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Klimawandel und Reisen: Fliegen ohne Reue

Nur die wenigsten Reisenden sind bereit, ganz auf Flüge zu verzichten. Stattdessen florieren Spendenorganisationen, die für Geld einen Emissionsausgleich anbieten und Klimaschutzprojekte unterstützen. Wie entwickelt sich das Geschäft mit dem schlechten Gewissen?

Von Jessica Braun

"Vergib mir, Bär, denn ich habe gesündigt" - das mag sich mancher Reisende denken, der seine durch Flüge verursachten CO₂-Emissionen per Ablasszahlung wieder gutmachen möchte. 2007 war das Jahr der Klimadebatte und der Eisbär auf schmelzender Scholle wurde zum Symbol dessen, was Industrie, Verkehr aber auch jeder einzelne Verbraucher der Umwelt antun wird, wenn er sein Verhalten nicht ändert. Verzicht wäre nötig, aber wenn es um den Jahresurlaub geht, steht die Flugreise nicht zur Debatte.

Geflogen wird trotz geschärftem Bewusstsein nicht weniger. Der Reiseveranstalter Tui konnte im Vergleich zum letzten Jahr sogar einen Anstieg der Buchungen verzeichnen. Dafür floriert der Emissionshandel auf privater Ebene. Atmosfair und Myclimate heißen die zwei größten Non-Profit-Organisationen im deutschsprachigen Raum, die Flugreisenden freiwillige Ablasszahlungen ermöglichen.

Neue Kocher für Nigeria

Dass gerade Flugreisende einen enormen Druck verspüren, das Klima für ihr Handeln entschädigen zu müssen, ist erstaunlich. Flüge haben an der weltweiten Gesamtemission nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil: "Gemäß dem Nicholas-Stern-Bericht über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels machen die CO₂-Emissionen aus der Luftfahrt 1,6 Prozent der gesamten Treibhausgasemission aus", ist es auf der Website des Billigfliegers Easy-Jet zu lesen. Fünf Prozent aller Buchenden entrichten bei Easyjet bereits eine Klima-Abgabe. Dass Fliegen trotzdem die schädlichste Form der Fortbewegung ist, darüber schweigt die Fluglinie sich aus. Denn die Auswirkungen sind enorm: Mit 800 Kilogramm hat ein Fluggast von Berlin nach Barcelona und zurück so viel CO₂-Ausstoß verursacht wie ein indischer Bürger in einem ganzen Jahr, so die Rechnung von Atmosfair.

Atmosfair ist eine der Nonprofit-Organisationen, die vom veränderten Verbraucherbewusstsein extrem profitiert haben. Auf der Website der Organisation, aber auch bei ihren Kooperationspartnern aus der Tourismusbranche, kann jeder, der einen Flug antreten möchte, die auf der zurückgelegten Strecke verursachte Emission berechnen. Atmosfair nennt dann den Betrag, den der Fluggast spenden soll, um diese Emission auszugleichen. Die so erwirtschafteten Spendengelder fließen in klimafreundliche Projekte: In Wasser- oder Windkraftwerke in China oder Indien, aber auch in energieeffiziente Kocher für Familien in Nigeria, für deren Betrieb 80 Prozent weniger Holz nötig ist, als bei herkömmlichen. Nicht nur für das Klima, sondern auch für die Familien eine gesundheitliche Entlastung. Die Kocher pusten nicht mehr soviel Ruß in die Wohnstube. Darüber, dass die geförderten Projekte auch wirklich dem Klimaschutz nach Standard des Kyoto-Protokolls dienen, wachen unabhängige, bei der UNO akkreditierte Prüfer, die im Zweifelsfall auch persönlich für Fehler haften müssen.

Rasanter Spendenanstieg

Etwa 30 Euro pro Flug spenden die Nutzer nach Angaben von Dr. Dietrich Brockhagen, dem Geschäftsführer von Atmosfair. Darunter seien "der Geschäftsmann im Anzug genauso wie die Kreative aus der Werbeagentur, die Hausfrau oder der Greenpeacer". Waren es im ersten Geschäftsjahr 2005 noch 165.000 Euro, die so zugunsten des Klimas eingesammelt wurden, kamen 2007 schon 1,3 Millionen Euro zusammen. Der G8-Gipfel, aber auch der warme Winter und jede Menge Eisbären-Bilder haben das Bewusstsein für die Problematik geschärft. 2008 werden sogar noch höhere Einnahmen erwartet. Für Atmosfair "eine echte Herausforderung", wie Brockhagen betont: "Wir haben die Anzahl der Mitarbeiter verdreifacht, konnten aber unsere Verwaltungskosten bei unter 10 Prozent halten." 90 Prozent der Gelder kommen also tatsächlich bei den geförderten Projekten in Entwicklungsländern an.

Eine ähnliche Bilanz verzeichnete das Schweizer Unternehmen Myclimate. Laut Kathrin Dellantonio, Leiterin der Bereiche Sales und Marketing, steigerten sich die Spendeneinnahmen von etwa 265.000 Euro im Jahr 2005 auf 2,1 Millionen Euro im letzten Jahr. Doch obwohl beide Organisationen den deutschsprachigen Markt bedienen - Atmosfair kooperiert unter anderem mit Thomas Cook und Tui Nordic, Myclimate mit Tui und mehreren Airlines wie Lufthansa oder Virgin Atlantic - betrachten sie sich dennoch nicht als Konkurrenz. Das größere Problem seien "meist kommerzielle Anbieter, bei denen nur ein geringer Teil der Kompensationsgelder in die Projekte fließt und die Projekte nicht immer halten, was sie versprechen", so Dellantonio. Die Verbraucher könnten durch Kompensations-Anbieter, die den Ausstoß schlicht schönrechnen, verunsichert werden.

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Warum Atmosfair noch nicht mit Fluggesellschaften zusammenarbeitet

Anders als Myclimate kooperiert Atmosfair noch nicht mit einer Airline. "Eine Fluggesellschaft, mit der wir zusammenarbeiten, muss die Passagiere auf dem Stand der Wissenschaft über die Klimawirkung von Flugreisen informieren", so Dietrich Brockhagen. "Leider hat das bisher noch keine getan."

Ablasszahlung im Reisebüro

Weiter sind bereits einige Veranstalter. Tui-Kunden können bereits für Flüge, Transfer und für Hotelaufenthalte den Umwelt-Obolus nicht nur im Internet, sondern auch im Reisebüro entrichten. Die Buchung mit persönlicher Beratung ist sogar die wirksamere Methode, um Verbraucher zur Kompensation zu bewegen, wenn diese nicht auf das Fliegen verzichten wollen. Denn während im Internet jeder unbeobachtet darüber entscheiden kann, ob überhaupt und wenn ja, wie viel er spendet, dürfte das im Reisebüro deutlich schwerer fallen. Manchmal braucht es einfach ein wenig sozialen Druck, um den Schritt vom schlechten Gewissen hin zur gerechteren Handlung zu schaffen.

Nich einen Schritt weiter geht bereits der kleine Veranstalter Demeter-Reisen. Bei manchen der angebotenen Pauschalreisen ist der Emissionsausgleich schon im Preis enthalten. Es mag an der umweltbewussten Grundhaltung der Kunden liegen - die Marke Demeter steht seit den 20er Jahren für biologisch-dynamische Lebensmittel -, dass diese sich durch den eingerechneten Beitrag dennoch nicht bevormundet fühlen.

Vom PR-Gag zur EU-Verordnung

Obwohl immer mehr Veranstalter und Airlines ihren umweltbewussten Kunden eine Alternative zum völligen Flugverzicht anbieten, gibt es auch welche, die jegliche Ablasshandlung komplett ablehnen. "Wir wollen unsere Kunden nicht gängeln", so Peter Hauptvogel, Pressesprecher von Air Berlin, "Es steht ja jedem frei, Geld an eine solche Organisation zu überweisen, wenn er ein schlechtes Gewissen beim Fliegen hat." Er sieht im Emissionsausgleichs-Handel sogar ein Marketinginstrument. Und ist damit nicht allein. "Manche dieser 'Kooperationen' sind wohl auch eher als PR-Maßnahme zu verstehen."

Ein Vorwurf, der auch aus den Reihen der Umweltschützer bereits zu hören war. Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, kurz BUND, verweigerte Atmosfair beispielsweise die Unterstützung. Und Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kritisierte in einem Interview: "Aktive Klimapolitik funktioniert nur, indem das Fliegen deutlich teurer wird und technologische Durchbrüche wie das CO₂-freie Flugzeug entwickelt werden." Zumindest Ersteres scheint absehbar. Gerade beschloss das Europäische Parlament den Emissionshandel für den Luftverkehr. Alle Fluggesellschaften mit Starts und Landungen in der Europäischen Union müssen ab 2012 Zertifikate für den Kohlendioxid-Ausstoß nachweisen. Zusätzliche Kosten, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Fluggäste mittragen werden. "Dieses Geld fließt dann in die Staatskassen", meint Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel. "Ob es tatsächlich für den Umweltschutz eingesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt." Ob die Verbraucher bei steigenden Ticketpreisen noch bereit sind, weiterhin bei Atmosfair oder Myclimate zu spenden, allerdings auch.

Doch Kathrin Dellantonio gibt sich zuversichtlich: "Auf Myclimate wird das keinen großen Einfluss haben. Es sind völlig unterschiedliche Instrumente." Ob auch die Fluggäste diese Ansicht teilen, wird von ihrem gutem Willen abhängen. Und vom Grad ihres schlechten Gewissens.

www.atmosfair.de
www.myclimate.org

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(