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Landgericht Stuttgart Mann mit Samurai-Schwert getötet: Mutmaßlicher Mörder schweigt mit Mundschutz im Gerichtssaal

Der Angeklagte betritt in Handschellen, mit einem blauen T-Shirt und Mundschutz den Gerichtssaal
Mit T-Shirt auf dem Kopf und einem Mundschutz erschien der Angeklagte am Freitag am Landgericht Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen Mordes angeklagt.
© Marijan Murat / DPA
Wegen Mordes steht seit Freitag ein Mann vor Gericht, der seinen früheren Mitbewohner im Sommer 2019 vor den Augen der Tochter mit einem Samuraischwert erstochen haben soll. Zum Prozessauftakt trug der Angeklagte wegen umfassender Corona-Auflagen einen Mundschutz.

Flatterband im Gerichtssaal, strenge Abstandsregeln in den Sitzreihen und ein vermummter Angeklagter mit Mundschutz: Im Prozess um einen mutmaßlichen Mord mit einem Samuraischwert verhandelt das Stuttgarter Landgericht unter dem Eindruck der Corona-Krise über eine aufsehenerregende Bluttat. Der angeklagte 31-Jährige soll seinen früheren Mitbewohner auf offener Straße mit einem Samuraischwert getötet haben. Zeugen hatten den Gewaltexzess im vergangenen Sommer mit Handykameras aufgenommen, schnell fanden die Filme den Weg ins Internet.

Der Angeklagte lässt am Freitag seinen Dolmetscher erklären, dass er keine Angaben zur Tat machen werde. Lange dauert der erste Prozesstag aber nicht: Nach wenigen Minuten wird die Verhandlung wegen eines Befangenheitsantrags der Verteidiger gegen den vom Gericht beauftragten psychologischen Gutachter vertagt. Bis zum 6. Mai will die Schwurgerichtskammer entscheiden, wie es weitergeht.

"Mit voller Wucht" zugestochen

Der Mann, der schweigend und mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank sitzt, hatte sein Opfer an einem frühen Abend im vergangenen Sommer vor dessen Haustür abgepasst und das Schwert gezogen. Vor den Augen der elfjährigen Tochter des Mannes setzte er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die ersten Stiche, bevor er seinen fliehenden Ex-Mitbewohner bis auf die Straße verfolgte. "Mit voller Wucht" und "fortwährend" habe er mit der 73 Zentimeter langen Waffe auf den 36-Jährigen eingestochen, bis er den sterbenden Mann zurückließ und die Flucht ergriff, heißt es in der Anklageschrift. Wenige Stunden nach der Tat hatte ihn die Polizei festgenommen. 

Der nun umstrittene Gutachter spielt eine tragende Rolle im Verfahren. Er soll den Prozess verfolgen und sich ein Bild unter anderem von der Schuldfähigkeit des angeklagten mutmaßlichen Mörders machen. Der Sachverständige hatte bereits ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten übersandt. Allerdings hatte er den Angeklagten auch noch aufgesucht, nachdem dieser bereits die weitere Zusammenarbeit verweigert hatte. Der Gutachter hat damit das "Schweigerecht untergraben", behaupten die Verteidiger. Ein "schwerwiegender Vorwurf" sei das, sagte der Vorsitzende Richter, der mit seiner Kammer nach der bisherigen Planung Ende Mai ein Urteil sprechen will.

Beweislage scheint eindeutig, Motiv noch unklar

Die Beweise gegen den angeklagten Mann scheinen wegen der Videoaufnahmen und der öffentlichen Tat mitten in einem Hochhausviertel eindeutig. Weniger bekannt ist dagegen, warum sich der Asylbewerber Ende Juli vergangenen Jahres für die Attacke entschieden hatte. "In der Gesamtschau der Ermittlungsergebnisse dürfte das Motiv am ehesten im zwischenmenschlichen Bereich zu suchen sein", hatte die Staatsanwaltschaft zuletzt mitgeteilt. Auch die Kriminalpolizei hatte einen persönlichen Grund zwischen den beiden Männern als Auslöser gesehen. Sie hätten sich schon früher häufiger gestritten. 

Laut Staatsanwaltschaft war der Jordanier am 1. Juni 2018 nach Stuttgart gezogen. Bis Ende April 2019 lebte er etwa ein Jahr lang in einer Wohnung gemeinsam mit dem späteren Opfer. Zur Tatzeit soll er sich aber hauptsächlich in einer Gemeinschaftsunterkunft im Raum Ludwigsburg aufgehalten haben.

js / Felix Schröder und Martin Oversohl DPA

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