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Wetter: Taifune, Hurrikans und deutsche Normalität

Während in Deutschland nach der Jahrhundertflut 2002 und dem Hitzesommer 2003 wieder Normalität eingekehrt ist, haben vor allem im Ausland folgenschwere Wetterphänomene ihre zerstörerischen Kräfte walten lassen.

Nach der Jahrhundertflut 2002 und dem Hitzesommer 2003 haben folgenschwere Wetterphänomene in diesem Jahr vor allem im Ausland ihre Spuren hinterlassen. Während nach Deutschland die Normalität zurückkehrte, litten die Menschen in Florida, Japan und auf den Philippinen unter der zerstörerischen Kraft von Stürmen und Regenfluten. Wissenschaftler registrierten eine ungewöhnliche Häufung: vier Hurrikans in Florida und zehn Taifune in Japan.

"Mehr Hurrikans, und sie werden stärker"

"Ein Trend setzt sich fort, den wir seit 1985 beobachten", sagt der Meteorologe Manfred Spatzierer vom Wetterdienst Meteomedia: "Mehr Hurrikans, und sie werden stärker." Sie hießen unter anderem "Charly", "Frances" und "Jeanne". In der Karibik forderten sie tausende Tote, Hunderttausende verloren ihr Dach über dem Kopf, waren ohne Nahrung und Wasser. Auch in Florida bangten die Menschen, als die Hurrikans im Spätsommer in Abständen von wenigen Wochen für Stromausfälle sorgten und Häuser zerstörten.

Hart trafen die Stürme die Region im Nord-West-Pazifik. Als ungewöhnlich bezeichnen Meteorologen deren Verlauf: "Sonst zogen Taifune meist gerade von Ost nach West, dieses Jahr bogen sie schon auf Höhe der japanischen Inseln gen Norden - und trafen so stärker als sonst auf Japan." So hinterließ "Tokage", der verheerendste Taifun seit einem Vierteljahrhundert in Japan, im Herbst eine Spur der Zerstörung. Städte versanken in schlammigen Wassermassen, es gab 80 Tote.

Auf den Philippinen kamen später bei Unwettern vermutlich bis zu 1400 Menschen ums Leben. Hunderttausende mussten ihre zerstörten Häuser räumen.

Extreme Wettererschienungen: eine Folge der Klimaveränderung

"Das ist der Beginn einer neuen Entwicklung", sagt Klimaforscher Gerhard Berz von der Rückversicherung Münchener Rück zur Häufung extremer Wetterscheinungen. Sie seien Folge der Klimaveränderungen und böten einen Blick in die Zukunft. "Wenn die Erderwärmung sich weiter so entwickelt, werden Hitzesommer wie im vergangenen Jahr in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts der Normalfall werden." Spatzierer ist vorsichtiger: Besonders die Tropenstürme will er nicht ohne weiteres auf die Erderwärmung zurückführen. "Das ist ein Grund, aber nicht der einzige."

In Deutschland kehrte Ruhe ein. "So normal wie 2004 war das Wetter lange nicht mehr", sagt Spatzierer. Nach reichlich Schnee im Februar kamen im März schnell Frühlingsgefühle auf, es gab frühsommerliche Temperatur-Ausreißer bis zu 24 Grad. Auch der sonst so launische April zeigte sich sonnig. Der Mai begann mit viel Regen: Am 9. Mai schüttete es in Trieberg im Schwarzwald gewaltig: Mit 60,8 Litern pro Quadratmeter - halb so viel wie sonst in einem ganzen Monat - war das der regenreichste Tag. Und es kam noch anderes von oben: "Wir haben Schnee auf den Tulpen und eine Schneedecke auf der Straße", meldete die Polizei im Oberharz am 23. Mai.

Après-Ski im Sommer

Die Hitze ließ auf sich warten. Besonders im Norden begann der Sommer schmuddelig und kühl, mit viel Regen im Juni und Juli. "Auch im Sommer ziehen Tiefs vom Atlantik und von Skandinavien aus her", erklärt Spatzierer, "das Vorjahr war die Ausnahme, da hatte sich ein Hoch über Deutschland festgesetzt." Die Deutschen wussten sich zu helfen: "Wir schenken Glühwein aus", hieß es bei den Störtebeker- Festspielen unter freiem Himmel auf der Insel Rügen. Wie in Dortmund luden Biergärten zu Après-Ski-Partys mit Mütze und Handschuhen ein. Erst der August brachte den Ausgleich. Im Süden schnitt der Sommer besser ab. Die Höchsttemperatur verzeichneten die Meteorologen am 9. Juni im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim mit 34,8 Grad.

Nicht nur die Temperaturen, auch der Wind war ein Sommer-Thema: In Duisburg deckte ein Tornado Dächer ab und entwurzelte Bäume. "Heftig traf es auch Micheln", erinnert sich Spatzierer. Über den kleinen Ort in Sachsen-Anhalt fegte Ende Juni ein Tornado. Er beschädigte Häuser, knickte Bäume um und zerfetzte Stromleitungen. "2004 hat uns vor Augen geführt, dass Tornados auch in Deutschland keine Seltenheit sind", sagt der Wetterexperte, sieht darin aber nichts Neues. "Es gab auch früher Tornados, nur achten wir heute stärker darauf." Mit einem goldenen Herbst kehrte die Normalität zurück. Selbst die Stürme im November gingen recht glimpflich vorüber.

Nadine Schwede/DPA / DPA