blockwart an die Wohnungstür pochte. Und auch manche Peinlichkeit: so die Tarnung von nächtlichen Agententreffs als Bordellbesuche, anschließender Hautarzttermin inklusive.

Im Cafe Kottler in Schöneberg hatte er oft in der allerhintersten Ecke mit alten Freunden gehockt und auf die arischen Herren geschimpft. Wenn sie sich zuprosteten, sagten sie "For the King" statt "Zum Wohl". Aber weder dieses Geraune noch die paar anonymen Flugblätter, die er verteilte, würden "die Mörderclique", wie er Hitlers Führungsmannschaft nannte, aufhalten. Da beschloss Kolbe, Spion zu werden. Er stellte sich im Amt noch naiver, als er tatsächlich war, rackerte Tag und Nacht, umgarnte die richtigen Leute - und wurde belohnt: Mit einer Kurierfahrt zur deutschen Gesandtschaft in Bern. Das war seine Chance. Ein alter Freund, der in der Schweiz lebte, vermittelte einen Kontakt zum US-Geheimdienstmann Allen Dulles. Kolbes Informationen trugen zu Dulles' legendärem Ruf bei und zu seinem Aufstieg an die Spitze der CIA.

Kolbe dagegen wurde nach 1945 nicht gefeiert. In den letzten Kriegstagen war es ihm gelungen, sich in die Schweiz abzusetzen, wo er dann im Auftrag der Amerikaner bei der deutschen Gesandtschaft nach dem Verbleib des Nazi-Goldes forschte. Das machte ihn in den Augen der alten Kollegen aus dem Auswärtigen Amt endgültig zum Verräter und Überläufer.

CIA-Abgesandte an Kolbes Gab

Als die Bundesrepublik Diplomaten brauchte, konnten viele Ex-Nazis ihre Karrieren fortsetzen. Kolbe nicht. Alle seine Versuche, wieder in den öffentlichen Dienst zu gelangen, scheiterten. Schließlich schlug er sich als Vertreter für Kettensägen durch. 1971 starb der einstige Top-Spion mit 70 Jahren an Krebs. Nur etwa zehn Menschen standen an seinem Grab, darunter zwei Abgesandte der CIA, die einen Kranz niederlegten. Allen Dulles klagte, dass Kolbes Verdienste vom neuen Deutschland nicht gewürdigt worden seien. Er hoffe, "dass dieses Unrecht eines Tages wieder gutgemacht werden wird und dass sein eigenes Land seine wahre Rolle dann anerkennt".

Stefan Schmitz / print
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.