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Designhotels: Schöner wohnen in fremden Betten

Wenn die Herbstdepression droht, ist es Zeit für einen Tapetenwechsel. Der stern schlägt dafür zwölf Designhotels zwischen Helsinki und Barcelona vor.

Wer es mal avantgardistisch, plüschig oder komplett gegen den Strich gebürstet mag, liegt hier richtig. Und die Unterkunft muss nicht teuer sein.

Eine Nacht im Goldmann 25 Hours in Frankfurt beginnt bei 95 Euro pro Doppelzimmer. Selbst in Barcelona ist eine geschmackvolle Unterkunft schon ab 100 Euro zu haben. Das Blakes Hotel im teuren London schlägt dagegen mit 340 Euro zu Buche.

Vigilius Mountain Resort, Südtirol

Das Vigilius ist ein Kunstwerk. Wie ein vom Sturm entwurzelter Baum ruht es zwischen alten Lärchen. Es gibt nur zwei Wege hinauf: einen dreistündigen Fußmarsch durch die Bergwälder Südtirols oder die siebenminütige Fahrt mit der klappernden Seilbahn, gebaut 1912. Entworfen hat das Vigilius Matteo Thun. Der Spross eines Adelsgeschlechts ist Mitbegründer der legendären Designergruppe Memphis und ehemaliger Creative Director des Uhrenherstellers Swatch. Der puristische Bau hat fünf Sterne und liegt unterhalb des Vigiljoches, das zur Ortlergruppe gehört. Fernseher gibt es auf den Zimmern nicht, dafür CD-Spieler. Nachmittags wird Tee gereicht, abends brennt ein Feuer im Kamin. Hier oben, 1500 Meter über dem Alltag, ist es still. Irritierend still. Nur das leise knackende Holz durchbricht manchmal die Ruhe.
Alexandra Kraft

Vigilius Mountain Resort, Lana, Südtirol; Tel.: 0039/0473/55 66 00, DZ/F inklusive Seilbahn und Wellness ab 320 Euro, www.vigilius.it

Side Hotel, Hamburg

Wer das Side Hotel betritt - die riesigen, gläsernen Türen öffnen sich lautlos und automatisch -, steht in einer knapp 30 Meter hohen Eingangshalle. Nicht nur die Rezeption schrumpft angesichts solcher Dimensionen auf Puppenstubenniveau. Auch der Gast scheint schlagartig an Vo­lumen zu verlieren. Hilfe! Das Bedürfnis nach Geborgenheit wird erst wieder nach Betreten der Suite im zehnten Stock befriedigt. Alltagssorgen und andere Unannehmlichkeiten sind augenblicklich verschwunden. Diese Klarheit. Diese Harmonie. Das sanfte Licht, die weißen Möbel, weiche Kaschmirdecken. Und im Bad eine wahnsinnig pinkfarbene Badewanne. Auch wenn das Leck in der Brieftasche später erst mal wieder gestopft werden muss - ein Ausflug in die Welt der Luxushotels ist immer auch ein Traum. Und dabei so angenehm real.
Birgit Knop

Side, Drehbahn 49, Hamburg, Tel.: 040/30 99 90, DZ ab 165 Euro, www.side-hamburg.de

25 Hours, Frankfurt

Das neue "25 Hours by Levi's" in Frankfurt ist zeitlos und vertraut wie eine gut eingetragene Bluejeans. Das Hotel liegt in der Nähe der Deutschlandzentrale des Jeans-Designers Levi Strauss. Davon inspiriert, haben der Bildhauer Michael Dreher und die Malerin Delphine Buhro im Inneren dieses Hotels eine Hommage an sechs Dekaden amerikanischer Mode, Design und Musik geschaffen. In den 76 Zimmern treffen weiche Stoffe auf raues Leder und glänzendes Kupfer. Und es gibt ungefähr so viele Blautöne wie Nieten an einer Jeans. Man schläft in kobalt-, azur-, ultramarin-, indigo- und coelinblauen Räumen. Wie auch schon in dem anderen Frankfurter 25 Hours und dem 25 Hours in Hamburg ist jedes Zimmer ein Unikat - und jedes erzählt eine kleine Geschichte. Für das Goldman 25 Hours gibt es die sogar zum Nachlesen in einem aufwendig bebilderten Märchenbuch von Thorben Leo und Angelika Zinzow: "Tausend tolle Sachen - das fabelhafte Hotel Goldman", Edition Braus, 39,90 Euro.
Stéphanie Souron

25 Hours Hotel tailored by Levi's, Frankfurt am Main, Niddastraße 58, Tel.: 069/256 67 70, DZ ab 100 Euro, www.25hours-hotels.de
Goldman 25 Hours, Frankfurt am Main, Hanauer Landstraße 127, Tel.: 069/40 58 68 90, DZ ab 90 Euro 25 Hours Hotel, Hamburg, Paul-Dessau-Straße 2, Tel.: 040/85 50 70, DZ ab 105 Euro

Q!, Berlin

Lassen Sie sich bloß nicht vom Äußeren des Hauses abschrecken, das ist unscheinbar und ganz ohne Hotelschild. Aber schon im Foyer fühlt man sich geborgen wie im Mutterleib: Ein Kaminfeuer prasselt, rotes Linoleum zieht sich über Boden und Wände, bildet Kurven und Höhlen und sieht so edel aus wie ein samtener Teppich. Brad Pitts Lieblingsarchitekten Graft haben dieses Hotel designt: sehr elegant, mit dunklen Hölzern, geschwungenen Wänden und fließenden Formen. Die Zimmer sind wohlige Wohnlandschaften, Bett und Badewanne aus einem Guss, ganz ohne Trennwand, die Schränke eingebaut, überall gibt's hübsche kleine Kuhlen zum Verstauen von Handtüchern oder Föhn. In der Sauna lädt weißer Sand zum Räkeln, angewärmt natürlich, sodass man sich fühlt wie in der Südsee. Aus dem Q! will man nie wieder raus. Klar, dass auch Brad Pitt und Angelina Jolie schon eine Nacht hier verbracht haben.
Anja Lösel

Q!, Knesebeckstraße 67, Berlin, DZ ab 129 Euro, Tel.: 030/810.06 60, www.loock-hotels.com

Hotel Banys Orientals, Barcelona

Mitten in der katalanischen Metropole, nahe der gotischen Kirche Santa Maria del Mar, liegt das Hotel Banys Orientals. Um einen Innenhof gruppieren sich 43 Zimmer auf vier Etagen. Für Barcelona absolut ungewöhnlich: Es ist ruhig und hell hier. Gefrühstückt wird im Restaurant Senyor Parellada, das zum Haus gehört und hervorragende katalanische Bauernküche anbietet. Vor drei Jahren wurde das Hotel um einige Suiten erweitert. Die hohen Zimmer, zum Teil mit Galerie, sind in zwei benachbarten Gebäuden untergebracht - ideal für Familien!
Till Bartels

Hotel Banys Orientals, Argenteria 37, Barcelona, Tel.: 0034/932 68 84 60, DZ ab 100 Euro, www.hotelbanysorientals.com

Blakes Hotel, London

Überall im Blakes stapeln sich Kissen. Kissen aus scharlachrotem Satin, ebenholzschwarzem Brokat, königsblauer Seide und champagnerfarbenem Leinen. Jede der 40 Suiten hat von der Gründerin und Stylistin Anouska Hempel eine eigene Farbpalette zugeordnet bekommen - und ein eigenes Jahrhundert. Das Design verändert sich von Zimmer zu Zimmer. Von schwarzgoldener ägyptischer Dekadenz über edwardianische bräunlich-blaue Strenge bis zu postmodernem weißem Minimalismus. Die Berühmtheiten, die hier regelmäßig anzutreffen sind - zum Beispiel Kylie Minogue, Orlando Bloom, Quentin Tarantino, Kate Moss und David Beckham -, kommen aber auch aus einem anderen Grund: Das Hotel rühmt sich damit, die Privatsphäre eines jeden Gastes vor den Paparazzi schützen zu können.
Cornelia Fuchs

Blakes Hotel, 33 Roland Gardens, London, Tel.: 0044/20 73 70 67 01, DZ ab 340 Euro, www.blakeshotels.com

Kube, Paris

Auf den Böden PVC-Teppiche, an den Wänden Glasbausteine und Vorhänge aus flauschigem Acryl. Die Toiletten sind gestylt wie die WCs in einer alten Boeing. Eigentlich kein Hotel, sondern ein wohl beschallter Lounge-Club, der für Gäste, die etwas länger bleiben wollen, Room- Service anbietet - 41 Zimmer in einer retrofuturistisch hergerichteten Exbrauerei, praktisch, quadratisch, mit Flachbildschirmen und schnellstmöglichen Internetanschlüssen ausgestattet. Der Clou ist die Icebar im zweiten Stock, wo der Gast bei Minusgraden, in einen dicken Anorak verpackt, ungestört Wodka bechern kann.
Tilman Müller

Kube, 1-5 Passage Ruelle, Paris, Tel.: 0033/142 05 20.00, DZ ab 300 Euro, www.kubehotel.com

Klaus K, Helsinki

Wer hier wohnt, taucht ein in finnische Sagen und Mythen. K bedeutet nämlich Kalevala. Aus dem finnischen Nationalepos stammen viele Details und Einrichtungsideen des Hotels Klaus K. Über der Bar hängt eins der sieben Eier, aus denen der Sage nach Himmel und Erde, Sonne und Sterne entstanden sind. Auch der Empfangstresen erinnert an ein Ei. Am Boden glimmt das Feuer, in dem der magische Gegenstand Sampo geschmiedet wurde. Und im Restaurant Ilmatar, benannt nach der Göttin der Lüfte, kann man einen riesigen, gemalten Hecht bewundern, während man zum Frühstück marinierte Fische und Rentierschinken verspeist. Die gemütlichen Zimmer haben Namen wie "Leidenschaft" oder "Sehnsucht". Und weil das Hotel auch noch mitten in Helsinkis Designviertel und nur ein paar Schritte von der Einkaufsstraße Esplanadi entfernt liegt, ist es erste Wahl für alle, die gern schöner wohnen.
Anja Lösel

Klaus K, Bulevardi 2, Helsinki DZ/F ab 210 Euro, Tel.: 00358/207 70 47 00, www.klauskhotel.com

Hollmann Beletage, Wien

Hinter der historischen Fassade offenbart die Pension Hollmann Beletage legendäre Wiener Gemütlichkeit. Wer hier wohnt, taucht ab in eine Melange aus Altwiener Lebensart, wohltuender Ruhe und modernem Design. Mit einer satten Portion Schmäh präsentiert Hotelier Robert Hollmann, von Beruf auch Schauspieler und Koch, wienerisch morbide und architektonisch raffinierte Details. Während neben der Rezeption Quellwasser einen rostigen Brunnen speist, entpuppen sich die Zimmer als designte Wunderkammern. So sind die Bäder in Wandschränken versteckt, werden im Handumdrehen Bestandteil des Schlafbereichs und verschwinden ebenso schnell wieder hinter eleganten Holzfassaden. Die Pension unweit des Stephansdoms ist so erfolgreich, dass Architekt Christian Prasser sie ständig erweitern muss. Früh buchen!
Martin Hablesreiter

Hollmann Beletage, Köllnerhofgasse 6, Wien, Tel.: 0043/19 61 19 60; DZ/F ab 150 Euro, www.hollmann-beletage.at

Lloyd Hotel, Amsterdam

Man tritt in das enge, mit abgetretenen Fliesen gekachelte Foyer des Lloyd Hotels und ahnt: Diese Unterkunft wird überraschen. Der wuchtig graue Backsteinbau in Amsterdams Docklands hat in seiner 87- jährigen Geschichte viel beherbergt: Schlafsäle für osteuropäische Migranten, Zellen für Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg, ein Jugendgefängnis und heute ein Hotel. 1-Stern-Kammern mit Gemeinschaftsdusche liegen neben 5-Sterne-Suiten mit verspielten Extras. Jeder Raum ist Unikat und Gesamtkunstwerk - das Lloyd mag das einzige Hotel sein, das einen künstlerischen Direktor beschäftigt. Fast 50 niederländische Designer haben an dem Haus mitgewirkt. Und wer sich morgens in einer der knallig bemalten Badezellen von Joep van Lieshout die Zähne putzt, wird garantiert ganz schnell wach.
Ute Eberle

Lloyd Hotel, Oostelijke Handelskade 34, Amsterdam, Tel.: 0031/205 61 36 04, DZ ab 110 Euro, www.lloydhotel.com

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