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Nach Notlandung: Warum darf eine Boeing 737 MAX trotz Startverbot fliegen?

Trotz des weltweiten "Grounding" der Boeing 737 MAX mit der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS startete eine Maschine in Florida. Doch wegen eines Triebwerkschadens musste der Jet umkehren. Wir erklären die Hintergründe.

Verwirrende Meldung aus den USA: Eine Boeing 737 MAX der US-Billigfluggesellschaft Southwest Airlines musste am Dienstag aufgrund eines Triebwerkproblems im US-Bundesstaat Florida notlanden. Das Flugzeug war schon kurz nach dem Start in Orlando zum Ausgangsflughafen zurückgekehrt. "Die Federal Aviation Administration ermittelt", hieß es in einer Erklärung.

Dabei müssen Flugzeuge dieser Baureihe eigentlich am Boden bleiben. Sie unterliegen einem weltweiten Flugverbot. Doch in diesem Fall handelte es sich nicht um einen regulären Linienflug, sondern um einen "ferry flight". Passagiere befanden sich daher nicht an Bord.

Die Crew dieses Überführungsfluges sollte eine der vielen 34 Boeings 737 MAX des Billigfliegers Southwest zum längerfristigen Einparken nach Victorville in Kalifornien fliegen. Der Flughafen in Mojave Wüste ist einer von mehreren Orten im trockenen Südwesten der Vereinigten Staaten, der von Fluggesellschaften zum Abstellen ihrer Maschinen benutzt wird, die vorübergehend nicht in Betrieb sind.

Auch Wüsten-Flughäfen in der Nähe von Phoenix und Tucson in Arizona werden als Abstellort für Zivil- und Militärmaschinen genutzt. Jets, die nicht mehr gebraucht werden oder unverkäuflich sind werden ausgeschlachtet und auf diesen "aircraft boneyards" zerlegt.

Ausnahmegenehmigung erforderlich

Seit einer Woche nutzen auch andere nordamerikanische Fluggesellschaften, wie zum Beispiel wie American Airlines, zu deren Flotten Dutzende von Boeings 737 MAX gehören, die Abstellflächen neben den Pisten der weniger frequentierten Flughäfen in Kalifornien. Für diese Transferflüge gilt eine Ausnahmeregelung: Das Flugverbot für die Boeing 737 MAX ist vorübergehend aufgehoben.

Nach Angaben von flightradar24.com sind inzwischen 22 Jets vom Typ Boeing 737 MAX in Victorville eingeparkt worden. Doch am Dienstag landete dort nicht wie geplant ein weiteres Flugzeug von Southwest Airlines: Die Boeing mit der Registrierung N8712L, die in Orlando durch das am 13. März auch in den USA verhängte Flugverbot gestrandet war, musste den Steigflug in einer Höhe von knapp 700 Metern abbrechen, da Unregelmäßigkeiten am rechten Treibwerk auftraten.

Darauf flogen die Piloten einen Kreis und landeten nach nur elf Minuten sicher auf der Piste 36L in Orlando. Das Triebwerk der Maschine wird inzwischen untersucht. Der Zwischenfall in Florida steht nicht im Zusammenhang mit der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS, die vermutlich bei den Abstürzen am 29.Oktober in Indonesien und 10. März in Äthiopien eine Rolle spielte, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen.

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tib

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