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Reisetrends: Krisenherde lassen deutsche Urlauber nicht mehr kalt

Die Deutschen reisen wieder mehr. Aber fast jeder zweite Bundesbürger passt sein Reiseverhalten den Terror- und Reisewarnungen an, wie eine Umfrage der 27. Deutschen Tourismusanalyse ergab. Die deutsche Ostseeküste und Kroatien liegen im Trend.

Von Till Bartels

Die Deutschen sind reiseerfahren und wollen wissen, was sie für ihr Geld bekommen", sagt Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. Neben dem Blick auf ein gutes Preis-Leitungs-Verhältnis spielt allerdings der Sicherheitsaspekt bei der Wahl des Urlaubziels eine größere Rolle. Fast jeder zweite Bundesbürger passt sein Verhalten den Terror- und Reisewarnungen inzwischen an. Das ergab eine Umfrage im Rahmen der 27. Deutschen Tourismusanalyse, die am Mittwoch auf der Reisemesse in Hamburg vorgestellt wurde.

"Auch in Krisenzeiten wollen die Deutschen reisen"

Nur 13 Prozent der 4000 Befragten gaben an, sich von Krisen nicht beeinflussen zu lassen. Für 24 Prozent käme eine Änderung des Reiseziels infrage und 13 Prozent würden eine Stornierung der gebuchten Reise in Erwägung ziehen. Ein Drittel der Befragten erklärte, ohnehin nur in risikoarme Regionen wie zum Beispiel Deutschland zu reisen.

Damit habe sich die Einstellung der Deutschen im Vergleich zu früheren Krisen deutlich geändert, sagte Reinhardt, der das Urlaubsverhalten der Deutschen analysiert. Im Jahr des ersten Golfkriegs 1991 hatten noch 78 Prozent angegeben, ihre Urlaubspläne nicht zu ändern. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren es 67 Prozent. "Auch in Krisenzeiten wollen die Deutschen reisen", sagte Reinhardt. Die Tourismusbranche werde daher eher kurzfristige Schwankungen als Einbrüche erleben. Ob die Touristen schon in diesem Sommer Ägypten und Tunesien zurückkämen, sei aber fraglich.

Kroatien gehört zu den Gewinnern

Bei den Auslandsreisezielen blieb Spanien im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 12,9 Prozent der unangefochtene Spitzenreiter. Besonders die Balearen können sich 2011 erneut auf zahlreiche Besucher freuen. Die Spanier setzen auf Urlauber, die nordafrikanische Länder meiden. "Von der Krise in Tunesien und Ägypten profitieren die Kanaren", bestätigte Ana Christina Gozalo Ausín vom Spanischen Fremdenverkehrsamt auf der Reisemesse.

An zweiter Stelle der Beliebtheit bei Auslandszielen lagen 2010 Italien (6,7 Prozent) und die Türkei (6,6 Prozent) fast gleichauf - und noch vor Österreich (4,1 Prozent). Zu den Verlierern im letzten Jahr gehörte das von der Finanzkrise erschütterte Griechenland: Zehn Prozent weniger Deutsche reisten zu griechischen Inseln und Zielen auf dem Festland, so Reinhardt in seiner Studie.

Zu den Gewinnern der Reisesaison 2010 gehört Kroatien. Das Adrialand verdoppelte seinen Anteil von 1,7 Prozent im Vorjahr auf 3,3 Prozent. Besonders das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, die Gastfreundschaft und die Urlaubsgebiete entlang der Küste mit ihren tausend vorgelagerten Inseln begeisterten die deutschen Touristen. In den kommenden Jahren kann sich Kroatien zu einem echten Konkurrenten für die anderen Mittelmeerländer entwickeln. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Experten im "ITB World Travel Trends Report 2010/2011", der Kroatien zum vierterfolgreichsten touristischen Reiseziel der Welt im Jahr 2010 einstuft.

Deutschland ist das beliebteste Reiseland

In der abgelaufenen Reisesaison verbrachte mehr als jeder dritte Reisende (37 Prozent) seinen Urlaub zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen. Von den deutschen Bundesländern führt Bayern mit einem Anteil von 8,1 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 7,3 Prozent (+0,5 Punkte) die Rangliste. Aber Schleswig-Holstein hat deutlich zugelegt, insbesondere die Ostseeküste. Die ebenfalls am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden vorgelegten Übernachtungszahlen für 2010 belegen, wie beliebt das Reiseziel Deutschland geworden ist. Im letzten Jahr wurden 380,3 Millionen Gästeübernachtungen gezählt - so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. Besonders stark legte Deutschland bei Gästen aus dem Ausland zu: Mit einem Plus von zehn Prozent auf 60,3 Millionen Übernachtungen wurde eine historische Marke durchbrochen.

Für den Deutschlandtourismus blickt die Stiftung für Zukunftsfragen optimistisch auf die kommende Sommersaison: Von 100 Befragten planen 23,7 Prozent eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen Dauer in Deutschland. Ob der Urlaub in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg oder sonst einer Feriendestination in Deutschland verbracht wird, bleibt noch offen. Über ein Viertel der Befragten Deutschen ist noch unsicher, wohin die Reise 2011 geht.

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