Hainan Aloha im chinesischen Hawaii


Kilometerlange Sandstrände und künstliche Sehenswürdigkeiten sollen Chinas tropisches Eiland Hainan zu einer Touristenhochburg machen. Vom westlichen Vorbild Hawaii trennen die Insel aber Welten.

Hawaii des Ostens wird die größte chinesische Insel im Reich der Mitte genannt. Hainan liegt auf dem gleichen Breitengrad wie der 50. Bundesstaat der USA. Die Insel, die mit rund 34.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Nordrhein-Westfalen ist, soll nach dem Wunsch der chinesischen Tourismusbehörden als Ferienparadies für Urlauber aus der ganzen Welt etabliert werden. Das Eiland im südchinesischen Meer bietet beste Voraussetzungen: kilometerlange Sandstrände, Palmenwälder, heiße Quellen, tropisches Klima und kaum Industrie.

"Wir bemühen uns, am schönsten, am größten und am stärksten zu werden", sagt Sanyas Bürgermeisterin Zheng Pei Qi über die touristische Entwicklung der Küstenstadt im Süden der Insel. Genau das könnte Hainan jedoch zum Verhängnis werden. Schon heute sind einige der schönsten Buchten bei Sanya von Hotels und Apartmenthochhäusern verbaut. Bislang kommen größtenteils Touristen vom chinesischen Festland, aus Japan, Südkorea und Russland nach Hainan. Ihnen scheint die touristische Vermarktung der Insel zu gefallen. Kaum einer, der nicht gleich ein "Hainan"-Hemd mit Palmenaufdruck und passender Bermuda kauft.

Ein Hotel reiht sich ans andere

An der Dadonghai Bay, nicht weit vom Stadtzentrum Sanyas entfernt, reiht sich ein Hotel an das nächste. Auch am 17 Kilometer langen weißen Bilderbuch-Sandstrand der Yalong Bay entstehen zurzeit mehrere Hotels. Wer dort baden möchte und kein ansässiger Hotelgast ist, muss Eintritt zahlen. Denn die Tourismusbehörde hat den Strand als Sehenswürdigkeit der höchsten Kategorie eingestuft. 4A verrät eine goldumrahmte Plakette am Tickethäuschen, das man auf dem Weg zum Meer passieren muss.

Viele der russischen Touristen, die zahlreich nach Sanya kommen, tummeln sich lieber an den Hotelpools. Ein paar Urlaubern vom chinesischen Festland scheint das Baden im Meer auch nicht zu behagen. Sie fotografieren sich lieber gegenseitig vor den Wellen. Kommt ihnen das Wasser zu nah, flüchten sie und lassen sogar die fürs Bild gemietete Riesenschildkröte im Sand zurück. Sie wird von ihrem Besitzer schnell wieder in einen Eimer gepackt, in dem sie die meiste Zeit dahinvegetiert.

Buddhistisches Disneyland

Einigen Makakenaffen auf der ufernahen Insel Nanwan geht es nicht besser. Angekettet müssen sie zur Belustigung der Besucher strammstehen. Einige chinesische Touristen amüsieren sich köstlich darüber. Die bittere Ironie eines Miniatur-Umerziehungslagers, in dem einige Affen eingesperrt sind und von einem großen Pappaffen in Polizeiuniform bewacht werden, scheint kaum jemand zu bemerken.

Und dann ist da noch das buddhistische Zentrum in Nanshan. In kleinen Golfwagen fahren die Gäste zwischen den Tempeln umher und schlürfen mit Blick auf eine riesige Buddha-Figur amerikanische Softdrinks. Die Statue sei sogar zwölf Meter höher als die Freiheitsstatue vor New York, betont ein lokaler Reiseführer stolz. Der ursprüngliche Plan, einen Aufzug zu bauen, mit dem Besucher zum Kopf der Figur hätten hochfahren können, sei aus Respekt vor den Gläubigen allerdings nicht realisiert worden, sagt er bedauernd. Dennoch wirkt das gesamte Gelände wie eine Mischung aus Filmkulisse und buddhistischem Disneyland.

Das wahre Leben spielt sich in schmalen Gassen ab

Um etwas vom "normalen" Leben fernab der 4A-Sehenswürdigkeiten mitzubekommen, lohnt sich ein Bummel durch Sanya. In den schmalen Gassen parallel zur Hauptstraße gibt es viele einfache Garküchen, Teegeschäfte und andere kleine Läden. Der Alltag findet auf der Straße statt - alte Männer sitzen auf kleinen Hockern und spielen Karten, ein Mann macht auf dem schmalen Sitz seines Motorrads ein Nickerchen, und zwei andere haben an einer Straßenecke eine provisorische Fahrradwerkstatt eingerichtet.

Viele Restaurants haben fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte auf der Speisekarte. Sie halten die Tiere in kleinen Aquarien und holen sie erst heraus, wenn in der Küche eine Bestellung eingegangen ist. Garküchen und Stände verkaufen gedämpfte und gebratene Dim Sums. Die kleinen Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen sind lecker, machen satt und kosten umgerechnet nur ein paar Cent.

Tanzen unter Militäraufsicht

Abends übernimmt die Jugend die Stadt. In zahlreichen Clubs und Bars singen sie Karaoke, trinken Bier und tanzen exzessiv. Die jungen Chinesen werfen zu Technomusik die Arme in die Luft, schwingen die Hüften und sind ausgelassen fröhlich. Das alles geschieht unter den Blicken von zwei bis drei bewaffneten Soldaten, die in jedem Club darüber wachen, dass die Jugendlichen nicht zu weit gehen. So wird Besuchern noch einmal besonders der Unterschied zum "Hawaii des Westens" deutlich.

Judith Csaba/DDP DDP

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