KZ Hinzert Todesangst, Hunger und Demütigung


Vom KZ Hinzert im Hünsrück ist nicht viel übrig. Nur ein Friedhof und Gedenktafeln erinnern an das Leid von insgesamt 13600 Menschen, die von den Nazis gefangen gehalten wurden. Ein Dokumentationszentrum soll das ändern.

Versteckt in den Hügeln des Hunsrück liegt die Gedenkstätte Hinzert. Ein Friedhof, ein paar Gedenksteine und Informationstafeln erinnern in der wald- und wiesenreichen Landschaft an unermessliches Leid: In dem einstigen Konzentrationslager hielten die Nationalsozialisten zwischen 1939 und 1945 etwa 13600 Menschen gefangen. "Aber der Erinnerungsort wird dem Leid und der geschichtlichen Bedeutung bis heute nicht gerecht", sagt Paul Dostert, Direktor des nationalen Widerstandsrats in Luxemburg. Von den mehr als 300 in Hinzert getöteten Menschen stammten viele aus dem benachbarten Großherzogtum.

Damit die Gedenkstätte ihrem Namen gerecht wird, will das Land Rheinland-Pfalz in diesem Jahr den Grundstein für ein geschichtliches Dokumentationszentrum legen. 3,2 Millionen Euro Investitionskosten sind veranschlagt. "Das ist Genugtuung für die, die das mörderische Treiben der Nazis in Hinzert erlebt haben", sagt der 86-jährige Luxemburger Jos Mounier, der die Gefangenschaft überlebte. "Wir werden endlich ein Dach über dem Kopf haben bei den jährlichen Gedenktreffen; wie oft standen wir dabei buchstäblich im Regen", sagt Mounier. Etwa 20 seiner noch lebenden 60 Mitgefangenen treffen sich regelmäßig in Hinzert.

Französische Besatzer rissen die Baracken ab

Wo einmal das Lager stand, erstreckt sich mittlerweile Ackerland. Französische Besatzer rissen die Baracken schon in den ersten Jahren nach dem Krieg ab. "Es soll nicht aufgebaut werden, was einmal war - wir wollen vielmehr die Geschichte in dem neuen Zentrum mit Fakten und Fotos aufarbeiten", sagt der Referatsleiter der Landeszentrale für politische Bildung in Osthofen (Kreis Alzey-Worms), Uwe Bader. 2005 jährt sich die Befreiung des Lagers Hinzert zum 60. Mal. Dann soll auch das Dokumentationszentrum fertig sein.

"Politisch ist das ehemalige KZ Hinzert international von Bedeutung", sagt der Vorsitzende des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte ehemaliges KZ Hinzert, der Landtagsabgeordnete Dieter Burgard (SPD). Rund 3000 Luxemburger - ein Prozent der damaligen Bevölkerung des Großherzogtums - hätten die Kriegsjahre hier verbringen müssen. In Deutschland gab es während der Zeit des Nationalsozialismus eine schwankende Zahl von Arbeits- und Konzentrationslagern. 1944 waren es 20 große Konzentrationslager mit 165 angeschlossenen Arbeitslagern. In Hinzert wurde 1938 das KZ errichtet.

Männer aus 20 Ländern

Hinzert hatte einen Sonderstatus: Zunächst Unterkunft für Bauarbeiter des 630 Kilometer langen Westwalls und Polizeihaftlager, diente es von 1939 an als "Umerziehungslager" für Arbeiter, die sich den Nazis widersetzten. In den sechs Jahren, in denen es existierte, wurden in Hinzert Männer aus 20 Ländern in den 11 Häftlingsbaracken gefangen gehalten. Kurz vor seiner Auflösung am 3. März 1945 war es noch dem KZ Buchenwald bei Weimar in Thüringen unterstellt worden.

Die Geschichte von Zwangsarbeit, Todesangst, Hunger und Demütigung soll künftig in dem Dokumentationszentrum wach gehalten werden. Eine internationale Jury unter Beteiligung auch ehemaliger Häftlinge hatte sich im September unter 28 Beiträgen einstimmig für den Entwurf des Architekturbüros "Wandel Hoefer Lorch + Hirsch" aus Saarbrücken entschieden. Zwischen dem Ehrenfriedhof und der Fläche des ehemaligen Straflagers soll das Zentrum gebaut werden.

"Viele Bewohner der Gemeinde mieden die Erinnerung"

Entstehen soll eine Blech- und Glaskonstruktion, die wie eine schroff aufgeworfene Felslandschaft wirkt - mit 340 Quadratmetern Ausstellungsfläche, Seminarraum und Bibliothek. Die Grenzen des Lagers werden mit Stegen aus Blech gekennzeichnet. "Früher vermieden viele Bewohner der Gemeinde Hinzert-Pölert lieber die Erinnerung", sagt Fördervereins-Chef Burgard. "Doch jetzt bekommen wir von ihnen immer öfter Gegenstände aus dem Lageralltag." Sie sollen in dem neuen Zentrum zu sehen sein.

Birgit Pfaus/DPA DPA

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