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Schrittweise Öffnung des Luftraums: Airlines trotzen der Aschewolke - mit Sondererlaubnissen

Trotz der Luftraum-Sperre bis mindestens 14.00 Uhr nimmt der Betrieb auf den deutschen Flughäfen seit Dienstagmorgen zu.

Weltweit ist die Hoffnung auf ein Ende des Chaos im europäischen Flugverkehr gestiegen. In Italien und in der Schweiz sollten ab Dienstagmorgen alle Flughäfen wieder in Betrieb gehen, Großbritannien, Frankreich und Belgien kündigten eine schrittweise Öffnung ihres Luftraumes an. Der deutsche Luftraum blieb zunächst bis 14.00 Uhr gesperrt, mit einer Ausnahmeregelung durften Maschinen aber starten und landen.

Am Dienstag kündigte die Lufthansa an, einen großen Teil ihrer rund 80 Langstreckenflüge anbieten zu können. Auch das Angebot der innerdeutschen und europäischen Flüge sollte im Laufe des Tages ausgeweitet werden, sagte ein Sprecher am Morgen der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt seien rund 200 Flüge geplant. Möglich macht dies eine Ausnahmeregelung, wonach die Piloten bei gutem Wetter in wenigen tausend Metern Höhe auf Sicht fliegen dürfen und auch Nachtflüge in den Bundesländern erlaubt sind, in denen sie zugelassen sind.

Die Lufthansa hatte eine Sondererlaubnis für 50 Flüge aus Asien, Nord- und Südamerika erhalten, mit denen am Dienstag 15.000 Passagiere in Frankfurt, München und Düsseldorf zurückerwartet wurden. Die ersten Flugzeuge waren am Dienstagfrüh bereits gelandet. Auch Air Berlin und TUI nahmen den Flugbetrieb zur Rückführung ihrer Passagiere wieder auf. Germanwings und Thomas Cook kündigten erste Flüge für Dienstag an.

Die europäischen Staaten hatten sich am Montag auf das Verfahren geeinigt, wonach Airlines Sonderflüge beantragen können. Laut der spanischen EU-Ratspräsidentschaft sollte der europäische Luftraum ab 08.00 Uhr schrittweise wieder geöffnet werden. Die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol erwartete eine Normalisierung des Luftverkehrs bis Donnerstag, sollte die Aktivität des Asche speienden isländischen Vulkans weiter abnehmen.

Ob sich der Gletschervulkan Eyjafjöll in den nächsten Tagen tatsächlich weiter beruhigen wird, war jedoch wieder unklar. Am Montagabend dämpfte die britische Luftfahrtbehörde NATS die Hoffnung: Die Eruptionen des Gletschervulkans nähmen wieder an Stärke zu, eine neue Aschewolke treibe auf Großbritannien zu, teilte sie unter Berufung auf den britischen Wetterdienst mit. Die Flugsituation schätzte die Behörde in der Nacht zum Dienstag als "variabel" ein und beschloss, vorsichtshalber die Londoner Flughäfen weiter geschlossen zu halten. Norwegen schloss am Morgen einen Teil seines Luftraums wieder.

Inzwischen wächst auch innerhalb der Regierungskoalition die Kritik am Krisenmanagement von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Angesichts der immensen wirtschaftlichen Schäden vor allem im Tourismus dürften sich die deutschen Behörden bei ihrem Flugverbot nicht allein auf Messungen berufen, die "höchst umstritten" seien, sagte der CDU-Obmann im Wirtschaftsausschuss, Andreas Lämmel, der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. "Wenn man sieht, dass zum Beispiel in Österreich schon wieder geflogen werden darf, frage ich mich, ob die Situation bei uns wirklich grundsätzlich anders ist". FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich sagte, der Verkehrsminister habe "zu starr ausschließlich die Sicherheit im Blick".

Angesichts der Millionenausfälle der vergangenen Tage haben die führenden deutschen Fluggesellschaften und Reisekonzerne nach Informationen der "Welt" bereits Staatshilfe bei der Bundesregierung angefragt. Unternehmensvertreter seien mit einer entsprechenden Bitte an Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) herangetreten, hätten aber noch keinen offiziellen Antrag gestellt. Nach Schätzung des internationalen Branchenverbands IATA verlieren die Airlines wegen der Aschewolke täglich 150 Millionen Euro.

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