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Havarie der "Costa Concordia": Passagierverband macht Reederei schwere Vorwürfe

Nach Ansicht des Präsidenten des Passagierverbandes Eucras, Stefan Jaeger, war das Unglück vor der italienischen Küste vermeidbar. Jaeger hat weder Verständnis für die chaotische Evakuierung, noch für die riskante Route des Schiffes.

Nach der Havarie der "Costa Concordia" wirft der Verband der Kreuzfahrtpassagiere dem Reedereiunternehmen Versagen vor. "Wir erheben schwere Vorwürfe gegen die Reederei Costa", sagte Stefan Jaeger, Präsident der European Cruiser Association (Eucras), der "Financial Times Deutschland". Der Verein mit Sitz in Wiesbaden vertritt vor allem die Interessen von Passagieren, ähnlich wie es der Fahrgastverein Pro Bahn bei der Deutschen Bahn macht.

Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" war am späten Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der Insel Giglio an der Toskana-Küste gelaufen. Nach starkem Wassereinbruch neigte sich das Schiff und kippte schließlich auf die Seite. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Am Sonntag fanden Taucher zwei weitere Leichen im Bauch des Schiffes, damit stieg die Anzahl der Todesopfer auf fünf. Nach Angaben der Behörden wurden 60 weitere Menschen verletzt. Auch etwa zehn deutsche Passagiere erlitten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft leichte Verletzungen. Die Unfallursache ist bislang unklar.

Jaeger vermutet Überforderung bei Besatzung

Eucras-Präsident Jaeger vermutet, dass sich der Kapitan der "Costa Concordia" falsch verhalten habe. So sei es höchst fahrlässig, dass dass Kreuzfahrtschiff so nahe an der Insel Giglio vorbei gefahren sein. Inselbewohner hätten berichtet, dass in letzter Zeit vermehrt Schiffe der Costa-Reederei diese gefährlichen Routen genommen hätten. "Trifft dies zu, dann hätte die Reederei eingreifen müssen", so Jaeger.

Unverständlich sei aus seiner Sicht auch das Chaos an Bord, nachdem das Schiff auf den Felsen gefahren sei und sich dann geneigt habe. "Besatzungsmitglieder sind eigentlich auf Notfälle wie diesen vorbereitet, sie werden ein bis zweimal pro Woche entsprechend in Übungen darauf gedrillt", so Jaeger. Es gebe internationale Standards für solche Rettungsübungen, an denen auch die Passagiere teilnehmen müssten. So sei es üblich, dass es vor dem Auslaufen eines Kreuzfahrtschiffes alle Gäste an Bord ihre Rettungswesten anziehen müssten und ihre Sammelpunkte aufsuchen müssten, wo die jeweiligen Rettungsboote seien. "Das dauert fünf bis sieben Minuten, und dann sind alle Passagiere bei ihren Rettungsbooten."

Jaeger kann sich das Chaos an Bord nur damit erklären, dass sowohl die Stammbesatzung der "Costa Concordia" als auch die vielen hundert Hilfskräfte an Bord überfordert gewesen seien. Ob das an fehlenden Übungen oder an einer leichtfertigen, falschen Einschätzung der Lage gelegen habe, darüber könne er nur spekulieren, so Jaeger.

Costa-Kapitän Francesco Schettino festgenommen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat indes weitere deutsche Opfer nicht ausgeschlossen. Er hoffe, dass "wir keine weiteren schlimmen Nachrichten als Deutsche hören müssen", sagte Westerwelle am Rande einer FDP-Veranstaltung in Düsseldorf. Ausschließen könne er dies aber nicht, weil es immer noch Vermisste gebe, deren Schicksal noch nicht aufgeklärt werden konnte. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Schicksale der Vermissten aufzuklären", sagte der FDP-Politiker weiter. "Wir wissen, dass es deutsche Verletze gibt, die in Krankenhäusern behandelt werden", fügte er hinzu.

Costa-Kapitän Francesco Schettino wurde inzwischen festgenommen. Ihm wird nach Angaben der Polizei unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er verließ das Schiff nach der Katastrophe offiziellen Angaben zufolge zügig, noch bevor alle Menschen von Bord gebracht werden konnten. Ein Sprecher der Betreibergesellschaft Costa Crociere sagte, die "Costa Concordia" sei auf ihrer normalen Route unterwegs gewesen, als sie einen Felsen gerammt habe. Der Kapitän sagte in einem Fernsehinterview, der Felsen sei auf keiner Seekarte eingezeichnet gewesen. Auch der Chef von Costa Cruises, Gianni Ororato, nahm den Kapitän in Schutz. Dieser habe "ein Manöver durchgeführt, das Gäste und Crew schützen sollte".

Financial Times Deutschland

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