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Verfehlte Verkehrsplanung: Koblenz pflanzt Baum mitten auf Radweg – es geht aber noch kurioser, wie diese Beispiele zeigen

Viele deutsche Städte wollen fahrradfreundlicher werden. Umso mehr fragt man sich, was manchen Planern von Radwegen so durch den Kopf geht. Beispiel Koblenz - dort schmückt jetzt ein Baum die Piste für Radler. Bei Weitem nicht der einzige Fauxpas dieser Art in Deutschland.

Radwege - Fails - Schikane - Koblenz

"Natürliche" Verkehrsberuhigung: Dieser mittig auf einem Fußgänger- und Radweg platzierte Rotahorn brachte Koblenz über die Region hinaus ins Gespräch

DPA

Grundsätzlich, das musste dann auch Heiko Breitbarth, Sprecher der Stadt Koblenz, einsehen, könne man sich natürlich "bessere Standorte für Bäume vorstellen". Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen beziehungsweise der Baum eingebuddelt - und Koblenz über die Stadtgrenzen hinaus im Gespräch.

Der Grund: Im Rahmen ihres Sanierungskonzepts für die historischen Parkanlagen hatte die Stadt einen Baum in Rheinnähe gepflanzt, sich über die damit einhergehenden Gefahren aber offensichtlich weniger Gedanken gemacht. Und so steht seit Februar ein junger Rotahorn mittig auf einem Rad- und Fußgängerweg am Rheinufer. Da der von vier Holzstützen stabilisierte Baum zudem in einem größeren und mit Steinen befestigten Erdfeld steht, bleibt vor allem Radfahrern seither nichts anderes übrig, als die Pflanze zu umkurven. Kritik und Spott ließen nicht lang auf sich warten: "Ist das Kunst oder kann der weg?", hatten Unbekannte auf ein inzwischen wieder entferntes Schild geschrieben, um auf den zumindest fragwürdigen Standort des Baums hinzuweisen. Das NDR-Satiremagazin "Extra3" widmete der Posse gar einen eigenen Beitrag.

Im Park stand schon früher an selber Stelle ein Baum

Nun sollte nicht unerwähnt bleiben, dass an der selben Stelle schon mal ein Baum stand, das "Hindernis" also nicht neu ist. Früher habe dort eine rund 80 Jahre alte Kastanie gestanden, sagte Breitbarth dem SWR. Darüber aber habe sich niemand aufgeregt. "Erst nachdem wir die erkrankte Kastanie gefällt und den Rotahorn gepflanzt hatten, wurde der Standort problematisiert", führte er aus.

Dass dies in der jetzigen Diskussion untergeht, ist sicher nicht richtig. Und doch ist der Koblenzer Baum nur ein Beispiel dafür, dass Verkehrs- und Stadtplaner - gerade in Zeiten, wo viele Städte fahrradfreundlicher werden (wollen) - nicht immer ein glückliches Händchen beweisen. So erlangte erst im vergangenen Jahr ein Berliner Radweg wegen seiner Zick-Zack-Führung internationale Berühmtheit.

Radweg in Berlin

Trampeln, bremsen, einlenken, neu anfahren, wieder bremsen, einlenken und so weiter: Dieser Zick-Zack-Radweg in Berlin erntete im Sommer 2018 bundesweit Spott und Hohn

DPA

Warum die zuständige Firma den Radweg damals so aufmalte, ist bis heute unklar. Das zuständige Bezirksamt Zehlendorf indes reagierte: Ein anderes Unternehmen wurde damit beauftragt, die Strecke wieder zu begradigen, wenige Tage später rückten dann auch Arbeiter an.

Radweg in Berlin

Ein Arbeiter fräst das Zick-Zack-Muster von den Pflastersteinen

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"Deutsche Radwege, Symbolbild"

Dass der Berliner Zick-Zack-Kurs und die Koblenzer Baum-Posse keine Ausnahmen in Deutschland sind, zeigen diverse im Netz veröffentlichte Bilder, die direkt aus der Radfahrer-Hölle stammen könnten. Eine kleine Auswahl. 

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Gepostet von ADFC Köln am Samstag, 14. April 2018

In Koblenzer Park fahren sie jetzt rücksichtsvoller

In Koblenz hatte die Baum-Posse immerhin einen positiven Nebeneffekt: Dass der Rotahorn mittig auf dem Weg stehe, habe unter anderem dazu geführt, "dass sich Radfahrer mit reduzierter Geschwindigkeit einem Kinderspielplatz nähern", so Stadtsprecher Breitbarth. Dort habe es schon häufiger Konflikte wegen rücksichtsloser Fahrweise gegeben.

Quellen: SWR / Twitter

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