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Vietnam: Per Mopedtaxi durch Phu Quoc

Das Meer leuchtet Türkis, die Strände in strahlendem Weiß. Doch wer auf der größten vietnamesischen Insel Phu Quoc mehr als die üblichen Touristenziele sehen will, sollte sich ein Moped leihen - und den Chauffeur dazu am besten gleich mit.

Von Gesine Unverzagt

Allein der Anflug ist schon vielversprechend: Kokoshaine, Obst- und Pfefferplantagen, dichter Urwald. Im Osten und Norden erreichen die vom Regenwald bedeckten Berge eine Höhe bis zu 600 Metern. Im Westen finden sich Strände mit feinem, fast weißem Sand, an einem Meer, das in der Sonne türkis schimmert. Der Miniflughafen liegt am Rande der Inselhauptstadt Duong Dong, einem kleinen Ort mit 10.000 Einwohnern.

Phu Quoc im Südwesten vor der Küste Kambodschas ist mit seinen 596 Quadratkilometern die größte Insel Vietnams. Die rund 85.000 Einwohner leben primär von Fischfang. Die Spezialität der Insel ist die in ganz Vietnam berühmte Fischsoße Nuoc Mam, ohne die ein vietnamesisches Gericht undenkbar ist. Phu Quoc hat eine eigenwillige Geschichte, denn lange Zeit war es eine Gefangeneninsel. Hier befand sich das größte Gefangenenlager Cochinchinas. Die Insassen rodeten den Urwald, um Pfeffer- und Obstplantagen anzubauen. Da Kambodscha die Insel für sich beansprucht, gab es immer wieder blutige Kriege um die Insel; Phu Quoc ist deswegen noch heute eine Militärbasis, mit einem Sperrgebiet im Südosten der Insel.

Um auf der Insel beweglich zu sein, sollte man sich als erstes ein Moped ausleihen. Autos sind rar, und Inselbusse oder Taxis gibt es nicht. Wer nicht selbst fahren will, der kann gleich den Fahrer dazu mieten, was den Vorteil hat, dass der sich auf der Insel auskennt. Es hapert allerdings an der Kommunikation, denn nur wenige sprechen Englisch.

Nur in der Hauptstadt gibt es Strom

Ich entscheide mich für ein Mopedtaxi und los geht's, die Insel zu entdecken. Mein Fahrer Tran ist sehr vorsichtig und umfährt geschickt die Schlaglöcher auf den roten Lehmwegen. Die Fahrt führt vorbei an Mangrovenwäldern, Palmenhainen und dem endlos langen Strand entlang. An der dem offenen Meer zugewandten Westküste befinden sich die wunderbarsten Strände. Nur hier können die gigantischen Sonnenuntergänge beobachtet werden, da Badeorte wie Nha Trang und Phan Thiet an der Ostküste des Landes liegen.

Im Wasser dümpeln bunte Fischerboote, die vor Anker liegen. Einfache Strandhütten bieten den Fischerfamilien Schutz vor Sonne und Regen. Davor spielen Kinder, während die Väter die Netze flicken. Bisher sind Touristen noch rar, es hapert an der Infrastruktur. Nur in der Hauptstadt gibt es Strom, die mehr oder weniger einfachen Hotels haben dieselgetrieben Stromaggregate, was häufig zu Stromausfällen führt.

An dem von Kokospalmen gesäumten Strand Bai Truong, auch Long Beach genannt ist, befinden sich die Ressorts. Noch sind es einfache Hotels, aber hier soll ein zweites Singapur entstehen. Große Hotelketten beginnen das vergessene Paradies aufzuspüren, ein internationaler Flug- und ein Yachthafen sind in Planung. Mit der Idylle könnte es dann vorbei sein. Wer jetzt nach Phu Quoc reist, erlebt noch das vergessene Paradies.

Exotisches Obst und Gemüse auf den Märkten

Nachdem mein Mopedtaxifahrer auf dem Weg eine Perlenzucht gezeigt hat, wo Besucher in klimatisierten Räumen Perlen und Schmuckstücke kaufen können, ist An Thoi das nächste Etappenziel. Der zweitgrößte Ort der Insel ist ein lebendiger Fischereihafen. Bei einem Tee in einer der Buden lässt sich das rege Treiben im Hafen beobachten. Wir schlendern über den Markt, bestaunen exotische Früchte und fremdes Gemüse und schauen den Männern über die Schulter, die in kleinen Gruppen zusammenhocken und Majong spielen.

Hier an der Südspitze der Insel hat auch Bang, ein ehemaliger Fischer, ein Boot, mit dem er Ausflüge mit Touristen macht. Zehn kleine Inseln sind an dieser Stelle Phu Quoc vorgelagert. Bang fährt weit hinaus auf Meer, um gemeinsam mit den Ausflüglern für das Mittagessen zu sorgen. Die Fische sind zwar relativ klein, aber sehr zahlreich - zur großen Freude der Hobbyangler. Die Bootstour führt vorbei an zahlreichen Inseln, dann heißt es ab ins Meer, denn an den felsigen Klippen sind beim Schnorcheln farbenfrohe Fische zu beobachten.

Frisch gebratener Fisch auf dem Boot

Inzwischen hat Bang dafür gesorgt, dass der Fisch und mitgebrachtes Gemüse in einer improvisierten Küche am Heck des Bootes gebraten werden. Der frische Fisch schmeckt köstlich und die Ananas als Nachtisch zuckersüß. Im Hafen von Thom Islet, eine der vorgelagerten Inseln, ist heute besonders viel los. "Es liegt eine Sturmwarnung für heute Nacht vor, hier in der Bucht sind die Boote vor dem Sturm sicher", erklärt Bang. Auch wir bringen uns lieber rechtzeitig in Sicherheit und treten sofort die Rückfahrt an.

Am Kai wartet Tran, um die Inselrundfahrt per Motorrad fortzusetzen. An der Ostküste ist der Weg asphaltiert und Tran gibt Gas. Der laue Fahrtwind hilft, die Hitze etwas zu lindern. Die Landschaft ist hier besonders fruchtbar. Bananenplantagen, riesige Mangobäume und Pfirsichplantagen säumen den Weg. Wir überqueren einen Fluss, an dessen Ufer Fischerboote repariert werden. Es wird hügelig, dichter Urwald löst die Plantagen ab. Nahezu unberührt ist der Regenwald im Nordwesten. Wir kommen gerade rechtzeitig zur Dämmerung zurück ins Ressort am Long Beach, um am Strand bei lauer Temperatur und einem Gin Tonic den spektakulären Sonnenuntergang zu erleben. Nachdem die rote Kugel im Meer versunken ist, wird der Himmel dunkelblau. Draußen auf dem Meer sieht man nur noch die Lichter der Fischerboote, die dem Wind trotzen.

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