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Langstreckenziele ab Ende 2015: Eurowings wird zum Billigflieger der Lufthansa

Während die Piloten erneut streiken, baut Lufthansa die Airline um. Unter der Marke Eurowings wird es bald europa- und weltweit Flüge ohne Schnickschnack geben. Die ersten Ziele stehen bereits fest.

Zwischen zwei Pilotenstreiks hat die Lufthansa einen massiven Ausbau ihres Billigangebots auf den Weg gebracht. Damit will der Konzern im harten Preiskampf anderen europäischen Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet die Stirn bieten. Der Aufsichtsrat billigte am Mittwoch ein Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Dabei setzt der Konzern komplett auf die Marke Eurowings. Die bereits bestehende Tochtergesellschaft erhält größere Flugzeuge und soll künftig kostengünstige Direktflüge sowohl innerhalb Europas als auch auf der Langstrecke anbieten. Die erst 2013 neu aufgestellte Billigmarke Germanwings wird im kommenden Jahr weitgehend verschwinden. "Wir wollen in ganz Europa erfolgreich sein, und da bietet sich der Markenname Eurowings besser an als Germanwings, wenn die Maschine künftig von Österreich nach Spanien fliegt", sagte Spohr.

Langstreckenziele ab Köln

Die neue Gesellschaft sei als Plattform konzipiert, auf der mehrere Fluggesellschaften ihre Leistungen anbieten, sagte Spohr. Sie wird selbst über 23 eigene Airbus-Jets verfügen, die bis Ende 2017 die kleineren Flugzeuge der jetzigen Flotte ablösen. Dazu kommen 58 Germanwings-Flugzeuge und sieben A 330 für die Langstrecke, die von der deutsch-türkischen Lufthansa-Beteiligung SunExpress Deutschland in der neuen weiß-rot-blauen Eurowings-Bemalung betrieben werden. Bereits Ende 2015 starten drei Airbus A330 ab Köln zu Badezielen in Florida, im Indischen Ozean und ins südliche Afrika.

Lufthansa folgt notgedrungen dem Vorbild seiner klassischen Konkurrenten. Die British-Airways-Mutter IAG hat mit der spanischen Vueling längst einen Billigableger im Portfolio und auch Air France/KLM konnte am Mittwoch einen Kompromiss mit ihren Piloten zum Ausbau ihrer Billigtochter Transavia vermelden.

Vereinigung Cockpit kritisiert Billig-Konzept

Die günstigere Kostenstruktur soll durch geringere Personalkosten bei Piloten und Kabinen-Crew sowie für Wartung und Flugbetrieb erreicht werden. Die Piloten bei Eurowings verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Lufthansa, die unter den Konzerntarifvertrag fallen. In den Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns arbeiten derzeit insgesamt knapp 9100 Piloten, von denen aber nur rund 5400 nach Konzerntarifvertrag bezahlt werden.

Im aktuellen Tarifkonflikt geht es um die Übergangsrenten dieser 5400 Piloten, aber zumindest im Hintergrund auch um den künftigen Kurs des Dax-Konzerns mit dem Ausbau des Billigangebots. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) äußerte zwar scharfe Kritik am Billig-Konzept, will es aber nach den Worten ihres Sprechers Jörg Handwerg "nicht wegstreiken."

Zur Frage der Übergangsversorgung für die Piloten bot die Lufthansa der Gewerkschaft am Mittwoch eine Schlichtung an. Die Vereinigung Cockpit will dieses Angebot in der kommenden Woche prüfen, wie ein Sprecher sagte.

Donnerstag fallen Langstreckenflüge aus

An dem für Donnerstag angekündigten Streik hält die Gewerkschaft aber fest. Der Ausstand soll von 3 Uhr früh bis Mitternacht dauern. Die Lufthansa strich wegen der erneuten Arbeitsniederlegungen für Donnerstag mehr als die Hälfte ihres Langstreckenangebots. Lufthansa Cargo will 9 von 15 Frachtflügen ab Frankfurt starten lassen. Das Unternehmen reagierte mit "vollkommenem Unverständnis" auf die neuen Streiks.

Erst am Dienstag war die mittlerweile neunte Streikrunde zu Ende gegangen. Von rund 1400 Flugausfällen waren laut Lufthansa 150 000 Passagiere betroffen. Cockpit kündigte an, nach den Streiks am Donnerstag seien weitere Arbeitsniederlegungen mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage möglich.

tib/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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