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Essener Tafel: Nach Kritik an Aufnahmestopp: Tafel-Chef denkt über Rücktritt nach

Nach lautstarker öffentlicher Kritik droht der Chef der Essener Tafel mit seinem Rücktritt. Seinem Beschluss, keine ausländischen Bedürftigen mehr aufzunehmen, war ein Graffiti-Anschlag auf Gebäude und Fahrzeuge gefolgt.

Graffiti-Schmierereien am Gebäude der Tafel in Essen

"Fuck Nazis": Graffiti-Schmierereien am Gebäude der Tafel in Essen

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Der Aufruhr war groß, als die Essener Tafel vermeldete, keine ausländischen Bedürftigen mehr anzunehmen. "Wenn wir hier um 9 Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die seit 7 Uhr da steht, weggeschubst", sagte Tafel-Chef Jörg Sartor der ARD. Aber für einige Undankbare unzählige andere grundlos mit ausschließen, allein wegen ihrer Nationalität? Dieser Gedanke missfiel vielen und widerstrebt auch dem Prinzip der Tafeln.

Das machte auch der Bundesverband der Tafeln schnell deutlich. "Den Essener Weg können wir so nicht nachvollziehen", sagte der Vorsitzende des Dachverbands, Jochen Brühl, der DPA. "Für Tafeln zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft."

Jörg Sartor, 61, Chef der Essener Tafel

Jörg Sartor, 61, Chef der Essener Tafel

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Graffiti-Attacke als Reaktion

Wie wütend der Vorstoß der Essener Tafel einige gemacht hat, zeigt eine platte und unangebrachte Aktion am Wochenende: In der Nacht auf Sonntag hatten Unbekannte die Türen des Gebäudes mit Parolen wie "Nazis" oder "Fuck Nazis" besprüht, außerdem sechs Fahrzeuge der Tafel beschmiert. Ein ernsthafter Diskurs sieht anders aus. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln.

Die Graffiti-Attacke sowie der große öffentliche Aufruhr setzen Tafel-Chef Sartor sehr zu. Der 61-Jährige soll mit seinem Rücktritt gedroht haben, auch um die 120 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Essener Tafel vor weiterem Ärger zu schützen.

Zurückrudern will er aber nicht. Auch die Schmierereien an Gebäude und Fahrzeugen will er vorerst nicht entfernen, um auf den Konflikt aufmerksam zu machen. Er kritisierte zudem deutlich alle Kommentare von Seiten der Politik und forderte dazu auf, sich selbst ein Bild von den aktuellen Zuständen zu verschaffen.

wt