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Zweiter Weltkrieg: Wie der Führer den Papst entführen wollte

Der frühere SS-Kommandeur von Rom hat Papst Pius XII. im Mai 1944 vor Entführungsplänen Adolf Hitlers gewarnt. Laut Karl Wolff sollte der Papst dafür bestraft werden, dass die Kirche Juden in Klöstern versteckte habe.

Hitler wollte italienischen Presseberichten zufolge 1943 Papst Pius XII. aus dem Vatikan entführen und nach Deutschland deportieren lassen. Einen entsprechenden Befehl habe Hitler an den damaligen SS-General Karl Friedrich Otto Wolff in Rom gegeben, der sich jedoch geweigert und Pius von der Gefahr gewarnt habe. Dies berichtete die römische Zeitung "La Repubblica" am Sonntag unter Berufung auf schriftliche Aussagen des SS-Generals im Jahr 1972 gegenüber dem Vatikan. Berichte über derartige Entführungspläne waren bereits im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess aufgetaucht.

"Konfuse und riskante Situation"

Dem Bericht zufolge warnte Wolff den Papst bei einer Audienz im Vatikan im Mai 1944 - einen Monat vor der Befreiung Roms durch alliierte Truppen. Wolff habe Pius gewarnt, auf der Hut zu sein. Er (Wolff) selbst werde zwar auf keinen Fall den Befehl ausführen. Die Situation sei aber sehr konfus und riskant. Die neuen Details sind im Zuge des Seligsprechungverfahrens bei Forschungen über Pius' Pontifikat ans Licht gekommen.

Pius, der von 1939 bis 1958 regierte, wird in der breiten Öffentlichkeit als "Papst des Schweigens" angesehen, der die Judenverfolgung der Nazis nicht laut und deutlich verurteilt habe. Dennoch hält der Vatikan an einem eingeleiteten Prozess zur Seligsprechung fest. Wegen zahlreicher neuer Vorwürfe gegen Pius in der vergangenen Woche, habe die italienische Bischofskonferenz die alten Aussagen des SS-Generals am Wochenende veröffentlicht.

Plan der "physischen Eliminierung"

Der Plan Hitlers habe offenbar auch eine "physische Eliminierung" von Pius vorgesehen, schreibt die Zeitung weiter. Der Papst sollte laut Wolff dafür bestraft werden, dass die katholische Kirche tausende Juden in Klöstern versteckte und so vor den Nazis gerettet habe. "Ich habe den Befehl, Pius zu entführen, persönlich von Hitler erhalten", habe Wolff in einem schriftlichen Memorandum erklärt, das der Vatikan bereits 1972 im Zuge des begonnen Verfahrens zur Seligsprechung angefordert habe. Das Oberhaupt der Katholiken hätte zunächst in einem Schloss in Baden- Württemberg festgesetzt werden sollen.

Das "Kapitel Pius XII." ist eines der dunkelsten der katholischen Kirche. Israel hatte sich mehrfach indigniert über die geplante Seligsprechung geäußert. Historiker meinen, er hätte viele Juden retten können, wenn er offen gegen deren Verfolgung protestiert oder etwa hohe Nazis exkommuniziert hätte. Dagegen führt der Vatikan immer wieder an, die Kirche habe "im Stillen" tausende Juden gerettet. Offener Widerstand gegen Hilter hätte noch schlimmere Verbrechen provoziert.

AP/DPA / AP / DPA