Kenias Küste Auf Augenhöhe mit Antilopen

Strand, Safari, Steppe: Kenia ist das perfekte Urlaubsziel für alle, die sich nicht festlegen möchten. Denn das ostafrikanische Land bietet von allem etwas und ist spannend wie kein zweites.
Von Gesine Unverzagt

Es ist früh am Morgen, als der Flieger in Mombasa landet. Müde schleppe ich mich durch die Einreisekontrollen und werde jäh ins Diesseits geholt, als vor mir ein großer, breiter Mann mit einem strahlenden Lächeln steht. "Jambo, ich bin Chombah und Ihr Guide während Ihres Aufenthaltes hier an der Küste Kenias." Mein Koffer wird verstaut und los geht’s Richtung Süden. Dass die Stadt Mombasa eine Insel ist, merke ich an der Fähre, einem rostigen, klapprigen Gestell, das Lkws, Pkws und wie mir scheint Millionen von Fußgängern zum und vom Festland transportiert. Aus allen Ecken strömen die Menschen herbei, um mit der Fähre zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Rushhour in Afrika. Auf dem Festland geht die Fahrt vorbei an herbeiströmenden Menschenmassen, an einfachen Garküchen, an Müll, alten Reifenteilen und einfachen Hütten. Dann wird es grün, Palmen wiegen sich im Wind, Bananenplantagen und riesige Mangobäume säumen den Weg, die Wellblechhütten werden abgelöst von runden Lehmhütten im Rot der Erde. Vor den Hütten hängen bunte Kangas zum Trocknen, es sind die Wickelkleider der Frauen. Überall wuseln Kinder.

Nach über einer Stunde Fahrt ist die Ankunft im Neptune Palm Beach Ressort beeindruckend. In einem tropischen Garten zwischen Palmen und Franchipanibäumen stehen die Bungalows. In der Mitte befindet sich ein riesiger Pool mit einer Poolbar, daneben das Openair-Restaurant, wo das Frühstücksbuffet aufgebaut ist. Der Garten öffnet sich zum Strand mit traumhaft weißem Sand. Im Schatten auf einer Liege im Garten versuche ich den verlorenen Schlaf nachzuholen, gestreichelt vom warmen Luftzug. Dann ein Schrei, einer Frau ist das Obst von einem Affen aus der Hand gerissen worden. "Das kommt davon, dass die Gäste die Affen ständig füttern. Man wird sie dann nicht mehr los, sie werden immer dreister. Überall stehen Warnschilder. Die Leute finden die flinken Tiere niedlich und können sich nicht vorstellen, dass sie auch aggressiv werden können," knurrt Chombah.

Unberührte Natur und historische Sehenswürdigkeiten

Nach einem erholsamen Eingewöhnungstag steht ein Segeltörn mit einer Dhau auf dem Programm. Mit dem Auto fahren wir südlich Richtung Tansania bis Shimoni, wo ein traditionelles Holzboot auf uns wartet. Bevor es an Bord geht, möchte Chombah uns die Sklavenhöhle zeigen. Auf steilen Stufen geht es tief hinab in eine von Fledermäusen bewohnte Höhle. Chombah zeigt auf einen dicken Eisenring an der Höhlenwand: "An diesen Ringen wurden die Sklaven festgekettet, bevor sie nach Arabien verschifft wurden. Wenn Hochwasser kam, stieg das Wasser in der Höhle und die angeketteten Sklaven ertranken jämmerlich."

Heute dienen die Dhaus den Touristen als Ausflugsboot. Der Tag auf dem Wasser ist herrlich. Beim Kisite Marine Park legen wir einen Schnorchelstopp ein, um die Vielfalt der Unterwasserwelt zu betrachten. Auf Wasini Island besuchen wir ein Restaurant, wo typische Fischgerichte angeboten werden. Nach dem köstlichen Mahl lockt ein natürlicher Swimmingpool unter einem uralten Baobab-Baum zum erfrischenden Bad.

Mombasa erscheint auf den ersten Blick durch den Dreck, die Hitze und die überfüllten Straßen uninteressant. Wer jedoch genauer hinschaut, findet kleine Oasen, wie die Akanda Handicraft Coop. Das Volk der Akanda sind begnadete Schnitzer. Zu der Schnitzerwerkstadt gehört ein Laden, wo die Holzschnitzereien zum Verkauf angeboten werden. Einen Besuch wert ist die Altstadt mit Häusern in arabischem Stil mit Holzbalkonen und prächtigen Holztüren. Dort befindet sich auch Fort Jesus, eine Festungsanlage am Meer mit gewaltigen Mauern, die im 16. Jahrhundert von den Portugiesen erbaut wurde. Ein besonderes Erlebnis ist die "Sound & Light Show" zur Geschichte der Stadt, die dort am Abend veranstaltet wird und das anschließende Candle-Light-Dinner im Innenhof. Eine weitere historische Sehenswürdigkeit sind die Ruinen von Gedi bei Malindi. Im dichten Wald mit uralten Baobab-Bäumen stehen die Ruinen eines ehemals prächtigen Palastes und einer arabisch-afrikanischen Stadt.

Keine Kenia-Reise ohne Safari

Was wäre eine Reise nach Kenia ohne eine Safari! Nur 30 km von Mombasa entfernt befindet sich das Shimba Hills National Reserve. Wer jedoch eintauchen möchte in die Natur der Nationalparks, muss 100 km zum Tsavo-Ost Nationalpark fahren. Getrennt werden die beiden Nationalparks Tsavo-West und Tsavo-Ost von der Hauptsraße Mombasa - Nairobi. Attraktion sind hier die "roten Elefanten", die sich zum Schutz vor Sonne und Insekten mit der roten Lateriterde einsprühen. Die Fahrt ab Mombasa ist anfänglich sehr mühsam, denn die Straße, einzige Verbindung vom Meer ins Inland bis nach Uganda und einziger Transportweg für Güter ins Innere Afrikas, ist kaum Straße zu nennen. Riesige Schlaglöcher sind zu umfahren, halbfertige Straßenabschnitte sorgen für rote Staubwolken.

Kaum haben wir die Pforten des Nationalparks passiert, werden wir belohnt: Zwei rote Hügel sind am Horizont zu entdecken, die ersten Elefanten in freier Wildbahn! Und es sollen nicht die einzigen bleiben. Immer wieder tauchen sie auf, meist in Herden. Die weite Savannenlandschaft ist grandios - sanfte Hügel, rote Erde, grüne Akazien und die sich auftürmenden Schlösser der Termiten. Ein riesiger Marabou gleitet über unsere Köpfe. Dann unter einem Baum ein Löwe, der sich träge räkelt. Halbmondkuhantilopen am Wegesrand, Impalas, die sich in Riesensprüngen davonmachen. Immer wieder macht mich Chombah auf die wunderschönen Vögel aufmerksam, deren Stimmen er nahezu perfekt imitieren kann. Am schönsten ist es einfach stundenlang im Freien zu sitzen, um den Geräuschen und Gesängen zu lauschen.

Vom Fenster aus Elefanten beobachten

Am Abend erreichen wir die Taita Hills, wo wir in der Salt Lick Lodge übernachten. Hier treffen sich begeisterte Safaribesucher aus allen Ländern der Erde, um ihre Erlebnisse auszutauschen, während Musiker der Gonda-Volksgruppe der Taita Hills ihre wundervoll zarte Musik spielen. Die Häuser der Lodge sind auf Stelzen gebaut, um Tiere beobachten zu können. Von meinem Zimmer riskiere ich noch einen letzten Blick hinaus auf den kleinen Teich und entdecke in der Dunkelheit eine große Elefantengruppe mit drei Jungen, die direkt vor meinem Fenster genüsslich trinken. Am Morgen wollen wir früh aufbrechen, denn dann sieht man die meisten Tiere meint Chombah. Schon das trübe Licht über der Landschaft mit dem Frühnebel und dem Morgengezwitscher der Vögel lässt mein Herz höher schlagen. Welch eine Stimmung! Chombah bemerkt meine Begeisterung. "Pole, pole," meint er "langsam, langsam. Nicht haraka, haraka, zack, zack wie bei euch! Wir haben Zeit."


Mehr zum Thema



Newsticker