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RKI-Entscheidung Schlecht erklärt und "wenig nachvollziehbar": Söder kritisiert Kürzung des Genesenenstatus

CSU-Chef Markus Söder mit ernstem Gesicht
Hält die Verkürzung des Genesenenstatus durch das RKI für schlecht erklärt und wenig nachvollziehbar: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
© Peter Kneffel / DPA
Die Kürzung des Genesenenstatus durch das Robert-Koch-Institut hat nicht nur viele Bürger:innen irritiert, sondern auch die Politik. Bayerns Regierungschef Markus Söder kritisiert im ZDF die Entscheidung als "nicht nachvollziehbar".

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in dieser Woche den Genesenenstatus nach einer überstandenen Corona-Infektion von sechs auf drei Monate verkürzt. Das hat nicht nur viele Bürger:innen irritiert, sondern auch die Landesregierungen. "Es hat uns alle überrascht", kommentierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" die Entscheidung. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) pflichtete ihm bei.

Markus Söder: Entscheidung stellt Genesene vor völlig neue Situation

Söder nannte die RKI-Entscheidung "ein bisschen unglücklich und wenig nachvollziehbar". Vor allem an einer schlüssigen Begründung habe es gehapert. "Tatsächlich stellt es viele Genesene vor eine völlig neuen Situation", so Söder. Der CSU-Chef mutmaßte, dass ein Motiv der Entscheidung gewesen sei, "dass sich alle nochmal boostern lassen". Das aber hätte man erklären müssen, kritisierte Söder. "So schien es vielen als nicht gerechtfertigt." Giffey richtete den Blick nach vorne. "Es ist nun so", sagte die neue Berliner Regierungschefin. Es sei nun wichtig, den Fokus auf die dritte Impfung zu legen.

Verkürzter Genesenenstatus wissenschaftlich umstritten

Dass die Booster-Kampagne durch die Verkürzung des Genesenenstatus' "nochmal stimuliert" werde, nannte der Infektiologe am Klinikum Schwabing, Clemens Wendtner, in derselben Sendung einen "guten Nebeneffekt". Grundlage der RKI-Entscheidung sei aber, dass sich Delta-Genesene schon nach drei Monaten mit Omikron anstecken und Omikron-Genesene in ebenso kurzer Zeit mit einer anderen Corona-Variante anstecken könnte, erläuterte der Münchner Chefarzt. Auch der Mediziner kritisierte das Vorgehen des RKI. Die Entscheidung sei sehr schnell gefallen und "die Kommunikation nicht ganz glücklich gelaufen".

Die Entscheidung des RKI hatte für Verärgerung gesorgt, da der Genesenenstatus de facto nun nur noch zwei Monate gilt, da der Status formal ohnehin erst 28 Tage nach Abnahme eines positiven PCR-Tests offiziell bescheinigt wird. Nachweise von Anfang Oktober sind damit inzwischen unvermittelt abgelaufen. Wissenschaftlich gilt die Entscheidung als umstritten. Der Virologe Hendrik Streeck, Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung, kritisierte in der Zeitung "Die Welt": "In der Schweiz wurde der Genesenen-Status jüngst aus guten Gründen auf zwölf Monate verlängert. Dass eben jener Status in Deutschland auf drei Monate verkürzt wird, ist aus meiner wissenschaftlichen Erkenntnis nicht erklärbar." Der Düsseldorfer Immunologe Jörg Timm erläuterte dem Bayerischen Rundfunk, dass die Schutzwirkung einer bereits durchgemachten Infektion (ebenso einer Impfung) bei Omikron deutlich reduziert sei, da sich die Antikörper bei der neuen Variante nicht so gut an das Virus binden.

dho / ZDF / BR24

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