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Last-Minute-Geschenke: Luftbrücke zum Gabentisch

Weihnachtsgeschenke am Flughafen zu kaufen ist eigentlich witzlos: Zu verwechselbar ist das Angebot der ewig gleichen Airportläden. Es sei denn, man weiß, wo man hinmuss.

Von Hanna Klimpe

Zeitverschiebung, Langstreckenflug: Und schon ist der 23. Dezember, ohne dass man ein einziges Geschenk besorgt hätte. Die letzte Chance liegt oft in der Shoppingzone des Flughafens, durch den man halt gerade geschleust wird. Blöderweise gibt es dort meist nur Parfümerieketten, Souvenirshops und Krawattengeschäfte - wer sich hier mit Geschenken eindeckt, wird Heiligabend zu Recht als liebloser Last-Minute-Präsent-Zusammenraffer auffallen. Will man wirklich im Terminal shoppen, muss man die versteckten Juwelen unter den Airportläden kennen. Und sich ein Sprüchlein für den Gabentisch überlegen - damit die anderen denken, man hätte sich tatsächlich Gedanken gemacht.

Flughafen Frankfurt: Shanghai Tang

Klar, so eine Bree-Tasche sieht gut aus, und mit Mode ist man immer auf der richtigen Seite. Aber das Klamottenangebot am Flughafen ist im Regelfall so originell wie das im Kaufhof von Castrop-Rauxel. Eine absolute Ausnahme stellt das Hongkong-Label Shanghai Tang dar, das erst im April seinen ersten Store in Deutschland überhaupt eröffnet hat - im Terminal 1, Abschnitt B des Frankfurter Flughafens. Die Kollektion des bisher einzigen chinesischen Luxuslabels umfasst Damen- und Herrenmode, aber auch Wohnaccessoires wie Teeservice oder Bilderrahmen. In dieser Saison kombiniert Chefdesigner Joseph Li traditionelle Kalligrafie-Elemente mit Bauhaus-Stil: Heraus kommen minimalistische Clutch-Bags (232 Euro) , Poloshirts mit Mandarin-Kragen (80 Euro) oder Kaschmirmäntel (950 Euro) , mit denen man auch als Mann ohne modisches Feingefühl nichts falsch machen kann. Und das erzählen Sie am Gabentisch: "Ich wollte dir mal was Exotisches von meinen Geschäftsreisen mitbringen, was jenseits von Folklorekitsch liegt."

Flughafen Köln-Bonn: Pro-Idee

Das Aachener Unternehmen Pro-Idee macht seit 1985 durch Kataloge auf sich aufmerksam, die noch jede ins Stocken geratene Party gerettet haben. Man erfreut sich an kuriosen Produkten wie dem "Bananabunker" - einer Tupperdose in Bananenform - und an den bezaubernden Warenbeschreibungen: "Weil die Luft zirkulieren kann, bleibt Ihr Pausenobst über Stunden appetitlich frisch." Das Angebot von Pro-Idee umfasst nicht nur Produkte der Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht", sondern auch original Immendorf-Linolschnitte, Roederer-Champagner oder Kenzo-Taschen. Aber um ehrlich zu sein: Den Charme dieses Anbieters machen die Quatschartikel aus. Seit 2001 gibt es einen Pro-Idee-Shop am Flughafen Düsseldorf (Airport-Arkaden, Terminal B, Ring 1), seit 2008 auch im Flughafen Köln (Terminal 1). Dort bekommt man unter anderem den sogenannten Kamera-Pen für 59,90 Euro: Das ist ein Kuli mit eingebauter 1,3-Megapixel-Kamera, "zur Beweissicherung oder als Gedächtnisstütze beim Meeting". Oder halt alternativ den Bananabunker. Und das erzählen Sie am Gabentisch: "Das ist noch ausbaufähig! Nächstes Mal bekommst du ein Superheldenkostüm und einen Spionagekoffer!"

Flughafen Düsseldorf: United Labels

Willkommen bei Alice im Wunderland! Im United-Labels-Shop in der sogenannten "Airlebniswelt" am Düsseldorfer Flughafen springen dem Besucher sämtliche Fantasiegestalten entgegen, die Disney und Warner in den letzten Jahren in die Köpfe unserer Kinder gesetzt haben. Fernsehhelden wie Spongebob-Schwammkopf oder das Teenie-Soap-Phänomen Hannah Montana gibt es bei United Labels gedruckt auf Tassen, T-Shirts oder Taschen; sie grinsen aber auch als Kunstharzfiguren oder als bis zu 1,30 Meter große Plüschfiguren von den Regalen. Rund 2000 solcher Produkte hat United Labels im Sortiment, sie kosten zwischen 5 Euro und 250 Euro. Wer sich in der Welt der quietschbunten Kulleraugen nur leidlich auskennt: Seit vergangener Woche läuft in Deutschland der neueste Disney-Film "Küss den Frosch", und auch dazu gibt's bei United Labels die entsprechenden Devotionalien. Und das erzählen Sie am Gabentisch: "Die habe ich extra aus Amerika importiert, da ist das gerade total angesagt - hier bekommt man so was noch gar nicht!"

Flughafen Berlin-Tegel: Askania

Mit dem Shop am "Boulevard Tegel" ist der Berliner Uhrenhersteller Askania sozusagen zu seinen Wurzeln zurückgekehrt - in den 20er-Jahren gab es praktisch kein Flugzeug ohne Askania-Bordinstrumente, und die robusten Armbanduhren gehörten bald zum typischen Pilotenoutfit. Nach wie vor handelt es sich um einen Klassiker, mit dem man zu Weihnachten Nostalgiker glücklich machen kann - die Schwiegereltern vielleicht. Die sollte man dann aber gern haben: Eine Askania-Uhr kostet zwischen 800 und 4500 Euro. Sollten Sie die angeheiratete Verwandtschaft am liebsten auf eine einsame Insel verbannen wollen, drückt eine Plastikuhr aus dem Kaugummiautomaten diese Tatsache vielleicht besser aus. Der Shop in Tegel ist übrigens die einzige Flughafenfiliale des Herstellers. Trotz Hinweis auf die Fliegertradition ist die Gefahr also relativ gering, die Uhr als Last-Minute-Geschenk entlarvt zu sehen Und das erzählen Sie am Gabentisch: "Ich bin im Sommer bei den Hackeschen Höfen zufällig auf diesen Traditionsuhrmacher gestoßen - und habe da schon gedacht, das wird das ideale Weihnachtsgeschenk."

FTD

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