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Abstürze der Boeing 737 MAX: Bitter für Boeing - jetzt ermittelt das FBI strafrechtlich gegen den Flugzeughersteller

Nach zwei Abstürzen der Boeing 737 MAX 8 bleibt es nicht nur beim Startverbot - trotz geplantem Software-Update. Das Zulassungsverfahren des Unglücksfliegers hat zudem das FBI auf den Plan gerufen.


Vor den Produktionshallen in Renton bei Seattle im US-Bundesstaat Washington geparkte Jets vom Typ Boeing 737 MAX

Vor den Produktionshallen in Renton bei Seattle im US-Bundesstaat Washington geparkte Jets vom Typ Boeing 737 MAX

Getty Images

Nach zwei Horror-Abstürzen der seit knapp zwei Jahren produzierten Boeing 737 Max 8 innerhalb von nur fünf Monaten und 346 Todesopfern gerät der Flugzeughersteller immer mehr in die Schusslinie. Durch einen ähnlichen Verlauf der beiden kurz nach dem Start abgestürzten Jets steht nicht nur die umstrittene Steuerungssoftware MCAS im Zentrum der Untersuchungen.

Auch der Zulassungsprozess dieses Maschinentyps wird jetzt hinterfragt. Bei der Boeing 737 MAX 8 handelt es sich nicht um ein von Grund auf neu entwickeltes Flugzeug, sondern um die jüngste Weiterentwicklung eines seit Jahrzehnten produzierten Passagierjets.

Normalerweise nimmt die Zertifizierung neuer Maschinen durch die Luftaufsichtsbehörden viele Monate und teilweise sogar Jahre in Anspruch. Im Falle der 737 MAX gab ein stark verkürztes Verfahren. Wurden dabei die massiven Änderungen der MAX-Baureihe wie die neuen Leap- Triebwerke, deren Aufhängung und die komplexere Software von der staatlichen Federal Aviation Association (FAA) unterschätzt?

In dieser Frage hat sich am Mittwoch nach einem Bericht der "Seattle Times" die Bundespolizei eingeschaltet: Das FBI soll die bereits laufende Untersuchung des Verkehrsministeriums unterstützen. Die Ermittlungen werden vom Verkehrsministerium durchgeführt und von der strafrechtlichen Abteilung des Justizministeriums überwacht.

FAA-Beamte kannten die neue Software nicht

Die US-Verkehrsministerin Elaine Chao, die sich nach dem jüngsten Flugzeugunglück auffallend zurückhielt, gab erst neun Tage der dem Absturz der Boeing von Ethiopian Airlines bekannt, dass ihr Ministerium überprüft, ob vor zwei Jahren bei der Sicherheits-Zertifizierung der neuen Boeing 737 MAX alles mit rechten Dingen zugegangen war.

Als problematisch erweist sich die Tatsache, dass die FAA in den letzten Jahren die Zertifizierungsrichtlinien geändert hat. Die Behörde soll Abnahmeprozesse mehr und mehr in die Hände der Hersteller verlagert haben. Eine unabhängige Risikoanalyse könnte dadurch nicht mehr gewährleistet sein, merken Kritiker an.

Schon vor dem ersten Absturz der Boeing 737 MAX 8 von Lion Air im Oktober bemängeln Piloten, dass die Unterschiede zwischen den älteren Versionen der Boeing und der 737 MAX viel größer seien. Eine Vorbereitung auf den neuen Typ mit "einer Stunde am iPad" würde nicht ausreichen. Boeing und Airlines hatten auf eine ausführliche Umschulung mit mehreren Stunden im Simulator aus Kostengründen verzichtet.

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 MAX bleiben am Boden

Alle 376 bisher ausgelieferten Boeing 737 MAX müssen vorerst am Boden bleiben. Wie lange das Startverbot gilt, bleibt offen und wird vom Ausgang der Ermittlungen abhängen. "Die 737 Max war eine der ersten kommerziellen Jets, die nach den neuen Regeln zugelassen wurde, wodurch Boeing mehr Befugnisse übertragen wurde, als dies bei den meisten früheren Flugzeugen der Fall war", schrieb die "New York Times" am Dienstag. "Das Softwaresystem hat während des Genehmigungsprozesses keine Warnungen ausgegeben. Hohe FAA-Beamte, die über bedeutende Sicherheitsfragen informiert waren, kannten das Softwaresystem nicht."

Quellen: "Seattle Times" und "New York Times"

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