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Nach Berliner Großflughafen-Pleite Ruhiger Start in Tegel und Schönefeld


Eigentlich hätte heute der neue Berliner Großflughafen seine Pforten öffnen sollen – mit Pauken und Trompeten. Doch die Flieger müssen weiter in Tegel oder Schönefeld aufsetzen. Das befürchtete Chaos bleibt dort bis jetzt aus.

Eine große Party, ein Festtag hätte es sein sollen, wenn an diesem Sonntag der Hauptstadtflughafen in Betrieb genommen worden wäre. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen richten sich Betreiber und Airlines nun auf schwierige Monate an den bisherigen Standorten Tegel und Schönefeld ein.

Doch bislang haben die alten Berliner Flughäfen die zusätzliche Belastung gut verkraftet. "Es war ein milder und ruhiger Auftakt", sagte ein Flughafensprecher. In den nächsten Wochen werde es schwieriger. Fluggäste sollten auf jeden Fall mehr Zeit für die Anreise und den Aufenthalt im Flughafen einplanen.

"Wir dürfen jetzt nicht nur auf den BER schauen", warnte Oliver Wagner, der Leiter des Berlin-Angebots der Lufthansa. Der alte Flughafen Tegel müsse nun so viele Starts und Landungen verkraften wie nie.

Lufthansa verlangt Ausnahmen vom Nachtflugverbot

Die Lufthansa startet und landet in Berlin nun 1070 Mal pro Woche, was gut 50 Prozent mehr Flügen entspricht. Sie hat 31 neue Verbindungen im Angebot und will mit Direktflügen ab 49 Euro in Berlin den Billigfliegern Kunden abjagen. Air Berlin hat ihr Programm um acht Prozent auf rund 1500 Starts und Landungen aufgestockt.

Lufthansa forderte vom Berliner Senat mehr Polizei an den Straßen zum Flughafen, um ein Verkehrschaos zu verhindern. Man wolle nicht mit halb vollen Flugzeuge starten, nur weil die Passagiere im Stau festsäßen, sagte der Konzernbevollmächtigte Thomas Kropp.

Für den Winter verlangt die größte deutsche Airline großzügige Ausnahmen vom Nachtflugverbot, wenn Schnee und Eis den Betrieb behindern. "Wir wollen mit einem großen Programm über den Winter kommen - und da gibt es noch Fragezeichen."

Keine Übergangslösung mehr

"Es ist natürlich eng, das ist ja auch der Grund, warum wir einen neuen Flughafen brauchen", sagte Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD). "Aber ich denke, dass wir das bewältigen können." Es sei eine bittere Schlappe, dass der Großflughafen nicht rechtzeitig fertig wurde. Er soll nun statt am 3. Juni 2012 am 17. März 2013 in Betrieb gehen.

Müller hatte Flüge nach 23 Uhr genehmigt, damit die Airlines alle Starts und Landungen in Tegel unterbringen können. Den von Air Berlin geforderten Flügen vor 6 Uhr erteilte er am Sonntag aber eine Absage.

Mit dem neuen Flugprogramm liegt die Lufthansa nach eigenen Angaben bei Frequenz und Sitzplätzen nur noch knapp hinter dem Platzhirsch Air Berlin. "Wir wollen hier die Nummer eins werden", sagte ein Sprecher. Im Herbst kommen neue Verbindungen hinzu.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte laut einer Mitteilung, bei der Eröffnung des neuen Flughafens im nächsten Frühjahr werde es keine Übergangslösungen geben. Jetzt gelte Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Platzeck wörtlich: "Es ist für den Aufsichtsrat selbstverständlich, dass der Flughafen seinen Betrieb nur mit einer vollautomatischen Brandschutzanlage aufnehmen kann. Und dieses komplexe System, das eines der größten der Welt ist, wird nach Aussage der Geschäftsführung erst im Dezember komplett einsatzfähig sein. Danach folgen Check und Genehmigung des Anlagekomplexes."

Burkhard Fraune, DPA DPA

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