Myanmar Droschken, Dschungel, Diktatur


Hinfahren oder nicht? Das fragen sich viele Reisende, wenn die Sprache auf Myanmar kommt. Die Antwort: hinfahren! Trotz Militärdiktatur. Denn die Menschen dort profitieren von Touristen. Und das Land ist ein unentdecktes Paradies.

Vergoldete Spitzen der unzähligen Pagoden ragen aus Zuckerpalmen-Hainen in den blauen Tropenhimmel. Mönche und Novizinnen in purpurroten und rosafarbenen Gewändern ziehen am frühen Morgen mit ihren Bettelschalen durch die Dörfer und sammeln ihre Essensration für den Tag ein. Ochsenkarren und Pferdedroschken rumpeln über staubige Pisten - das ist Myanmar, ein Land, in dem das Asien vergangener Zeiten lebendig ist.

Das ehemalige Burma (Birma) ist eines der exotischsten Reiseziele der Welt: alte Städte, dichter Dschungel, goldene Pagoden in nie gesehner Anzahl, freundliche Menschen, weiße Strände unter Palmen. Massentourismus gibt es nicht. Nach Westen hin abgeschottet, auf seine Eigenständigkeit pochend, ist das verarmte Land noch weitgehend unentdeckt - nicht zuletzt wegen des seit 1988 regierenden Militärregimes.

Hinfahren oder nicht?

Hinfahren oder nicht - so lautet oft die erste Frage. Die Antwort muss heißen: Hinfahren! Ist es doch für die Einheimischen die einzige Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt zu halten. Die problematische Regierungssituation kann und sollte auch der Tourist nicht ausblenden während seiner Reise. Vor Ort ist es nicht einfach, mit Einheimischen über die Lage des Landes zu reden.

Nur wenn sich der Droschken- oder Rikschafahrer sicher ist, dass niemand ihn hört, schimpft er auf die "Bande dort oben", auf die neue Hauptstadt, die sie sich im vergangenen Jahr mitten im Land gebaut haben und die erhöhten Steuern, die sie nun als kleine Selbstständige dafür zahlen müssen. Sie leben auch von den Touristen und können sich ein bescheidenes Auskommen erarbeiten.

Gemächlichste Großstadt Südostasiens

Der erste Weg sollte den Reisenden in Rangun in die Shwebontha-Street führen, denn dort haben sich die Schirmmacher angesiedelt. Man sucht sich aus einer Vielzahl von bunten Stoffen das Passende aus und geht einen Tee trinken, um eine Stunde später mit einem Sonnen-(Regen-)Schirm ganz nach Landessitte für die Stadterkundung gewappnet zu sein. Dann heißt es: eintauchen in die Stadt, sich treiben lassen in der gemächlichsten Großstadt ganz Südostasiens.

Zu Fuß oder mit dem Taxi lassen sich ihre Sehenswürdigkeiten bequem erkunden, allen voran die Schwedagon-Pagode, das Wahrzeichen des Landes und Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt. Hier strahlen 13.000 Platten aus Gold, 60 Tonnen schwer, in den blauen Himmel. Den ganzen Tag über herrscht Betrieb: Gläubige sitzen in Meditation versunken, Familien treffen sich zum Picknick, manch einer hält in der Mittagshitze ein Schläfchen auf dem weitläufigen Gelände.

Land voller Widersprüche

Und immer wieder staunende Touristen aus aller Welt: viele Franzosen, einige Deutsche, Italiener, Russen, Kanadier, Polen. Einigen von ihnen begegnet man im Laufe einer Rundreise zum Goldenen Felsen, zum Inle-See mit seinen Beinruderern, in die alte Königsstadt Mandalay oder nach Bagan wieder. Noch sind es so wenige Touristen, dass man sich über eine Begegnung freuen kann.

Burma ist ein Land voller Widersprüche: arm und doch relativ gebildet, streng religiös und zugleich so abergläubisch, dass die Nats, wie sie die bösen Geister nennen, verehrt werden wie Buddha selbst. Und die Menschen sind gut informiert über das, was in der Welt geschieht. "Es interessiert mich sehr, wie man in Deutschland mit der Regierung von Angela Merkel zufrieden ist", erkundigt sich ein Händler auf dem Scott-Market in Rangun in perfektem Englisch.

Nie zur Ruhe gekommen

Seine Söhne sind zum Studium in die Türkei gegangen und werden wohl auch nicht nach Myanmar zurückkehren, erzählt er. Er findet das in Ordnung. Die Universitäten im eigenen Land sind immer wieder Ausgangspunkt politischer Unruhen im Land und werden - wie zuletzt 1999 - dann einfach für ein paar Jahre geschlossen.

Nicht allzu viel scheint sich verändert zu haben, seit George Orwell seinen Roman "Tage in Burma" in den 20er Jahren verfasste. Das Ende der Kolonialzeit und der britischen Besatzung ist 60 Jahre vorbei, doch politisch ist das Land mit seinen vielen ethnischen Minderheiten nie zur Ruhe gekommen. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi streitet für die Demokratisierung in Burma und steht dafür seit mehr als zehn Jahren unter Hausarrest. Am 27. Mai 2006 wurde dieser erneut um ein Jahr verlängert.

Kulisse fürs "Traumschiff"

Nachdem im Januar auch das ZDF-"Traumschiff" Station in Burma machte und als märchenhafte Kulisse den Strand südlich von Rangun und das pure Gold der Schwedagon-Pagode auswählte, dürfte das Interesse der Touristen an dem größten Land Südostasiens noch wachsen.

Eingestellt auf Luxustouristen ist Myanmar durchaus. Prächtige alte Kolonialhotels wie zum Beispiel "The Strand" in Rangun sind perfekt restauriert, sündhaft teuer und mit allem Komfort ausgestattet. Selbst Strom gibt es hier aus dem eigenen Generator den ganzen Tag. Der Traveller im Land dagegen freut sich mit den Einheimischen, wenn etwa für vier Stunden täglich der Saft einfach aus der Steckdose kommt.

Angelika Rausch/DDP DDP

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