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Meinung

Zynisch und ohne Reue: Jetzt äußert sich der Boeing-Boss zu den Abstürzen - und macht es nur noch schlimmer

Der Boeing-Chef hat sein Schweigen gebrochen: Mehr als eine Woche nach dem Ethiopian-Airlines-Absturz hat sich Dennis Muilenburg geäußert. Aber der offene Brief des Boeing-Bosses lässt viele Fragen offen.

Das Trümmerfeld in der Nähe von Addis Abeba: Hier stürzte am 10. März eine Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines ab. Am 18. März wandte sich Boeing-Chef Dennis Muilenburg mit einem Brief und einer Videobotschaft erstmals an die Öffentlichkeit.

Das Trümmerfeld in der Nähe von Addis Abeba: Hier stürzte am 10. März eine Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines ab. Am 18. März wandte sich Boeing-Chef Dennis Muilenburg mit einem Brief und einer Videobotschaft erstmals an die Öffentlichkeit.

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Darauf haben alle gewartet: die Angestellten von Airlines, die Mitarbeiter in den Boeing-Werken, alle Flugreisende, die Öffentlichkeit und besonders jene Menschen, die Angehörige bei einem der beiden Flugzeugabstürzen ums Leben kam. Worte jener Person, der einen der größten Wirtschaftskonzerne der USA führt: Dennis Muilenberg, der "Chairman, President und Chief Executive Officer" der Boeing Company, kurz: der Chef des Flugzeugbauers. Sein Unternehmen ist durch die zwei Totalverluste brandneuer Jets vom Typ Boeing 737 MAX 8 innerhalb von nur fünf Monaten in eine tiefe Krise geraten.

Nicht unmittelbar nach dem letzten Absturz am 10. März, erst am 18. März hat Dennis Muilenburg endlich Stellung bezogen. Vorher war er auf Tauchstation gegangen und soll nur mit dem US-Präsidenten Donald Trump telefoniert haben, um ein drohendes Grounding der neuen Boeing-Jets vom Typ MAX in den Vereinigten Staaten zu vermeiden.

Doch sein nun veröffentliches Statement – sechs Absätze auf einer DIN-A4-Seite  – dürfte gerade für die Menschen, die einen ihrer Liebsten durch die abgestürzten Flüge von Lion-Air und Ethiopian Airlines verloren haben, ein Schlag ins Gesicht sein.

Boeing-Chef Muilenburg findet die falschen Worte

"Wir wissen, dass Leben von der Arbeit abhängt, die wir machen, und unsere Teams nehmen diese Verantwortung täglich als tief empfundene Verpflichtung an", schreibt der Chef des Luft- und Raumfahrtriesen Boeing. Er spricht vom "tragischen Verlust" der Flüge mit den Nummern Flight ET302 und JT610. Er erwähnt dabei nicht den Verlust oder den Tod von 346 Menschen.

Ein Satz wie die "Sicherheit ist der Kern dessen, wofür wir bei Boeing stehen" dürfte in den Ohren der Hinterbliebenen eher zynisch klingen. Es fallen keine Worte der Entschuldigung, kein "sorry", keine Spur von Mitgefühl. Zwischen den Zeilen scheint eher seine Sorge um den bereits um zwölf Prozentpunkte eingebrochenen Aktienkurs und die drohende Stornierungen von Flugzeug-Aufträgen für die mehr als 5000 bestellten Exemplare der Boeing-MAX mitzuschwingen.

Durch gewisse Ähnlichkeiten der beiden Flugzeugkatastrophen – beide Jets stürzten mit hoher Geschwindigkeit fast senkrecht in den Boden beziehungsweise ins Meer –  ist das Vertrauen in diesen Flugzeugtyp enorm gestört.

Empathie ist für den Firmenchef demnach offenbar fehl am Platz. Denn sie könnte als ein Schuldeingeständnis gewertet werden. Schließlich geht es auch um Regressforderungen von Airlines, die ihre neuen Boeing-Jets auf vorerst unbestimmte Zeit am Boden lassen müssen, und von Opfern: Denn sollte sich das bei der Boeing 737 MAX neu eingeführte Maneuvering Characteristics Augmentation System, kurz MCAS genannt, als Ursache der Unglücke herausstellen, könnten Millionen-Zahlungen auf Boeing zukommen.

Neben den technischen Problemen bei der MAX-Serie hat Boeing mit dem Muilenburg-Brief nun ein weiteres: Neben technischen ist bei den Abstürzen auch menschliches Versagen mit im Spiel. Nicht im Cockpit, sondern in der Chefetage.

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